Elektroschrott weltweit: 62 Millionen Tonnen, aber nur 22,3 Prozent recycelt
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kurzlebige Elektronikartikel, sogenannte Fast-Tech-Produkte wie Ladekabel, Kopfhörer oder Einweg-Vaporizer, verschärfen die weltweiten Umweltprobleme zunehmend. Während die Absatzzahlen neuer Geräte steigen, hinkt die fachgerechte Erfassung und Verwertung von Elektroschrott weltweit hinterher. Eine Analyse der aktuellen Datenlage zeigt das Ausmaß der Ressourcenverluste sowie Ansätze für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Steigende Müllberge und niedrige Recyclingquoten weltweit
Laut dem Global E-Waste Monitor 2024 von UNITAR und ITU fielen im Jahr 2022 weltweit 62 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Dies entsprach einem Zuwachs von 82 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010. Lediglich 22,3 Prozent dieser Menge wurden dokumentiert gesammelt und recycelt.
In Europa lag das Pro-Kopf-Aufkommen im Jahr 2022 bei 17,6 Kilogramm, wovon 7,5 Kilogramm pro Kopf nachweislich gesammelt und verwertet wurden, was einer Quote von 42,8 Prozent entsprach.
Besonders gravierend stellt sich die Situation bei Kleingeräten dar: Nach Angaben von UNITAR und ITU machen sie ein Drittel des weltweiten Aufkommens aus, doch nur 12 Prozent davon werden recycelt. Kleine IT- und Telekommunikationstechnik wie Laptops und Mobiltelefone erreicht global eine dokumentierte Verwertungsquote von 22 Prozent.
Nach Angaben des Reparaturdienstleisters iServices verbraucht die Herstellung eines einzelnen Smartphones laut durchschnittlichen Lebenszyklusanalysen rund 12 Liter Wasser, 50 Kilogramm CO2-Äquivalent sowie fast 80 Kilogramm natürliche Ressourcen. Für das Jahr 2030 prognostiziert das Unternehmen ein weltweites Elektroschrottaufkommen von 82 Millionen Tonnen.
Herausforderungen und Gesetzesvorgaben in Deutschland
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In Deutschland zeigt sich eine erhebliche Lücke zwischen Neuware und Altgeräten. Nach vorläufigen Daten der Stiftung Elektro-Altgeräte Register kamen im Jahr 2025 rund 3,4 Millionen Tonnen neue Elektrogeräte auf den Markt. Offiziell eingesammelt wurden hingegen lediglich rund 960.000 Tonnen Altgeräte. Damit verfehlt Deutschland die gesetzliche Sammelvorgabe seit Jahren.
Dabei birgt die Rückgewinnung großes wirtschaftliches Potenzial: Eine im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe durchgeführte Studie beziffert den Wert der Rohstoffe, die durch eine bessere Sammlung und Verwertung jährlich zusätzlich zurückgewonnen werden könnten, auf mehr als zwei Milliarden Euro.
Um Altgeräte besser zu erfassen, regelt das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) klare Pflichten. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt können Bürger sowie kleine Gewerbebetriebe Elektroaltgeräte in haushaltsüblichen Mengen bis zu fünf Stück je Geräteart kostenfrei entsorgen.
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Zudem ist der Handel mit einer Verkaufsfläche für Elektrogeräte von mindestens 400 Quadratmetern verpflichtet, Kleingeräte bis 25 Zentimeter Kantenlänge auch ohne Neukauf zurückzunehmen.
Größere Geräte müssen Händler nur beim Kauf eines gleichartigen Neugeräts annehmen. Kommunale Sammelstellen führen die Altgeräte in sechs Gruppen, darunter Bildschirme, Lampen und Photovoltaikmodule. Die Entsorgung über den Restmüll oder an fahrende Händler ist unzulässig.
Reparatur, Aufbereitung und neue Recyclingtechnologien
Neben der reinen Entsorgung gewinnen Lebensdauerverlängerung und Materialinnovationen an Bedeutung. Das gemeinnützige IT-Unternehmen afb bereitete im Jahr 2025 rund 728.000 Geräte auf und sparte dadurch 68.000 Tonnen CO2-Äquivalente ein.
Bei iServices wurden im selben Jahr über 360 Geräte repariert und rund 150 Geräte aufbereitet, wobei das iPhone 11 aus dem Jahr 2019 das am häufigsten reparierte Modell darstellte.
Auch auf technologischer Ebene gibt es Fortschritte: Forschende der Jacobs School of Engineering an der UC San Diego und des Toyota Research Institute of North America veröffentlichten am 9. Oktober 2026 eine Untersuchung zu einem fluorfreien, wasserlöslichen Batterie-Bindemittel in der Fachzeitschrift Nature Communications.
Die Verbindung aus Polyacrylsäure und Carboxymethylcellulose, vernetzt mit Zitronensäure, ermöglicht es, Elektroden durch einfaches Einlegen in Wasser rückstandsfrei vom Bindemittel zu trennen. Das Verfahren behielt in Tests über Hunderte bis Tausende Ladezyklen seine Kapazität und soll nun für die industrielle Fertigung skaliert werden.
