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Emotionale Intelligenz: 59% der Führungskräfte sehen Nutzen

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

EQ gilt bei 59 % der Führungskräfte als Schlüsselkompetenz, doch Forscher kritisieren die unpräzise Definition des Konzepts.

Emotionale Intelligenz: Zwischen Wissenschaftskritik und Führungsalltag
Eine leuchtende Gehirnsilhouette auf einem Schreibtisch neben einem Notizbuch, symbolisch für Management-Training und EQ. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seit der Popularisierung des Konzepts der emotionalen Intelligenz (EQ) in den 1990er-Jahren hat sich die Wahrnehmung von Führungskompetenzen grundlegend gewandelt. Während kognitive Fähigkeiten lange Zeit als primäre Erfolgsfaktoren galten, rückte Daniel Goleman die emotionale Komponente in den Fokus der Management-Lehre. Aktuelle wissenschaftliche Debatten und Umfragen unter Führungskräften zeichnen jedoch ein differenziertes Bild über den Nutzen und die Definition dieser Eigenschaft.

Die Evolution der emotionalen Intelligenz seit 1995

Der Grundstein für die heutige Bedeutung des Begriffs wurde im Jahr 1995 gelegt, als Daniel Goleman sein einflussreiches Buch mit dem Titel „EQ“ veröffentlichte. Er etablierte damit die These, dass die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle korrekt wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen, entscheidend für den beruflichen und privaten Erfolg sei. In der Folgezeit wurde die emotionale Intelligenz zu einem festen Bestandteil von Management-Trainings und Auswahlverfahren für Spitzenpositionen.

In der Wissenschaft regt sich jedoch zunehmend Widerstand gegen die von Goleman geprägte, sehr weit gefasste Definition des Begriffs. Forscher kritisieren, dass Goleman eine Vielzahl von Persönlichkeitsmerkmalen und sozialen Kompetenzen unter dem Dach der emotionalen Intelligenz zusammenfasst, was eine präzise Messung und Abgrenzung zu herkömmlichen Persönlichkeitstests erschwere. Die wissenschaftliche Kritik richtet sich vor allem gegen die Unschärfe des Konzepts, die es schwierig mache, die tatsächliche kognitive Auswirkung und den konkreten Erfolgswert des EQ isoliert zu betrachten.

Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher Definition und unternehmerischer Praxis

Trotz der akademischen Diskussion um die Definitionshoheit bleibt die praktische Relevanz des Themas in der Wirtschaft hoch. Eine Erhebung des Deutschen Führungskräfteverbands verdeutlicht diesen Stellenwert: Laut der Umfrage halten 59 % der befragten Führungskräfte die emotionale Intelligenz für eine wichtige Kompetenz im Berufsalltag. Dies deutet darauf hin, dass die Anwendung des Konzepts in der Praxis weniger von einer exakten wissenschaftlichen Abgrenzung abhängt als vielmehr vom empfundenen Nutzen für die Teamführung und Kommunikation.

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Die Debatte wird dadurch befeuert, dass EQ oft als notwendige Ergänzung zum klassischen Intelligenzquotienten (IQ) gesehen wird. In der Unternehmenswelt herrscht die Auffassung vor, dass fachliche Exzellenz allein nicht ausreicht, um komplexe Organisationen erfolgreich zu steuern.

Wirtschaftliche Relevanz und die Rolle moderner Führungskräfte

Prominente Vertreter der globalen Wirtschaft unterstreichen die Bedeutung dieser ergänzenden Kompetenzen. Microsoft-CEO Satya Nadella äußerte sich im Jahr 2025 zu diesem Thema und gab zu verstehen, dass ein hoher IQ ohne eine entsprechende emotionale Intelligenz eine Verschwendung von Potenzial darstelle. Solche Einschätzungen aus der obersten Managementebene haben dazu beigetragen, dass EQ weiterhin als zentrales Element der Führungskräfteentwicklung gilt, auch wenn die wissenschaftliche Basis der Goleman-Definition hinterfragt wird.

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Die Herausforderung für das künftige Management-Training liegt darin, die Brücke zwischen den wissenschaftlichen Forderungen nach Präzision und den praktischen Anforderungen des Führungsalltags zu schlagen. Während die Wissenschaft eine engere Definition anmahnt, um die kognitiven Mechanismen hinter der emotionalen Verarbeitung besser zu verstehen, orientiert sich die Praxis an der Wirksamkeit in der zwischenmenschlichen Interaktion. Die Diskussion zeigt, dass die emotionale Intelligenz mehr als drei Jahrzehnte nach Golemans erstem Erfolg ein dynamisches und zugleich umstrittenes Feld der Management-Forschung bleibt.

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