Endometriose: CE-zertifizierte KI soll LĂ€sionen im Ultraschall frĂŒher erkennen
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Integration von Algorithmen in die klinische Bildgebung schreitet in der Frauenheilkunde voran. Mit der behördlichen Zulassung neuer Assistenzsysteme rĂŒckt der Einsatz von kĂŒnstlicher Intelligenz direkt an den Behandlungsplatz.
Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht die Software Scanvio Assist des Medizintechnikunternehmens Scanvio Medical, die als Medizinprodukt die CE-Kennzeichnung erhalten hat und nun schrittweise in die europĂ€ische Versorgungspraxis eingefĂŒhrt wird.
Regulatorischer Rahmen und Zertifizierung nach EU-MDR
FĂŒr den Einsatz in der klinischen Routine gelten in der EuropĂ€ischen Union strenge regulatorische Anforderungen. Scanvio Assist wurde als Medizinprodukt der Klasse IIa gemÀà der europĂ€ischen Medizinprodukteverordnung (EU-MDR) zertifiziert. Im Rahmen des KonformitĂ€tsbewertungsverfahrens prĂŒfte die Benannte Stelle TĂV SĂD (NB2443) sowohl das QualitĂ€tsmanagementsystem als auch die technische Dokumentation der Software.
Nach Angaben von Scanvio Medical handelt es sich bei dem System um die weltweit erste CE-zertifizierte Ultraschalltechnik auf Basis kĂŒnstlicher Intelligenz fĂŒr diesen spezifischen Anwendungsbereich. Die Zertifizierung bildet die rechtliche Voraussetzung dafĂŒr, dass die Software in Gesundheitseinrichtungen innerhalb des EuropĂ€ischen Wirtschaftsraums zur UnterstĂŒtzung von Ă€rztlichen Diagnosen eingesetzt werden darf.
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Echtzeitanalyse auf bestehender Ultraschallinfrastruktur
Technologisch setzt die Anwendung bei der konventionellen gynĂ€kologischen Untersuchung an. Scanvio Assist ist darauf ausgelegt, transvaginale Ultraschalluntersuchungen in Echtzeit zu begleiten. Ein wesentlicher Aspekt fĂŒr die Implementierung in Kliniken und Praxen besteht darin, dass die Software auf bereits vorhandenen UltraschallgerĂ€ten betrieben werden kann.
Dadurch entfÀllt die Notwendigkeit kostspieliger Neuanschaffungen bei der GerÀtehardware. WÀhrend der Untersuchung analysiert das System die eingehenden Bilddaten parallel zum Scanvorgang und soll FachkrÀften unmittelbare visuelle Orientierungshilfen bieten, um AuffÀlligkeiten im Weichgewebe prÀziser zu erfassen.
Hohe Krankheitslast bei chronischer Unterdiagnostik
Die gezielte Ausrichtung auf die gynÀkologische Bildgebung adressiert ein weit verbreitetes Versorgungsproblem. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrifft Endometriose weltweit rund 190 Millionen Menschen.
SchĂ€tzungen der WHO zufolge sind etwa 10 Prozent der Frauen im reproduktionsfĂ€higen Alter von der chronisch-entzĂŒndlichen Erkrankung betroffen, bei der sich gebĂ€rmutterschleimhautĂ€hnliches Gewebe auĂerhalb der GebĂ€rmutterhöhle ansiedelt.
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In der Praxis vergehen oft mehrere Jahre zwischen dem ersten Auftreten chronischer Schmerzsymptome und einer gesicherten Diagnose. Da transvaginaler Ultraschall hĂ€ufig das primĂ€re bildgebende Verfahren in der ambulanten GynĂ€kologie darstellt, zielen KI-basierte Auswertungshilfen darauf ab, die Erkennung tief infiltrierender LĂ€sionen frĂŒher und verlĂ€sslicher zu ermöglichen.
Beginn der klinischen EinfĂŒhrung in europĂ€ischen Zentren
Mit dem Abschluss des Zulassungsverfahrens startet Scanvio Medical nun die klinische EinfĂŒhrung der Software in Europa. Der Rollout fokussiert sich zunĂ€chst auf niedergelassene gynĂ€kologische Praxen sowie auf spezialisierte Kinderwunsch- und Endometriosezentren.
In diesen Einrichtungen soll das System im Praxisalltag erprobt werden, um die diagnostische Treffsicherheit bei komplexen Befunden zu unterstĂŒtzen und AblĂ€ufe in der Befundung zu standardisieren.

