Endometriose: Erfurter Projekt soll acht Jahre bis zur Diagnose verkürzen
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die chronische Erkrankung Endometriose bleibt im Gesundheitssystem häufig über viele Jahre unentdeckt. Um die Ursachen dieser Verzögerungen systematisch aufzuarbeiten und Diagnosewege zu verkürzen, startet die Universität Erfurt Anfang 2027 das fünfjährige Forschungsprojekt „End-Delay“.
Jahrelange Verzögerungen und methodische Ursachenforschung
Nach Angaben der Universität Erfurt vergehen bei Betroffenen im Durchschnitt etwa acht Jahre, bis eine gesicherte Endometriose-Diagnose gestellt wird. Für viele Patientinnen bedeutet diese Zeitspanne eine langwierige Suche nach den Ursachen ihrer Schmerzen. Um die strukturellen und kommunikativen Hürden in der Versorgung zu analysieren, fördert das Bundesgesundheitsministerium den Forschungsverbund „End-Delay“ mit rund 1,2 Millionen Euro.
Im Rahmen des auf fünf Jahre angelegten Vorhabens sind umfassende Befragungen von Frauen mit möglichen Krankheitssymptomen vorgesehen. Parallel dazu plant das Forschungsteam strukturierte Interviews mit Hausärzten sowie Gynäkologinnen und Gynäkologen.
Ziel der wissenschaftlichen Erhebung ist es, die spezifischen Schnittstellen im medizinischen Erstkontakt genauer zu untersuchen, an denen Symptome verkannt oder Verdachtsmomente nicht weiterverfolgt werden.
In der klinischen Versorgung gibt es in Deutschland bislang nur wenige speziell geschulte Pflegekräfte, sogenannte Endometriose-Nurses, die Patientinnen in Krankenhäusern beratend zur Seite stehen. Fachkräfte aus diesem Bereich beobachten regelmäßig, dass Betroffene oft über mehrere Jahre hinweg ohne fundierte Erklärung für ihre Beschwerden bleiben.
Dimension des Krankheitsbilds und internationale Therapieansätze
Die Relevanz einer frühzeitigen Erkennung spiegelt sich auch in internationalen Fallzahlen wider. Nach Angaben der Washington State University (WSU) sind weltweit rund 190 Millionen Frauen von Endometriose betroffen. Neben der Diagnostik steht daher auch die Entwicklung zielgerichteter Therapiemethoden im Fokus der internationalen Forschung.
Im Durchschnitt vergehen etwa acht Jahre, bis eine Endometriose-Diagnose gesichert ist — für viele Betroffene eine lange Suche ohne Erklärung. Wer den nächsten Termin vorbereitet, kann das Gespräch anders führen. Der kostenlose Leitfaden bündelt eine Checkliste für das Arztgespräch, einen Fragenkatalog für den Gynäkologen-Termin und eine Übersicht spezialisierter Versorgungsstrukturen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der WSU entwickelten eine experimentelle Nanotherapie, bei der der Wirkstoff Niclosamid gezielt zu FR?-positiven Makrophagen in Endometriose-Läsionen transportiert wird.
In einer im Fachjournal Advanced Healthcare Materials veröffentlichten Untersuchung zeigte sich im Mausmodell, dass eine einzige Dosis die Größe sowie die Anzahl der Läsionen verringern konnte. Zudem reduzierten sich bei den Tieren die Schmerzempfindlichkeit und das Fortschreiten der Erkrankung.
Der verwendete Nanotransporter erwies sich den Forschenden zufolge über einen Zeitraum von zwei Wochen als stabil. Klinische Tests am Menschen wurden bislang noch nicht durchgeführt.
Wenn Schmerzen über Jahre ohne Erklärung bleiben, fehlt oft nicht der Wille — sondern die passende Anlaufstelle. Speziell geschulte Pflegekräfte, die Betroffene beraten, gibt es in Deutschland bislang nur wenige. Der kostenlose Leitfaden zeigt, welche Fragen Sie stellen können und wo Sie Unterstützung finden. Leitfaden für Ihren Weg zur Diagnose sichern
Nach Einschätzung von Kanako Hayashi von der WSU werden Studien an menschlichen Patienten innerhalb der kommenden fünf Jahre erhofft; Voraussetzung dafür ist jedoch zunächst eine entsprechende Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA.
Die Schließung der diagnostischen Lücken durch Initiativen wie das Erfurter Projekt gilt parallel dazu als Voraussetzung, um künftige Therapieansätze rechtzeitig bei Betroffenen anwenden zu können.
