Endpoint-Sicherheit: Tools versagen 76 Tage pro Jahr
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 14:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Endpoint-Sicherheitslösungen in Unternehmen erfüllen ihre Schutzfunktion oft nicht durchgehend. Einem aktuellen Bericht von Picus Security zufolge sind diese Tools an durchschnittlich 76 Tagen im Jahr nicht in der Lage, Bedrohungen ordnungsgemäß abzuwehren. Diese Erkenntnis verdeutlicht eine kritische Diskrepanz zwischen der installierten Sicherheitsarchitektur und ihrer tatsächlichen Wirksamkeit im operativen Geschäftsalltag.
Der Bericht zeigt auf, dass die Verlässlichkeit von Endpoint-Sicherheitskontrollen erheblichen Schwankungen unterliegt. Die festgestellte Zeitspanne von 76 Tagen, in denen die Systeme keine adäquate Abwehr leisten, stellt ein erhebliches Risiko für die Integrität der Unternehmensnetzwerke dar. In diesem Zeitraum sind Endgeräte potenziell anfällig für diverse Angriffsvektoren, da die spezialisierten Tools nicht wie vorgesehen greifen.
Schwachstellen bei der Ransomware-Prävention
Besonders besorgniserregend erweist sich die Widerstandsfähigkeit gegenüber spezialisierter Ransomware. In den durchgeführten Tests schnitt die Ransomware-Familie Play besonders effektiv ab. Die Sicherheitskontrollen konnten laut den Untersuchungen lediglich 13 % der mit dieser Schadsoftware verbundenen Angriffsaktivitäten verhindern. Damit weist Play-Ransomware die schwächste Präventionsrate unter den analysierten großen Ransomware-Familien auf.
Die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen variiert jedoch je nach Art der Bedrohung. Während Play-Ransomware die größte Herausforderung für die Endpoint-Tools darstellte, konnten bei anderen Bedrohungsgruppen höhere Erfolgsquoten erzielt werden. Die Spanne der verhinderten Angriffe lag in den Tests zwischen den bereits genannten 13 % und einem Spitzenwert von 38 %. Diese oberen Werte wurden bei den Ransomware-Varianten Hive, BlackKingdom und Maori beobachtet. Trotz dieser im Vergleich besseren Ergebnisse bleibt festzuhalten, dass selbst bei den effektivsten Abwehrreaktionen mehr als 60 % der Angriffsaktivitäten nicht gestoppt wurden.
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Taktiken und Techniken der Angreifer
Die Analyse der Angriffsmethoden, insbesondere im Hinblick auf die Play-Ransomware, gibt Aufschluss darüber, warum herkömmliche Sicherheitslösungen oft versagen. Das Programm greift auf eine Reihe von Techniken zurück, die gezielt darauf ausgerichtet sind, Entdeckungs- und Schutzmechanismen zu umgehen oder ganz auszuschalten.
Zu den identifizierten Methoden gehört die Technik T1027, die eine Verschleierung von Daten und Code vorsieht, um die Signaturprüfung durch Sicherheitsprogramme zu erschweren. Darüber hinaus setzen die Angreifer auf die Technik T1685, die auf die gezielte Deaktivierung von Sicherheitstools abzielt. Sobald die Schutzsoftware am Endpunkt neutralisiert ist, können weitere Schadfunktionen ungehindert ausgeführt werden.
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Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Angriffsstrategie ist die systematische Entfernung von Indikatoren gemäß Technik T1070. Hierbei werden Spuren der Kompromittierung gelöscht, um eine spätere forensische Analyse oder eine frühzeitige Entdeckung durch Monitoring-Systeme zu verhindern. Ergänzt wird dies durch Tarntechniken nach dem Standard T1036, die darauf ausgelegt sind, bösartige Prozesse als legitime Systemvorgänge zu maskieren.
Die Ergebnisse von Picus Security unterstreichen die Notwendigkeit für Unternehmen, ihre Sicherheitsinfrastruktur regelmäßig auf ihre reale Funktionsfähigkeit hin zu überprüfen. Die bloße Implementierung von Endpoint-Security-Tools garantiert keinen dauerhaften Schutz, wenn diese über weite Teile des Jahres hinweg nicht die erwartete Verteidigungsleistung erbringen können. Insbesondere die geringen Abwehrraten gegenüber etablierten Ransomware-Familien verdeutlichen den Handlungsbedarf bei der Konfiguration und Überwachung dieser Systeme.
