Enicepatide bei Typ-2-Diabetes: HbA1c sinkt um bis zu 4,13 Prozentpunkte
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Klinische Daten zum wöchentlich verabreichten GLP-1/GIP-Agonisten Enicepatide geben Aufschluss über das therapeutische Potenzial des Wirkstoffkandidaten bei Stoffwechselerkrankungen. Roche meldete positive Topline-Ergebnisse der Phase-II-Studie CT-388-104 (NCT06628362), an der 447 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht oder Adipositas teilnahmen.
Nach einer Behandlungsdauer von 48 Wochen wurden beide primären Endpunkte der Untersuchung erreicht. Frühere Studiendaten bei Menschen ohne Typ-2-Diabetes hatten nach 48 Wochen bereits einen mittleren Gewichtsverlust von 22,7 Prozent gezeigt.
Deutliche Senkung von Blutzucker und Körpergewicht
In der Phase-II-Studie sank der HbA1c-Wert in der Dosierungsgruppe mit 24 mg im Mittel um 2,65 Prozentpunkte, ausgehend von einem mittleren Ausgangswert von 8,1 Prozent. Bei Teilnehmenden mit einem höheren HbA1c-Ausgangswert von mehr als 8,5 Prozent reduzierte sich der Wert im Mittel um 4,13 Prozentpunkte.
Insgesamt erreichten 90 Prozent der Probanden einen HbA1c-Wert von höchstens 6,5 Prozent, während 62 Prozent einen Wert von unter 5,7 Prozent erzielten. Nach Angaben von Roche liegen typische HbA1c-Senkungen bei vergleichbaren Ausgangswerten von 8,1 Prozent bei 1,7 bis 2,4 Prozentpunkten.
Parallel zur Blutzuckerkontrolle wiesen die Daten eine Reduktion des Körpergewichts auf. Der mittlere Gewichtsverlust lag nach 48 Wochen bei 15,5 Prozent, wobei sich laut den Auswertungen kein erkennbares Plateau einstellte.
Verträglichkeitsprofil und methodische Einschränkungen
Unerwünschte Ereignisse führten in den Behandlungsgruppen mit Enicepatide bei 2,0 Prozent der Teilnehmenden zu einem Therapieabbruch. Im Placeboarm lag die Abbruchquote bei 0,0 Prozent. Zu den am häufigsten registrierten Nebenwirkungen zählten überwiegend leichte bis mittelschwere Magen-Darm-Beschwerden. Roche ordnete die Verträglichkeit als vergleichbar mit bereits etablierten Therapien ein.
Die Phase-II-Daten zu Enicepatide zeigen eine HbA1c-Senkung um bis zu 4,13 Prozentpunkte bei Ausgangswerten über 8,5 Prozent — doch die Zahlen sind nicht peer-reviewed, und placebokorrigierte Werte fehlen bislang. Unser kostenloser Report ordnet die Topline-Ergebnisse aus CT-388-104 ein, vergleicht sie mit CagriSema und Retatrutide und listet auf, welche Phase-III-Daten Sie ab 2027 erwarten sollten. Kostenlosen Studien-Report anfordern
Die vorgelegten Daten sind bislang nicht peer-reviewed, und Enicepatide verfügt über keine Marktzulassung. Zudem wurden im Rahmen der Meldung keine detaillierten Placebo-Ergebnisse veröffentlicht.
Analysten von Goldman Sachs bewerteten die Ergebnisse im Vergleich zu Konkurrenzmitteln aus Phase-III-Prüfungen zwar als wettbewerbsfähig, verwiesen jedoch auf den Bedarf an detaillierten placebokorrigierten Daten und einer Absicherung in Phase-III-Studien. An der Börse in Zürich schlossen die Roche-Aktien am 22. September 2026 mit einem Minus von 0,19 Prozent.
Einordnung in das Wettbewerbsumfeld und weitere Entwicklung
Das Molekül stammt aus der Übernahme von Carmot Therapeutics, die Roche im Dezember 2023 für einen Betrag von 3,1 Milliarden US-Dollar vollzogen hatte. Im direkten therapeutischen Umfeld existieren Vergleichsdaten weiterer Substanzen: CagriSema erreichte in der Studie REDEFINE 2 nach 68 Wochen einen Gewichtsverlust von 14,2 Prozent.
Bei Patienten mit unzureichend kontrolliertem HbA1c entscheidet sich die Therapiewahl künftig auch an der Gewichtskomponente: Enicepatide erreichte in Phase II 15,5 Prozent mittleren Gewichtsverlust nach 48 Wochen — ohne erkennbares Plateau. Unser Report fasst zusammen, wie sich diese Daten neben CagriSema und Retatrutide einordnen lassen und welche Fragen vor einer Zulassung offenbleiben. Vergleichs-Analyse jetzt abrufen
Für Retatrutide wurden in der Studie TRANSCEND-T2D-1 ein Gewichtsverlust von bis zu 16,8 Prozent sowie ein HbA1c-Rückgang von 1,7 bis 2 Prozentpunkten verzeichnet.
Roche führt derzeit bereits zwei Phase-III-Studien zur Gewichtskontrolle unter den Bezeichnungen ENITH-1 und ENITH-2 durch. Weitere Phase-III-Programme, die auf die Blutzuckerkontrolle und kardiovaskuläre Endpunkte abzielen, plant das Pharmaunternehmen für das erste Halbjahr 2027. Erst diese Folgestudien werden zeigen, ob sich die beobachteten Effekte in größeren Patientenkollektiven bestätigen lassen.
