Entzündungsschübe, Wearables

Entzündungsschübe: Wearables erkennen MS-Anfälle 7 Wochen früher

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 18:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forscher finden neuen Mechanismus: B-Zell-Therapien bei MS fördern Wanderung schützender Zellen aus dem Darm ins Nervensystem.

MS-Therapie: B-Zell-Wirkung über den Darm entdeckt
Abstrakte Darstellung der Verbindung zwischen Darmmikrobiom und zentralem Nervensystem im medizinischen Kontext. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

B-Zell-Therapien bei Multipler Sklerose wirken offenbar auch über den Darm. Ein internationales Forscherteam hat einen bisher unterschätzten Mechanismus entdeckt.

Schützende B-Zellen wandern aus dem Darm

Die im Juli 2026 im Fachjournal Science Translational Medicine veröffentlichte Studie zeigt: B-Zell-Depletionstherapien fördern die Wanderung nützlicher B-Zellen aus dem Darm ins Blut und schließlich ins zentrale Nervensystem (ZNS). Bisher gingen Mediziner davon aus, dass die Behandlung vor allem schädliche B-Zellen entfernt.

Die Erstautoren Dr. Neziraj und Dr. Pössnecker identifizierten diesen Prozess als potenziell entscheidend für den Behandlungserfolg. Die Analyse unter der Leitung von Prof. Anne-Katrin Pröbstel ergab zudem: Höhere Konzentrationen regulierender Faktoren korrelierten mit besseren klinischen Ergebnissen.

Beteiligt waren Experten des Universitätsklinikums Bonn (UKB), der Universität Bonn sowie der Universitäten in Basel, Toronto und Yale. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und schweizerische Wissenschaftsfonds (SNF, SMSG) unterstützten die Arbeit.

Gezielte Wirkstofffreisetzung im Darm

Die Bedeutung des Darms für Entzündungsprozesse zeigt auch ein paralleles Projekt. Im Juni 2026 erhielt ein Vitamin-B3-Präparat (CICR-NAM) einen Innovations-Transfer-Preis – es wird gezielt im unteren Dünndarm und Dickdarm freigesetzt.

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Das Projekt von Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) und Universität Kiel befindet sich in einer klinischen Phase-II/III-Studie zur Behandlung von Colitis ulcerosa. Studien aus 2025 zeigten bereits, dass eine solche gezielte Supplementierung die Erholung nach COVID-19 beschleunigen kann.

Wearables erkennen Entzündungsschübe frühzeitig

Die diagnostischen Möglichkeiten verbessern sich ebenfalls. Im Rahmen der „IBD Forecast Study“ 2026 erkannten tragbare Sensoren in Kombination mit Biomarkern wie REG3? und CRP Entzündungsschübe bis zu sieben Wochen vor klinischen Symptomen.

Langfristig könnte das auch für MS-Patienten relevant werden – der Darm gilt als Produktionsort für pathogene Antikörper.

Fortschritte bei verwandten Autoimmunerkrankungen

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Eine Fallserie der Universität Jena, 2026 in Nature Communications publiziert, beschreibt den erfolgreichen Einsatz von Teclistamab bei autoimmunen Neuropathien. Vier Injektionen führten dazu: Spezifische Antikörper waren nach sechs Wochen nicht mehr nachweisbar, die Nervenfunktion stabilisierte sich über ein Jahr.

Die Datenlage verdichtet sich: Der Darm fungiert nicht nur als Barriere, sondern als aktiver Regulator bei neuroimmunologischen Erkrankungen. Die Migration darmbasierter Immunzellen könnte den Weg für optimierte Therapiestrategien bei MS ebnen.

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