EP2-Rezeptor, Mäuse

EP2-Rezeptor: Alte Mäuse zeigen Entzündungssignaturen junger Tiere

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien untersuchen BIN1, P2X7 und weitere Kontrollpunkte; mögliche Therapien sind teils noch nicht klinisch geprüft.

Entzündung und Alterung: Neue Erkenntnisse zu Genen und Signalwegen
Mikroskopische Aufnahme zellulärer Strukturen, die ein komplexes, biologisches Netzwerk darstellen. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen identifizieren zunehmend spezifische Gene, die als molekulare Bremsen oder Auslöser für entzündliche Prozesse im Gehirn und im alternden Körper fungieren.

Chronische Entzündungsvorgänge gelten in der biomedizinischen Forschung als wesentlicher Treiber des biologischen Alterns und neurodegenerativer Erkrankungen. Aktuelle molekularbiologische Arbeiten verdeutlichen, wie genetische Schalter Immunantworten steuern und welche Angriffspunkte sich daraus für therapeutische Ansätze ergeben.

Regulatorische Mechanismen in den Immunzellen des Gehirns

Eine Forschungsarbeit unter Beteiligung des Hellenic Pasteur Institute in Athen belegt, dass das Gen BIN1 – nach APOE der zweitstärkste genetische Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit – in Mikrogliazellen als regulatorische Bremse gegen überschießende Entzündungsaktivierungen dient.

In einem Mausmodell mit mikroglia-spezifischem Knockout des Gens führte eine systemische Entzündung zu einer verstärkten Typ-I-Interferon-Antwort. Zugleich stiegen pro-inflammatorische Zytokine, Chemokine sowie Komplement-Komponenten messbar an. Die ermittelte Transkriptom-Signatur weist laut den Wissenschaftlern deutliche Überschneidungen mit menschlicher Alzheimer-Mikroglia auf.

Ergänzend dazu untersuchte ein Forschungsteam der University of Birmingham den P2X7-Rezeptor in menschlichem Nervengewebe. Für die in der Fachzeitschrift Brain publizierte Untersuchung wandelten die Forscher menschliche Monozyten aus Blutproben in mikroglia-ähnliche Zellen um und nutzten lebende Hirnschnitte aus neurochirurgischen Eingriffen.

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Die Blockade des P2X7-Rezeptors unterdrückte die Freisetzung pro-inflammatorischer Zytokine. Da P2X7-Antagonisten bereits existieren, gilt ein Wirkstoff-Repurposing für Krankheitsbilder wie Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose, Schizophrenie, Depression und Schädel-Hirn-Traumata als denkbar, wobei klinische Studien als nächster Schritt ausstehen.

Fettstoffwechsel und zelluläre Entzündungsreaktionen

Auf Ebene der Immunreaktion und des Stoffwechsels analysierten Forschende der CU Anschutz und des Pacific Northwest National Laboratory das Zusammenspiel von Genetik und Fettverarbeitung in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia.

Das APOE4-Protein verändert demnach im Laborexperiment die Speicherung und Nutzung von Lipiden in menschlichen Mikrogliazellen. Trat ApoE4 in Verbindung mit Fett auf, bildeten sich weniger, jedoch größere Fettröpfchen sowie weniger Mitochondrien.

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Lag ApoE4 hingegen ohne Fett vor, zeigte sich eine stärkere Immunreaktion. Die Autoren betonten, dass die Laborergebnisse weder einen Nachweis für eine ursächliche Entstehung von Alzheimer durch APOE4 noch eine unmittelbare Behandlungsform darstellen; eine Bestätigung im Menschen steht noch aus.

Signalwege und genetische Kontrollpunkte im Körpergewebe

Über das zentrale Nervensystem hinaus steuern genetische Faktoren Entzündungskaskaden im gesamten Organismus. Eine in Science veröffentlichte Studie zum EP2-Signalweg untersuchte gewebsresidente Makrophagen.

Im Tiermodell zeigten gealterte Mäuse im Alter von 23 bis 25 Monaten ohne EP2-Rezeptor Entzündungssignaturen von TNF-?, IL-6, IL-1? sowie Typ-I- und Typ-II-Interferonen, die nahe an das Niveau junger Tiere im Alter von 6 bis 8 Monaten heranreichten.

Neben verbesserten Kognitions-, Muskel- und Herzwerten verbesserte das Fehlen des Rezeptors die Beseitigung seneszenter Neutrophiler, was auch durch einen pharmakologischen EP2-Antagonisten bestätigt wurde.

Weitere Untersuchungen heben Transkriptionsfaktoren und Enzyme hervor: In Nature Immunology zeigte sich, dass die Deletion des Faktors Zbtb44 bei Mäusen spontane Kolitis hervorruft, da SUMOyliertes Zbtb44 regulierend auf den IFN-?-Promotor wirkt und die Zytokinproduktion begrenzt.

Eine Kooperation unter anderem der Chinese Academy of Medical Sciences und der Universität zu Köln identifizierte zudem die E3-Ubiquitin-Ligase HERC4 als Schalter im TNF-Signalweg.

HERC4 bindet RIPK1 und leitet den Zelltod ein; Tiere ohne HERC4 waren vor TNF-induzierter systemischer Entzündung und Leberschäden geschützt, was die Entwicklung oraler Inhibitoren für entzündliche Erkrankungen nahelegt.

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de | wissenschaft | 70315783 |