EPA nach Lebermetastasen: Fünf-Jahres-Überleben steigt auf 62 Prozent
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 08:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deKlinische Daten liefern neue Erkenntnisse zur gezielten Anwendung hochdosierter Omega-3-Fettsäuren in der Onkologie. Eine an der University of Leeds koordinierte Phase-3-Untersuchung mit der Bezeichnung EMT2 untersuchte die Wirkung von gereinigtem EPA-Ethylester bei Patienten nach der operativen Entfernung von Lebermetastasen infolge eines kolorektalen Karzinoms. Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens über einen Beobachtungszeitraum von fünf Jahren.
Signifikanter Überlebensvorteil trotz verfehltem progressionsfreien Endpunkt
An der multizentrischen Untersuchung nahmen 418 Erwachsene mit einem medianen Alter von 64 Jahren teil, die zwischen 2018 und 2023 in 13 Zentren im Vereinigten Königreich rekrutiert worden waren. Die Probanden erhielten nach der Metastasenresektion randomisiert entweder täglich 4 g EPA-Ethylester (Icosapent-Ethyl, Vascepa) oder ein Placebo.
Im Ergebnis lag das 5-Jahres-Gesamtüberleben in der Behandlungsgruppe bei 62 Prozent gegenüber 45,1 Prozent in der Kontrollgruppe (Hazard Ratio 0,68; 95%-Konfidenzintervall 0,48–0,96; p=0,03). Während das mediane Gesamtüberleben unter Placebo 59 Monate betrug, war dieser Wert in der Verumgruppe noch nicht erreicht.
Trotz dieses Effekts verfehlte die Studie ihren primären Endpunkt, das progressionsfreie Überleben (PFS). Das mediane progressionsfreie Überleben lag bei 13,5 Monaten unter dem Wirkstoff im Vergleich zu 12,9 Monaten unter Placebo (Hazard Ratio 0,89; p=0,33). Die 5-Jahres-PFS-Raten fielen mit 23,6 Prozent unter Verum und 24,5 Prozent unter Placebo nahezu identisch aus.
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Studiendesign, Verträglichkeit und Finanzierung
Das Protokoll sah eine Behandlungsdauer von mindestens zwei bis maximal vier Jahren vor. Allerdings schlossen lediglich rund 40 Prozent der teilnehmenden Personen die vorgesehene Einnahme vollständig ab. Hinsichtlich des Sicherheitsprofils wurden keine schweren Nebenwirkungen dokumentiert; insbesondere traten weder vermehrt Blutungsereignisse noch Vorhofflimmern auf.
Die wissenschaftlichen Daten wurden auf dem ESMO-Kongress 2026 in Madrid unter dem Abstract LBA30 vorgestellt und durchliefen noch kein reguläres Peer-Review-Verfahren. Finanziert wurde das Projekt durch Yorkshire Cancer Research, während die Universität Leeds als Sponsor fungierte.
Das Pharmaunternehmen Amarin stellte sowohl den Wirkstoff als auch das entsprechende Placebo zur Verfügung, hatte jedoch keinen Einfluss auf die Ausgestaltung des Studiendesigns.
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Wissenschaftliche Einordnung und Limitationen
Der Hauptautor der Studie, Mark Hull von der Universität Leeds, bezeichnete den beobachteten Überlebensvorteil als klinisch bedeutsam. Hinsichtlich der biologischen Ursachen für die Diskrepanz zwischen progressionsfreiem Überleben und Gesamtüberleben gilt eine Beeinflussung der körpereigenen Immunantwort bislang als rein hypothetisch.
Zugleich hob Hull hervor, dass die Ergebnisse der EMT2-Studie aufgrund der spezifischen Dosierung und der pharmazeutischen Reinheit des Präparats nicht auf frei verkäufliche, herkömmliche Fischöl-Supplemente übertragbar seien. Weitere Analysen müssen klären, über welche Pfade die Substanz das langfristige Überleben ohne messbare Verzögerung des unmittelbaren Tumorrezidivs modulieren konnte.
