Epilepsie und Demenz: Studie zeigt mehr als sechsfaches Risiko vor 65
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deEpilepsie steht in einem engen Zusammenhang mit dem Auftreten einer Demenz im jüngeren Lebensalter vor dem 65. Lebensjahr. Dies zeigt eine im Fachjournal der American Academy of Neurology, Neurology, vom 14. Oktober 2026 veröffentlichte Forschungsarbeit.
Die Untersuchung stützt sich auf umfassende nationale Patientendaten aus Frankreich und Schweden und beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Anfallserkrankungen und kognitivem Abbau bei Erwachsenen im mittleren Alter.
Belastbare Daten aus Frankreich und Schweden
Für die Analyse werteten die Forschenden umfangreiche Registerdaten aus. In der französischen Kohorte wiesen 12,5 Prozent der Personen mit einer früh einsetzenden Demenz vorangegangene Diagnose-Codes für Epilepsie auf, verglichen mit lediglich 1,2 Prozent in der Kontrollgruppe. Dies entspricht einer bereinigten Odds Ratio von 3,76. Zudem hatten 27,3 Prozent der Demenzpatienten Antiepileptika erhalten, während dieser Anteil in der Kontrollgruppe bei 10,3 Prozent lag (bereinigte Odds Ratio von 1,44).
Eine längsschnittliche Betrachtung französischer Erwachsener im Alter von 30 bis 55 Jahren mit einer Epilepsie-Diagnose aus dem Jahr 2008 und einer Nachbeobachtungszeit von bis zu zehn Jahren verdeutlicht das relative Risiko: Die 10-Jahres-Inzidenz einer früh einsetzenden Demenz lag bei neu aufgetretener Epilepsie bei 2,20 Prozent und bei vorbestehender Epilepsie bei 1,74 Prozent.
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In der Vergleichsgruppe ohne Epilepsie betrug der Wert 0,21 Prozent. Die bereinigte Hazard Ratio lag bei 6,02 für neu aufgetretene und bei 5,38 für vorbestehende Erkrankungen.
Bestätigt wurden diese Resultate durch eine Replikation in Schweden, die 16.433 Fälle von früh einsetzender Demenz mit 164.330 Kontrollpersonen verglich und ein vergleichbares Muster ergab.
Risikoerhöhung und zeitlicher Verlauf
Den Studienautoren zufolge bedeutet neu aufgetretene Epilepsie im mittleren Alter ein mehr als sechsfaches Risiko für eine früh einsetzende Demenz. Bei einer vorbestehenden Epilepsie liege das Risiko mehr als fünfmal so hoch beziehungsweise um 74 Prozent höher im Vergleich zu Personen ohne Anfallsleiden.
Ein zentraler Befund der Untersuchung ist, dass dieser Zusammenhang auch mehr als fünf Jahre nach der Epilepsiediagnose anhielt. Dies spreche gegen die Annahme, dass es sich lediglich um eine reine Umkehrkausalität handele, bei der epileptische Anfälle nur ein unmittelbares Frühsymptom einer bereits beginnenden Demenz darstellen. Zudem verstärke das Vorliegen von Multimorbidität das Risiko für eine Demenz im jüngeren Alter zusätzlich.
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Klinische Einordnung und Prävention
Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge bleibt das absolute Gesamtrisiko für Betroffene gering. Fachleute betonen zudem, dass die Studienlage eine direkte Kausalität bislang nicht belegt.
Co-Autor Vincent Navarro von der Sorbonne plädiert dafür, Maßnahmen zur Demenzprävention fest in die reguläre Epilepsieversorgung zu integrieren. Auch die Autoren der Studie fordern eine frühzeitige Demenzrisiko-Stratifizierung bei Epilepsiepatienten sowie die Berücksichtigung von Epilepsie in allgemeinen Präventionsstrategien.
Aus neurologischer Sicht bedürfen kognitive Beschwerden einer differenzierten Betrachtung. Fachärztin Rebecca Spiegel von Stony Brook Medicine hebt hervor, dass neu auftretende Anfälle durchaus eine frühe Manifestation neurodegenerativer Prozesse sein können. Gleichzeitig seien kognitive Probleme bei Menschen mit Epilepsie nicht in jedem Fall mit einer Demenz gleichzusetzen.
