Erblindung: Gentherapie und Mikrochips versprechen Sehkraft zurĂŒck
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Therapien gegen Erblindung rĂŒcken nĂ€her: Gentherapien und Mikrochips sollen Nervenzellen verjĂŒngen und Sehkraft wiederherstellen. Die Entwicklungen versprechen Hoffnung fĂŒr Millionen Patienten mit Glaukom und Makuladegeneration.
Gentherapie soll Nervenzellen verjĂŒngen
Ein zentraler Ansatz: die partielle Reprogrammierung von Nervenzellen. Das Unternehmen Life Biosciences testet die Gentherapie ER-100, die Nervenzellen im Auge in einen jĂŒngeren Zustand zurĂŒckversetzen soll. Nach der FDA-Zulassung im Januar erhielt im Juni 2026 erstmals ein Patient die Behandlung.
Die Methode nutzt drei sogenannte Yamanaka-Faktoren. Ziel ist die Behandlung von Patienten mit Offenwinkelglaukom â die Studie umfasst bis zu 18 Probanden. Fachleute betonen jedoch: Der Ansatz zielt auf die Regeneration der Nervenzellen, nicht auf den Augeninnendruck, den wesentlichen Risikofaktor der Erkrankung. Diskutiert werden zudem Risiken wie eine unkontrollierte Zellvermehrung.
Ebenfalls in der Gentherapie: Ocugen erhielt am 29. Juli 2026 den RMAT-Status der FDA fĂŒr sein PrĂ€parat OCU410 gegen geographische Atrophie. Die Einmaltherapie richtet sich an zwei bis drei Millionen Betroffene in den USA und Europa. Eine Phase-3-Studie startet im dritten Quartal 2026.
Netzhautimplantat erhÀlt europÀische Zulassung
Parallel dazu macht die Technologie Fortschritte: Das Netzhautimplantat PRIMA erhielt am 29. Juli 2026 die Zulassung fĂŒr den europĂ€ischen Markt. Entwickelt wurde das subretinale System fĂŒr Patienten mit geographischer Atrophie, einer SpĂ€tform der trockenen Makuladegeneration.
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Der Mikrochip ist nur zwei Millimeter groĂ und 30 Mikrometer dick. Er ĂŒbernimmt die Funktion der degenerierten Photorezeptoren, indem er Licht in elektrische Impulse umwandelt. Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie â unter Beteiligung der Augenklinik des UniversitĂ€tsklinikums Bonn â belegte die Wirksamkeit: Mehr als 84 Prozent der Teilnehmer verbesserten ihre SehschĂ€rfe nach zwölf Monaten um mindestens zehn Buchstaben auf den standardisierten ETDRS-Sehtafeln. In den USA und GroĂbritannien steht die Zulassung noch aus.
Exosomen, Stammzellen und Lichtaktivierung
Weitere AnsÀtze befinden sich in der Erprobung. Das israelische Unternehmen NurExone Biologic arbeitet an einer Exosomen-basierten Therapie namens ExoPTEN. Im Tiermodell regenerierte die Hemmung des Proteins PTEN die Netzhautfunktion. Klinische Studien am Menschen sind in ein bis zwei Jahren geplant.
Bei der Stammzelltransplantation zeigen Ergebnisse einer klinischen Studie (ISSCR 2026) zur Transplantation humaner neuraler VorlĂ€uferzellen bei Retinitis pigmentosa: Die Zellen ĂŒberleben mindestens ein Jahr und stabilisieren das Sehvermögen. Forscher vom Institut fĂŒr Bioengineering von Katalonien (IBEC) entwickeln zudem lichtaktivierte Wirkstoffe, die als Augentropfen oder Injektion verabreicht werden und geschĂ€digte Netzhautzellen durch Lichtreize reaktivieren sollen.
GLP-1-PrĂ€parate: Erhöhtes Risiko fĂŒr SehnervenschĂ€den?
Sorgen Sie sich wegen Ihrer Sehkraft? Eine aktuelle Studie deutet auf ein erhöhtes Risiko fĂŒr SehnervenschĂ€den durch GLP-1-PrĂ€parate hin â besonders bei MĂ€nnern ĂŒber 50. Unser Report hilft Ihnen, diese Risiken einzuordnen und sichere Alternativen zu finden. Risiko-Check jetzt kostenlos sichern
Die Forschung beobachtet auch Nebenwirkungen systemischer Medikamente. Eine am 29. Juli 2026 in den Annals of Internal Medicine veröffentlichte Studie der Rutgers University deutet auf ein potenziell erhöhtes Risiko fĂŒr eine ischĂ€mische Optikusneuropathie (NAION) bei GLP-1-PrĂ€paraten wie Semaglutid und Tirzepatid hin.
Innerhalb von 18 Monaten traten unter GLP-1-Therapie neun FĂ€lle pro 10.000 Behandelten auf, in der Vergleichsgruppe vier bis sechs FĂ€lle. Besonders betroffen: MĂ€nner ĂŒber 50 Jahre. Die Autoren betonen, dass damit noch kein kausaler Zusammenhang belegt ist â die Beobachtung sollte jedoch in die klinische Bewertung einflieĂen.
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