Ernährung bei Pflegebedürftigkeit: Westerwaldkreis lädt am 27. Oktober ein
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine ausgewogene Ernährung spielt für den Erhalt von Gesundheit und Selbstständigkeit im Alter eine entscheidende Rolle. Dennoch führen körperliche Veränderungen, chronische Erkrankungen oder Einsamkeit häufig dazu, dass ältere und pflegebedürftige Personen zu wenig Nährstoffe und Flüssigkeit zu sich nehmen.
Um Betroffene sowie pflegende Angehörige praxisnah zu unterstützen, rücken regionale Beratungsstellen und Fachverbände praktische Lösungen für den Versorgungsalltag in den Fokus.
Informationsangebote im Westerwaldkreis
Die Pflegestützpunkte im Westerwaldkreis greifen diese Herausforderungen mit einer Informationsveranstaltung auf. Am 27. Oktober findet von 15 bis 17 Uhr im Fachzentrum Ernährung Rheinland-Pfalz, angesiedelt beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Westerwald-Osteifel in der Aula der Bahnhofstraße 32, das Angebot „Essen und Trinken bei Pflegebedürftigkeit“ statt.
Die Veranstaltung widmet sich gezielt Methoden, die Nahrungsaufnahme im häuslichen Umfeld zu erleichtern. Dazu zählen die Zubereitung von Fingerfood, der Einsatz energiereicher Zwischenmahlzeiten sowie Hilfestellungen beim Trinken, Kauen und Schlucken. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.
Ergänzend dazu veranstalten die Pflegestützpunkte am 19. November von 16:30 bis 18:30 Uhr im Teilhabezentrum am Marktplatz 8 in Westerburg einen Kochkurs unter dem Titel „Kochen für eine Person“. Interessierte können sich für dieses Angebot telefonisch unter den Nummern 02663-9156 668 oder 02602-999 7383 anmelden.
Beratungsinitiativen und Schulungen
Neben Vor-Ort-Veranstaltungen im Westerwald bieten weitere Akteure fachliche Unterstützung an. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz richtet am 27. und 28. Oktober ein kostenloses, zweiteiliges Web-Seminar zur Ernährung im Alter aus, jeweils von 14 bis 15:30 Uhr.
Wer sich mit einer ausgewogenen Ernährung im Alter befasst, kann chronische Beschwerden oft bereits durch die richtige Lebensmittelauswahl lindern. Erfahren Sie in diesem Ratgeber, wie 12 natürliche Entzündungs-Killer aus dem Supermarkt Ihre Vitalität steigern können. Kostenlosen Ernährungs-Ratgeber hier herunterladen
Während das erste Modul gesunde Ernährung im hohen Alter und den Umgang mit altersbedingten Krankheiten behandelt, fokussiert der zweite Termin Probleme wie Kau- und Schluckbeschwerden sowie Demenz. Beruflich Pflegende können für die Teilnahme an beiden Modulen über die Registrierung beruflich Pflegender zwei Punkte erhalten.
Auf landesweiter Ebene bündelt Hessen ähnliche Anliegen in der Aktionswoche „Alter besser machen“ vom 26. bis 30. Oktober, die kostenlose analoge und digitale Termine ohne verpflichtende Anmeldung umfasst.
Familien- und Gesundheitsministerin Diana Stolz bezeichnete Gesundheitsförderung und Prävention als zentrale Bausteine der Seniorenpolitik, während Digitalstaatssekretär Dr. Nicolas Sölter auf konkrete Impulse für die Alltagsgestaltung hinwies.
Auch Ortsverbände des Sozialverbands VdK widmen sich der Materie: Während der Ortsverband Oberstreu-Mittelstreu kürzlich im Pfarrheim St. Andreas regionale Kostformen und praktische Übungen vorstellte, lädt der VdK in Karlsruhe zu Vorträgen über entzündungshemmende Ernährung ein.
Müdigkeit und Gelenkschmerzen sind im Alter keine Seltenheit, doch oft steckt eine falsche Nährstoffzufuhr hinter den Symptomen. Ein spezieller Selbsttest hilft Ihnen dabei, stille Entzündungen zu erkennen und Ihre Ernährung gezielt darauf anzupassen. Gratis-Ratgeber inklusive Selbsttest jetzt anfordern
Risikofaktor Mangelernährung in der häuslichen Pflege
Die Relevanz dieser Aufklärungsarbeit unterstreichen fachliche Analysen ambulanter Pflegedienste und internationaler Experten. Der Pflegedienst Archimed aus Hannover verweist in einem Ratgeber darauf, dass ungewollter Gewichtsverlust, sitzende Kleidung, Müdigkeit und schlecht heilende Wunden erste Alarmzeichen für Mangelernährung sein können. Empfohlen wird unter anderem ein wöchentliches Wiegen zur gleichen Uhrzeit sowie die Anreicherung kleiner Mahlzeiten.
In Frankreich sind von Mangelernährung rund zwei Millionen Menschen betroffen, darunter etwa ein Viertel der alleinlebenden Personen über 70 Jahre. Untersuchungen der Forscherin Janna Alberts an der Technischen Universität Eindhoven verdeutlichen zudem, dass Diätassistenten in der Erstlinienversorgung unter starkem Zeitdruck stehen.
Zwar lieferten Hausbesuche wesentliche Einblicke in Kühlschrankinhalte und soziale Netzwerke, seien jedoch oft schwer realisierbar. Das niederländische Versorgungsmodell „Herziene Zorgmodule Voeding“ unterscheidet deshalb fünf Betreuungsprofile und bindet Pflegekräfte gezielt ein, um den Ernährungszustand frühzeitig zu beobachten und Beratungen abzustimmen.
