Ernährung und Altern: Nordische Diät verlangsamt biologische Alterung
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 13:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen liefern neue Erkenntnisse darüber, wie verschiedene Ernährungsformen biologische Alterungsprozesse beeinflussen. In einer Analyse des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn untersuchte ein Team um Juliana Tavares den Zusammenhang zwischen zehn Ernährungsstilen und der epigenetischen Alterung. Die Forscher werteten Daten von rund 7500 Personen aus und analysierten dabei etwa 850.000 Stellen am Erbgut sowie drei epigenetische Uhren.
Epigenetische Effekte verschiedener Ernährungsformen
Die Ergebnisse der Bonner Untersuchung zeigen, dass acht der zehn untersuchten Ernährungsstile einen positiven Einfluss auf die biologische Alterung haben. Besonders die nordische Diät und die Dash-Diät führten dazu, dass alle drei untersuchten epigenetischen Uhren langsamer tickten.
Die Mittelmeerdiät sowie zwei Varianten pflanzlicher Ernährung reduzierten die biologische Alterung bei mindestens einer der Uhren. Demgegenüber standen negative Effekte bei Ernährungsformen, die einen hohen Anteil an Fastfood und hochverarbeiteten Lebensmitteln aufwiesen.
Laut der Forscherin Monique Breteler seien die beobachteten Effekte zwar nicht als riesig einzustufen, aber dennoch messbar und für die Prävention von Bedeutung. Auffällig war zudem, dass mehr als 70 % der beeinflussten Signalwege allen untersuchten Diäten gemeinsam waren.
Biologisches Alter und Stoffwechselparameter
Weitere Studien stützen den Befund, dass die Ernährung direkten Einfluss auf Biomarker des Alterns hat. Eine im Fachjournal „Aging Cell“ veröffentlichte Studie mit 104 Australiern im Alter zwischen 65 und 75 Jahren verglich über einen Zeitraum von vier Wochen vier verschiedene Ernährungsgruppen.
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In drei der vier Gruppen sank das biologische Alter, welches anhand von 20 Biomarkern wie Cholesterin, Insulin und CRP berechnet wurde. Unverändert blieb das biologische Alter lediglich in der Gruppe mit fettreicher omnivorer Ernährung.
Den deutlichsten Zusammenhang stellten die Forscher bei einer omnivoren Ernährung mit einem Fettanteil von 28–29 % und einem Kohlenhydratanteil von 53 % fest. Die Studienleiterin Dr. Caitlin Andrews wies jedoch darauf hin, dass es für definitive Aussagen zur Lebensverlängerung oder zur Dauerhaftigkeit der Effekte noch zu früh sei.
Ergänzend dazu untersuchte eine US-Studie der Washington University School of Medicine, veröffentlicht Ende August 2026, die Auswirkungen auf Personen mit Adipositas und Fettleber. Der Studienautor Max Petersen verglich eine ketogene, eine mediterrane und eine fettarme Diät.
Zwar bewirkten alle drei Diäten eine verringerung des Körperfetts, doch die ketogene Gruppe (73 % Fettanteil) verzeichnete mit durchschnittlich 67 % den stärksten Rückgang des Leberfettgehalts. In den Vergleichsgruppen lag dieser Wert bei 45 %. Zudem konnte bei 50 % der Teilnehmer in der Keto-Gruppe nach einer Gewichtsabnahme von 10 % kein Prädiabetes mehr festgestellt werden.
Die Rolle von Timing und Nährstoffzusammensetzung
Neben der Zusammensetzung scheint auch der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme relevant zu sein. Eine Sekundäranalyse der ChronoFast-Studie untersuchte 31 Frauen mit Übergewicht hinsichtlich ihrer Essensfenster.
Während ein frühes Zeitfenster (8:00 bis 16:00 Uhr) zu einer Abnahme von 103 Lipidarten sowie Veränderungen in der Enzymaktivität führte, zeigten sich bei einem späten Fenster (13:00 bis 21:00 Uhr) keine derartigen Veränderungen.
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Für eine schonende Gewichtsabnahme raten Experten zu einem täglichen Energiedefizit von 300 bis maximal 500 Kilokalorien. Eine Ernährungsexpertin empfiehlt zudem drei Hauptmahlzeiten pro Tag, die jeweils Eiweiß, Ballaststoffe und gesunde fette enthalten sollten, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
Medizinische Einordnung und Longevity-Trends
Trotz der positiven Studiendaten warnen Mediziner vor überzogenen Erwartungen an spezielle Anti-Aging-Produkte. Auf einem Kongress in Frankfurt betonten Altersmediziner im September 2026, dass Altern keine Krankheit sei.
Prof. Michael Denkinger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), erklärte, dass es bislang kein Produkt gebe, das eine Lebensverlängerung beim Menschen wissenschaftlich belegt habe.
Für viele sogenannte Longevity-Produkte wie etwa Peptide lägen lediglich Erkenntnisse aus Tierversuchen vor. Als bewährte Maßnahmen zur Förderung eines gesunden Alterns gelten weiterhin regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf das Rauchen sowie die Pflege sozialer Kontakte.
Mehr zum Thema bei FOCUS online: „Nordische Diät und Dash-Diät lassen Sie besonders langsam altern“
