Ernährung, Entzündungen

Ernährung und Entzündungen: Mittelmeerdiät senkt Syndrom-Risiko um 65%

30.05.2026 - 18:09:24 | boerse-global.de

Aktuelle Forschung belegt: Ernährung beeinflusst chronische Entzündungen, Darmgesundheit und Psyche maßgeblich. Neue Therapieansätze vorgestellt.

Ernährung und Entzündungen: Mittelmeerdiät senkt Syndrom-Risiko um 65% - Foto: über boerse-global.de
Ernährung und Entzündungen: Mittelmeerdiät senkt Syndrom-Risiko um 65% - Foto: über boerse-global.de

Von Darmerkrankungen über Herzprobleme bis hin zu psychischen Leiden – die Forschung zeigt klare Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit.

Neue Therapieansätze bei chronischen Darmerkrankungen

Die Ernährungsmedizin entwickelt sich rasant. Professor Yanai betonte Ende Mai, dass die diätetische Therapie besonders bei milden Verläufen von Morbus Crohn als Erstbehandlungsoption vielversprechend ist. Laborergebnisse, die im Juni im Fachjournal Food Research International erscheinen, untermauern diesen Ansatz: Die Einschränkung der Aminosäure Methionin linderte bei Tiermodellen die Symptome von Colitis ulcerosa.

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Das Phänomen des „Inflammaging" – eine Kombination aus altersbedingten Entzündungen und gestörtem Mikrobiom – stand im Fokus von Forschern des Leibniz-Instituts. Ihre in PLoS Biology veröffentlichte Studie zeigt: Die Alterung des Immunsystems (Immunoseneszenz) ist ein Haupttreiber für die gestörte Darmflora.

Die Industrie reagiert auf diese Erkenntnisse. Das Unternehmen MRH Health erhielt Ende Mai 2,6 Millionen Euro Förderung für die Entwicklung oraler Lebend-Biotherapeutika. Klinische Beobachtungen deuten zudem darauf hin, dass das Probiotikum Lactobacillus plantarum 299v Patienten mit Reizdarmsyndrom Linderung verschaffen kann.

Wenn die Ernährung auf die Psyche schlägt

Der Zusammenhang zwischen Essgewohnheiten und mentaler Gesundheit wird immer deutlicher. Eine groß angelegte Studie mit über 21.500 Teilnehmern, veröffentlicht im Journal of Affective Disorders, fand heraus: Wer weniger als fünf Hauptmahlzeiten pro Woche zu sich nimmt, hat ein 1,55-fach erhöhtes Risiko für Depressionen.

Forscher gingen noch einen Schritt weiter. Eine Pilotstudie in JAMA Psychiatry untersuchte, ob das Rheuma-Medikament Tocilizumab bei behandlungsresistenter Depression helfen kann – vorausgesetzt, die Patienten hatten erhöhte Entzündungswerte (CRP). Die Infusion verbesserte zwar körperliche Symptome, der Gesamteffekt war jedoch statistisch nicht signifikant.

Auch das Gehirn profitiert von der richtigen Ernährung. Eine Langzeitstudie mit fast 93.000 Teilnehmern, publiziert in Neurology, belegt: Eine pflanzenbetonte Kost senkt das Demenzrisiko um sieben Prozent.

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Gefährliche Zusatzstoffe: Was in verarbeiteten Lebensmitteln lauert

Besorgniserregende Daten kommen aus Frankreich. Eine INSERM-Studie mit über 112.000 Teilnehmern, die über sieben Jahre lief und im European Heart Journal erschien, zeigt: Konservierungsstoffe wie Nitrite und Sorbate erhöhen das Risiko für Bluthochdruck um 29 Prozent und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 16 Prozent.

Doch nicht nur nicht-antioxidative Zusätze sind problematisch. Selbst Ascorbinsäure und Zitronensäure waren mit einem 22 Prozent höheren Bluthochdruckrisiko verbunden. Die Forscher betonen, dass es sich um einen statistischen Zusammenhang handelt – eine eindeutige Kausalität ist noch nicht bewiesen. Die Daten deuten jedoch auf einen erheblichen Einfluss von verarbeiteten Lebensmitteln auf die Herzgesundheit hin.

Gezielte Ernährung bei Stoffwechsel- und Schmerzerkrankungen

Besonders eindrucksvoll sind die Ergebnisse aus der Frauenheilkunde. Auf der ASCO-Konferenz 2026 in Chicago präsentierte eine italienische Studie mit 492 Brustkrebspatientinnen im Frühstadium beeindruckende Zahlen: Eine Kombination aus Mittelmeerdiät, täglichen 30-minütigen Spaziergängen und Vitamin-D3-Supplementierung senkte das Auftreten des metabolischen Syndroms um 65 Prozent – in der Kontrollgruppe waren es nur 34 Prozent. Bei Patientinnen mit hormonsensitiven Tumoren sank das Rückfallrisiko sogar um 76 Prozent.

Auch bei chronischen Schmerzen zeigt die Ernährung Wirkung:

  • Arthrose: Forscher der Universität Nottingham fanden heraus, dass 20 Gramm Inulin täglich Knieschmerzen lindern können.
  • Endometriose: Klinische Empfehlungen raten zu einer entzĂĽndungshemmenden Ernährung mit viel GemĂĽse, Beeren und Omega-3-Fettsäuren – bei gleichzeitigem Verzicht auf Zucker, Alkohol und stark verarbeitete Lebensmittel.
  • Adipositas: Eine Studie in Molecular Nutrition & Food Research mit zwölf ĂĽbergewichtigen Erwachsenen zeigte: Ein Tomaten-Sojasaft-Mix, zweimal täglich ĂĽber vier Wochen getrunken, senkte verschiedene EntzĂĽndungsmarker wie IL-5 und IL-12p70 deutlich.

Die Medizin passt sich diesen Erkenntnissen an. Am 12. Mai 2026 benannte ein Expertennetzwerk im Lancet das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) offiziell in Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) um. Der neue Name soll den Fokus auf die systemische Stoffwechselstörung lenken, von der weltweit rund 170 Millionen Frauen betroffen sind. Bei unerfülltem Kinderwunsch gilt seit Januar 2026 Letrozol als neue Standardtherapie – wegen der höheren Lebendgeburtenrate.

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