Ernährungsmuster: Vier gesunde Varianten gehen mit geringerem Sterberisiko einher
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 12:25 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftliche Untersuchungen und Fachpublikationen zeigen übereinstimmend, dass es bei der Gewichtsreduktion und der allgemeinen Gesundheit nicht die eine überlegene Diätform gibt.
In der DIETFITS-Studie mit 609 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas über einen Zeitraum von 12 Monaten verloren die Teilnehmenden mit einer gesunden fettarmen Ernährung sowie mit einer gesunden kohlenhydratarmen Ernährung gleichermaßen an Gewicht, ohne dass ein bedeutsamer Unterschied festgestellt werden konnte.
Eine in der Fachzeitschrift JAMA Internal Medicine veröffentlichte Beobachtungsstudie kam zu einem vergleichbaren Ergebnis: Vier verschiedene gesunde Ernährungsmuster gingen mit einem geringeren Sterberisiko einher. Allen diesen Modellen war gemeinsam, dass sie auf einen höheren Anteil von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten setzten.
Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln als zentraler Faktor
Statt starrer Makronährstoffverteilungen rückt die Qualität und der Verarbeitungsgrad der Nahrung in den wissenschaftlichen Fokus. Die PREDIMED-Studie bestätigte nach einer Reanalyse, dass eine Mittelmeerdiät mit Olivenöl oder Nüssen bei Erwachsenen mit hohem kardiovaskulärem Risiko das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse senkte.
Dagegen verdeutlicht eine Studie der National Institutes of Health (NIH) die Risiken industriell verarbeiteter Produkte: Bei 20 Erwachsenen, die über jeweils zwei Wochen kalorien- und nährstoffangepasste Kost erhielten, führte ultraverarbeitete Nahrung zu einer zusätzlichen Aufnahme von etwa 500 Kilokalorien pro Tag und zu einer Gewichtszunahme.
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Eine im Fachjournal Nature Medicine erschienene Crossover-Untersuchung zeigte wiederum, dass eine minimal verarbeitete Kost zu einem um etwa zwei Pfund höheren Gewichtsverlust führte. In Beobachtungsstudien ist der regelmäßige Konsum ultraverarbeiteter Kost zudem mit kardiometabolischen Erkrankungen sowie einer höheren vorzeitigen Sterblichkeit verknüpft.
Einordnung von Mahlzeitenfolge und kurzfristigen Modediäten
Auch spezifische Essmuster wie das sogenannte Meal Sequencing bieten nach derzeitigem Forschungsstand keine pauschale Lösung. Wie eine Auswertung des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) ergab, wiesen Personen mit Typ-2-Diabetes zwar eine Stunde nach dem Verzehr von Salat oder Gemüse vor Kohlenhydraten niedrigere Blutzuckerwerte auf als Vergleichsgruppen, nach rund zwei Stunden kehrte sich dieses Verhältnis jedoch um.
Nach Angaben des DDZ ist bei Übergewicht die generelle Kalorienreduktion wichtiger als die Verzehrreihenfolge, da für Letztere noch keine ausreichenden Langzeitdaten vorliegen.
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Fachleute sehen kurzfristige Diätkonzepte entsprechend kritisch. Maja Biel, Ökotrophologin und zertifizierte Ernährungsberaterin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, betonte bei einer Prüfung verschiedener Modetrends, dass weder für extreme Ansätze wie die Blutgruppen-Diät noch für Methoden wie die Kohle-Diät wissenschaftliche Nachweise existieren.
Die einzige dauerhaft funktionierende Maßnahme bleibe eine langfristige Ernährungsumstellung unter Beibehaltung von Genuss, um einen Jojo-Effekt zu verhindern.
Verbreitung von Fehlinformationen im Netz
Die wissenschaftliche Sachlage steht oft im Widerspruch zu Trends auf Online-Plattformen. Eine Studie des AOK-Bundesverbands, bei der Fachleute insgesamt 200 Influencer-Videos auswerteten, ergab, dass die Mehrheit der Beiträge gesundheitliche Fehlinformationen enthielt – im Ernährungsbereich noch häufiger als beim Thema Bewegung.
Prof. Dr. Martin Smollich, Leiter der Arbeitsgruppe Pharmakonutrition am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, verwies darauf, dass Beiträge in sozialen Medien komplexe Zusammenhänge häufig extrem vereinfachen, Feindbilder wie Kohlenhydrate aufbauen oder einseitige Kostformen wie die Carnivore-Diät propagieren. Für eine langfristige Gesundheit zähle in der Forschung hingegen die Ausgewogenheit und die Vermeidung stark verarbeiteter Produkte.
