Esche: Forscher suchen im Solling resistente Bäume gegen Pilz
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 08:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSForschung und Forstwirtschaft im Solling
- Der Pilz wurde in Deutschland erstmals um die Jahrtausendwende festgestellt.
- Forscher züchten weniger anfällige Eschen, deren Genpool allein jedoch zu klein ist.
- Die Esche wird meist nach 60 bis 70 Jahren erntereif und macht bisher nur wenige Prozent der Waldfläche aus.
Esche kämpft im Solling gegen eingeschleppten Pilz
Ein Pilz aus Ostasien setzt der Esche in Deutschland seit Jahren zu und löst das Eschentriebsterben aus. Forschende suchen nach weniger anfälligen Bäumen, weil die Baumart trotz ihrer Bedeutung für Klima, Wirtschaft und Artenvielfalt kaum noch gepflanzt wird.
Tödliche Krankheit breitet sich aus
Der Falsche Weiße Stängelbecherchen befällt zunächst die Blätter und bildet nach dem Laubfall neue Sporen. Bei der Europäischen Esche wächst der Pilz anschließend auch in das Holz, sodass Äste, Wurzeln und schließlich der gesamte Baum absterben können.
Viele befallene Eschen sehen außen lange noch stabil aus. Eine lichte Krone und Pilze an der Wurzel gelten als Hinweise, doch die Zeit bis zum Absterben kann mehrere Jahre betragen.
Bäume im Solling bleiben für Forschung stehen
Im südniedersächsischen Solling stehen entlang eines Waldwegs einige Dutzend befallene Eschen. Während solche Bäume andernorts aus Sicherheitsgründen mit Erntemaschinen gefällt werden, dürfen sie dort weiter wachsen, unter anderem weil eine seltene Flechte auf ihnen lebt.
Abgestorbene Äste werden regelmäßig entfernt. Das sei aufwendig und teuer, erklärt Förster Hendrik Büning. In Hardegsen und anderen Regionen werden befallene Eschen dagegen gefällt, wenn sie eine Gefahr für Waldarbeiter oder Besucher darstellen.
Forschung setzt auf widerstandsfähige Exemplare
Gitta Langer und ihr Team haben Eschen gefunden, die weniger anfällig für den Pilz sind. Im Labor sollen daraus neue Bäume entstehen. Ein Heilmittel gegen die Krankheit gibt es nach Angaben der Forscherin derzeit nicht.
Die widerstandsfähigen Exemplare reichen voraussichtlich nicht aus, um die Baumart allein zu erhalten. Ihr Genpool ist zu klein, deshalb müssen sie auch mit dem Erbgut anfälligerer Bäume gekreuzt werden.
Anpassung braucht lebende Bäume
Eine weitere Hoffnung liegt in der natürlichen Anpassung. Dafür müssen langlebige Eschen den Pilz überleben und sich fortpflanzen. Die bereits abgestorbenen Bäume können diesen Beitrag nicht mehr leisten.
Für Förster und Forscher ist die Entwicklung ein Wettlauf mit der Zeit. Die Esche soll so lange erhalten bleiben, bis sich Baum und Pilz möglicherweise aneinander angepasst haben.
Asiatischer Käfer erhöht den Druck
Zusätzliche Gefahr droht durch den Asiatischen Eschenprachtkäfer. Er wurde in Europa unter anderem in der Slowakei und in Ungarn festgestellt und könnte geschwächte Eschen besonders stark treffen.
Der Klimawandel wirkt dabei widersprüchlich: Heiße Temperaturen haben das Wachstum des Pilzes zuletzt etwas gebremst. Ostasiatische Eschen zu pflanzen gilt dennoch nicht als Lösung, weil sie neue Schädlinge einschleppen könnten.
Esche bleibt eine Baumart unter vielen
Die Esche wächst schnell und wird meist nach 60 bis 70 Jahren erntereif. Die Fichte erreicht diesen Zeitpunkt gewöhnlich erst nach 80 bis 100 Jahren.
Als alleiniger Zukunftsbaum gilt die Esche dennoch nicht. Sie macht bisher nur wenige Prozent der Waldfläche aus, bietet aber Lebensraum für mehr als 900 Tier- und Pflanzenarten und liefert vielseitig nutzbares Holz.
Das Eschentriebsterben zeigt, wie eng die Zukunft einzelner Baumarten mit eingeschleppten Krankheitserregern, dem Klimawandel und der Bewirtschaftung von Wäldern verbunden ist. Der Falsche Weiße Stängelbecherchen-Pilz stammt aus Ostasien und breitet sich über Sporen aus. Bei der Europäischen Esche kann er vom Blatt in das Holz wachsen und dadurch Äste, Wurzeln und schließlich den gesamten Baum schädigen.
Für Waldbesitzer entsteht daraus ein schwieriger Zielkonflikt. Abgestorbene Äste und instabile Stämme gefährden Menschen sowie Forstarbeiter, zugleich bleiben ältere, noch lebende Eschen für Forschung, natürliche Anpassung und die Artenvielfalt wertvoll. Regelmäßige Kontrollen und das Entfernen von Totholz können Risiken begrenzen, sind aber arbeitsintensiv und teuer.
Mehrere Risiken für den Wald
Die Esche ist keine flächendeckend dominierende Baumart, ihr Ausfall verändert jedoch regionale Waldstrukturen und Lebensräume. Ihr Holz wird unter anderem für Böden, Treppen, Küchen und Sportgeräte genutzt; zudem sind zahlreiche Tier- und Pflanzenarten mit der Baumart verbunden. Die Forschung setzt deshalb auf weniger anfällige Bäume, Kreuzungen verschiedener Herkünfte und natürliche Fortpflanzung.
Der Asiatische Eschenprachtkäfer würde den Druck zusätzlich erhöhen, weil geschwächte Eschen besonders gefährdet wären. Für die Leser bedeutet die Entwicklung vor allem, dass klimastabile Wälder nicht durch eine einzelne Ersatzbaumart entstehen. Entscheidend bleibt eine Mischung verschiedener Baumarten, ergänzt durch Monitoring, Sicherheitsmaßnahmen und langfristige Züchtungsarbeit.
