Eschentriebsterben, Waldschutz

Eschen in Deutschland sterben: Forscher suchen resistente Bäume

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 10:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ein eingeschleppter Pilz bedroht die Esche in deutschen Wäldern. Forschende suchen nach widerstandsfähigen Bäumen, während ein weiterer Schädling näher rückt.

Forschung setzt auf widerstandsfähige Eschen

  • Der Pilz wurde um die Jahrtausendwende in Deutschland entdeckt und lässt Äste, Wurzeln und ganze Bäume absterben.
  • Forscher vermehren weniger anfällige Eschen, deren Genpool allein für die Rettung der Baumart nicht ausreicht.
  • Im Solling bleiben befallene Bäume wegen einer seltenen Flechte stehen und werden regelmäßig von toten Ästen befreit.
  • Nach und nach verlieren befallene Eschen ihre Baumkrone. - Bild: Swen Pförtner/dpa
  • Das Falsche Weiße Stängelbecherchen ist oft nur unter der Lupe zu sehen. - Bild: Swen Pförtner/dpa
  • Tote Äste von befallenen Eschen sind eine Gefahr für Menschen im Wald. - Bild: Swen Pförtner/dpa
  • Kleine, helle Pilzfruchtkörper auf einem schwarz gewordenen, abgestorbenen Teil einer Esche sind in einem Kunstharzpräparat vor einem gefiederten Eschenblatt zu sehen. - Bild: Swen Pförtner/dpa
  • Mit dem bloßen Auge ist das Falsche Weiße Stängelbecherchen kaum zu sehen. - Bild: Swen Pförtner/dpa
  • Ein befallener Baum kann noch jahrelang überleben. - Bild: Swen Pförtner/dpa
  • Wenn nichts mehr geht, müssen die Eschen zur Sicherheit gefällt werden. - Bild: Swen Pförtner/dpa
  • Gitta Langer forscht zum Falschen Weißen Stängelbecherchen. - Bild: Swen Pförtner/dpa
Nach und nach verlieren befallene Eschen ihre Baumkrone.  - Bild: Swen Pförtner/dpa Das Falsche Weiße Stängelbecherchen ist oft nur unter der Lupe zu sehen. - Bild: Swen Pförtner/dpa Tote Äste von befallenen Eschen sind eine Gefahr für Menschen im Wald. - Bild: Swen Pförtner/dpa Kleine, helle Pilzfruchtkörper auf einem schwarz gewordenen, abgestorbenen Teil einer Esche sind in einem Kunstharzpräparat vor einem gefiederten Eschenblatt zu sehen.  - Bild: Swen Pförtner/dpa Mit dem bloßen Auge ist das Falsche Weiße Stängelbecherchen kaum zu sehen. - Bild: Swen Pförtner/dpa Ein befallener Baum kann noch jahrelang überleben. - Bild: Swen Pförtner/dpa Wenn nichts mehr geht, müssen die Eschen zur Sicherheit gefällt werden. - Bild: Swen Pförtner/dpa Gitta Langer forscht zum Falschen Weißen Stängelbecherchen.  - Bild: Swen Pförtner/dpa

Eschen kämpfen in deutschen Wäldern ums Überleben

Ein aus Ostasien eingeschleppter Pilz setzt den Eschen in Deutschland seit Jahren zu und lässt viele Bäume absterben. Forschende suchen deshalb nach weniger anfälligen Exemplaren, damit die Baumart trotz Klimawandel und neuer Schädlinge erhalten bleiben kann.

Der Pilz zerstört Triebe und Wurzeln

Das sogenannte Eschentriebsterben wird durch das Falsche Weiße Stängelbecherchen verursacht. Der Pilz befällt die Blätter, bildet nach dem Laubfall Sporen und infiziert die Bäume im Frühjahr erneut.

Bei der europäischen Esche wächst der Erreger von den Blättern auch in das Holz. Zunächst sterben einzelne Äste ab, später können Wurzeln und der gesamte Baum betroffen sein. Wie weit eine Infektion fortgeschritten ist, lässt sich von außen oft nur schwer erkennen.

Wenige resistente Bäume geben Hoffnung

In der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt werden Eschen untersucht, die weniger anfällig für den Pilz sind. Aus ihnen sollen neue Bäume gezüchtet werden, doch ihr Erbgut reicht allein vermutlich nicht für eine ausreichend breite Population aus.

Deshalb müssen die widerstandsfähigeren Exemplare mit anfälligeren Bäumen gekreuzt werden. Eine weitere Hoffnung liegt in der natürlichen Anpassung der Baumart. Dafür werden langlebige Eschen benötigt, die sich fortpflanzen können.

Alte Bäume bleiben im Solling stehen

Im südniedersächsischen Solling dürfen einige befallene Eschen weiter wachsen. Auf ihnen lebt eine seltene Flechte; zugleich dienen die Bäume der Forschung.

Abgestorbene Äste werden regelmäßig entfernt, um Menschen im Wald zu schützen. In anderen Regionen werden befallene Eschen dagegen mit Erntemaschinen gefällt, weil sie für Waldarbeiter und Besucher zu gefährlich werden können.

Asiatischer Käfer bedroht geschwächte Eschen

Zusätzlichen Druck könnte der Asiatische Eschenprachtkäfer erzeugen. Er wurde bereits in der Slowakei und in Ungarn festgestellt und könnte geschwächte Bäume besonders leicht befallen.

Die Esche gilt trotz ihrer Probleme als mögliche Baumart für wärmere Bedingungen. Sie wächst schnell und ist nach etwa 60 bis 70 Jahren erntereif. Mit einem Anteil von wenigen Prozent an der Waldfläche kann sie die Folgen des Klimawandels allerdings nicht allein auffangen.

Das Eschentriebsterben zählt zu den Folgen eingeschleppter Krankheitserreger, die den europäischen Wald zusätzlich zu Trockenheit, Hitze und Stürmen belasten. Der Falsche Weiße Stängelbecherchen-Pilz befällt Blätter und Triebe, kann aber auch in das Holz der europäischen Esche vordringen. Dadurch verliert die Baumart ihre Widerstandskraft und wird anfälliger für weitere Schäden.

Für Waldbesitzer entsteht ein Zielkonflikt: Abgestorbene Äste und instabile Bäume müssen aus Gründen der Sicherheit entfernt werden, zugleich sind alte, noch lebende Eschen für die Forschung besonders wertvoll. Weniger anfällige Exemplare könnten Ausgangspunkt für eine robustere Population sein. Ihr begrenzter Genpool macht jedoch Kreuzungen mit anderen Bäumen erforderlich.

Waldwirtschaft unter Anpassungsdruck

Die Esche wird dadurch zu einem Beispiel für die Frage, wie Wälder an den Klimawandel angepasst werden können. Eine einzelne Baumart kann die Risiken nicht auffangen; entscheidend ist ein vielfältiger Bestand mit Arten, die unterschiedliche Hitze-, Trockenheits- und Krankheitsrisiken verkraften. Zugleich zeigt die mögliche Ausbreitung des Asiatischen Eschenprachtkäfers, dass neue Schädlinge die Erholung geschwächter Bestände zusätzlich erschweren können.

Für die Bevölkerung hat das Thema vor allem an Waldwegen und in Erholungsgebieten eine unmittelbare Bedeutung. Kranke Eschen können Äste verlieren oder umstürzen, weshalb betroffene Bereiche kontrolliert und Bäume je nach Risiko gefällt werden müssen. Gelingt die Züchtung widerstandsfähiger Bäume und bleibt Raum für natürliche Vermehrung, könnte die Esche langfristig einen begrenzten, aber wichtigen Platz in gemischten Wäldern behalten.

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