Essbare, MIT-Batterie

Essbare MIT-Batterie: Liefert im Magen bis zu 3 Tage Strom fĂŒr Kapseln

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 13:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die MIT-Batterie lieferte in Schweineversuchen bis zu drei Tage Strom; weitere Konzepte erfassen die Einnahme und steuern die Wirkstofffreisetzung.

MIT entwickelt auflösbare Batterie fĂŒr medizinische Kapseln im Magen
Nahaufnahme von natĂŒrlichen Cellulosefasern in einer sterilen Laborumgebung, die die Materialstruktur hervorhebt. Illustration mit AI erstellt.

Fortschritte in der Materialwissenschaft ermöglichen neuartige AnsĂ€tze fĂŒr die gastrointestinale Diagnostik und Therapie. Wie eine am 21. September 2026 im Fachjournal Nature Chemical Engineering veröffentlichte Arbeit darlegt, haben Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) eine vollstĂ€ndig auflösbare Batterie entwickelt.

Die Energiequelle basiert auf Cellulose-Nanofibrillen, Elektroden aus Magnesium sowie MolybdĂ€ntrioxid und nutzt einen biologisch abbaubaren Elektrolyten aus Cholinchlorid und MilchsĂ€ure. Ziel dieser Entwicklungen ist es, ingestible elektronische Systeme kĂŒnftig ohne toxische RĂŒckstĂ€nde im menschlichen Magen-Darm-Trakt betreiben zu können.

Leistungsdaten und biologische VertrÀglichkeit im Magen

In vorklinischen Versuchen an lebenden Schweinen erreichte die vom MIT entwickelte Batterie eine Spannung von bis zu 1,84 V. Dabei blieb die Energieversorgung im Magen ĂŒber einen Zeitraum von bis zu 3 Tagen funktionsfĂ€hig.

Die Forscher demonstrierten die praktische Verwendbarkeit anhand zweier Szenarien: Zum einen betrieb das System ein RFID-Modul, das stabil mit einem externen EmpfĂ€nger in 1,5 m Entfernung kommunizierte. Zum anderen erfolgte in einem separaten Test eine elektrische Stimulation des Magens ĂŒber eine Dauer von 20 Minuten.

AuffĂ€llige GewebeschĂ€den traten bei den Tierversuchen nicht auf. Im beschleunigten Labortest war das Elektrodenmaterial nach 90 Tagen nahezu vollstĂ€ndig aufgelöst. Das MIT-Forschungsteam um Giovanni Traverso arbeitet an diesen verdaulichen Batterien, um medizinische Funktionskapseln fĂŒr unterschiedliche Einsatzzwecke bereitzustellen.

Neben gezielten Stromimpulsen zur Stimulation der Magenschleimhaut zĂ€hlen dazu Sensoren, die vor Keimen warnen oder die Medikamenteneinnahme ĂŒberwachen können. FĂŒr Letzteres visiert das Team eine erste Humanstudie in etwa 2 Jahren an.

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Wer ingestible Kapseln entwickelt, kennt das Problem: Die Energiequelle ist meist der begrenzende Faktor — toxische RĂŒckstĂ€nde, kurze Verweildauer, unzuverlĂ€ssige Einnahmekontrolle. Eine vollstĂ€ndig auflösbare Batterie auf Cellulose-Nanofibrillen-Basis hielt in vorklinischen Versuchen bis zu 3 Tage im Magen Strom und löste sich im Labortest nahezu vollstĂ€ndig auf. Unser kostenloser Leitfaden ordnet die Technologie ein und zeigt, welche Schritte vor der ersten Humanstudie anstehen. Leitfaden fĂŒr ingestible Diagnostik jetzt anfordern

ErgÀnzende Konzepte zur Einnahmekontrolle

Parallel dazu stellte das MIT-Team ein System namens SAFARI vor, das auf einer Gelatinekapsel mit RFID-Chip und einer Antenne aus Zinkfolie basiert. Eine Schutzschicht aus Zellulose und MolybdĂ€n schirmt das Funksignal zunĂ€chst ab. Erst wenn sich diese HĂŒlle im Magen auflöst, kann ein externes LesegerĂ€t die Einnahme der Kapsel registrieren.

In In-vitro-Versuchen mit simuliertem Magensaft bei physiologischer Temperatur zersetzte sich die Abschirmung innerhalb von 10–20 Minuten. Kapsel und Zinkantenne zerfielen nach einem Tag. Bei sedierten Schweinen bauten sich die Kapsel und ihre Bestandteile innerhalb von 24 Stunden ab. FĂŒr dieses Verfahren werden erste Anwendungen bei Hochrisikotherapien erwartet, wobei klinische Studien am Menschen noch ausstehen.

Steuerung der Wirkstofffreisetzung im Verdauungstrakt

Neben aktiven elektronischen Komponenten wird auch die gezielte passive Freisetzung erforscht. Eine Studie mit gesunden Freiwilligen untersuchte Kapseln aus Hydroxypropylmethylcelluloseacetatsuccinat (HPMCAS) unter Einsatz von dualer MRI-Markierung und 13C-markiertem Koffein. Dabei wurden die Grade L und M mit Referenzkapseln des Grades H verglichen.

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Die Medikamenteneinnahme lĂ€sst sich bislang kaum verlĂ€sslich bestĂ€tigen — ein Problem bei Hochrisikotherapien, wo jede ausgelassene Dosis zĂ€hlt. Ein Kapselkonzept mit RFID-Chip und abschirmender Beschichtung registriert die Einnahme erst, wenn sich die HĂŒlle im Magen auflöst; in vitro dauerte das 10 bis 20 Minuten. Klinische Studien am Menschen stehen dafĂŒr noch aus. Unser Leitfaden zeigt, welche PrĂŒfschritte Sie fĂŒr ein solches System einplanen mĂŒssen. Checkliste fĂŒr ingestible Diagnostik-Systeme sichern

Die Kapseln des Referenzgrades H zerfielen ĂŒberwiegend im Ileum, wĂ€hrend HPMCAS M eine Freisetzung weiter proximal im DĂŒnndarm zeigte und Grad L sich teils bereits im Magen auflöste.

Die Literatur verzeichnet eine Löslichkeit von HPMCAS H ab einem pH-Wert von mindestens 6,8, wĂ€hrend Grad M ab einem Wert von mindestens 6,0 und Grad L ab 5,5 löslich ist. Damit gilt der Typ M als Alternative, wenn Wirkstoffe gezielt frĂŒher freigegeben werden sollen.

Mehr zum Thema bei heise online: „Essbare Batterie fĂŒr Medizintechnik im Magen wird mitverdaut“

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