Ethikrat, Mindestalter

Ethikrat gegen Mindestalter: Risikobasiertes Schutzkonzept für Social Media

12.06.2026 - 00:57:03 | boerse-global.de

Der Deutsche Ethikrat empfiehlt ein gestaffeltes Schutzkonzept statt eines pauschalen Mindestalters für soziale Netzwerke und KI-Chatbots.

Ethikrat lehnt Social-Media-Altersgrenze ab: Risikobasiertes Modell
Ethikrat - Nahaufnahme eines Smartphones, das von Kinderhänden gehalten wird, mit verschwommenen digitalen Mustern auf dem Bildschirm und einem abstrakten Netzwerk im Hintergrund. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Statt eines pauschalen Verbots empfiehlt das Gremium ein risikobasiertes Schutzkonzept, das auch KI-Anwendungen wie Chatbots umfasst.

Die Ad-hoc-Stellungnahme trägt den Titel „Schutz, Teilhabe und Befähigung von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt“. Sie enthält 13 konkrete Empfehlungen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hatte das Gutachten im Oktober 2025 in Auftrag gegeben.

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„Starre Verbote bergen die Gefahr, die Nutzung in weniger regulierte digitale Räume zu verlagern“, warnte Ethikrats-Vorsitzender Helmut Frister bei der Vorstellung.

Dreistufiges Modell für den Jugendschutz

Der Ethikrat schlägt eine Differenzierung nach Gefährdungspotenzialen vor. Das Modell umfasst drei Stufen:

Elterliche Kontrolle: Verbesserte technische Werkzeuge auf den Endgeräten sollen Eltern unterstützen. Ihr Beurteilungsspielraum bleibt gewahrt.

Altersverifikation auf Geräteebene: Für bestimmte Dienste wird eine Altersprüfung empfohlen, die direkt über Betriebssystem oder Hardware läuft.

Verlässliche Prüfung für sensible Inhalte: Bei Pornografie oder extremer Gewalt fordert der Rat eine strikte Verifikation.

Gegen Tracking-Verfahren der Plattformbetreiber spricht sich das Gremium aus. Endgerätbasierte Verfahren schützen die Privatsphäre besser.

Plattformen in der Pflicht

Als rechtliche Grundlage sieht der Ethikrat den EU Digital Services Act (DSA). Allerdings werde dieser bislang nicht konsequent umgesetzt. Die Plattformbetreiber müssten stärker haften, besonders bei der Algorithmen-Gestaltung.

Der Rat fordert ein Verbot von Funktionen, die Abhängigkeiten fördern oder manipulative Mechanismen nutzen. Auch der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag müsse modernisiert werden – wegen der rasanten KI-Entwicklung.

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Die Warnung: Wenn soziale Medien isoliert reguliert werden, weichen Kinder auf KI-Chatbots aus.

Digitale Bildung und Unterstützung

Neben Technik und Regulierung geht es um den Schulalltag. Der Ethikrat empfiehlt, die private Smartphone-Nutzung an Schulen weitgehend einzuschränken.

Für Familien schlägt das Gremium sogenannte Digitalpaten vor. Sie sollen Eltern helfen, Medienkompetenz zu fördern und Schutzmaßnahmen zu konfigurieren. Ziel: Eigenverantwortung stärken statt staatlicher Totalverbote.

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