EU Data Act ab September: Neue Regeln für vernetzte Industrie
Veröffentlicht: 05.07.2026 um 08:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Immer mehr Unternehmen setzen auf datengesteuerte Prozesse, um ihre Fertigung effizienter zu machen. Die Integration von Internet der Dinge (IoT) und künstlicher Intelligenz (KI) soll die Produktivität signifikant steigern. Ein zentrales Ziel: KI-basierte Anwendungen sollen bis 2030 zum Standard in der deutschen Industrie werden.
Neues Führungsduo für die Plattform Industrie 4.0
Die Neuausrichtung der Plattform Industrie 4.0 ist ein wichtiger Schritt. Rainer Brehm von Siemens und Dr.-Ing. Stephan Mayer von Trumpf haben die Leitung übernommen. Sie sollen die digitale Transformation in der deutschen Industrie vorantreiben.
EU Data Act: Neue Regeln für vernetzte Geräte
Ein wesentlicher Treiber der digitalen Transformation ist der regulatorische Rahmen der EU. Ab dem 12. September 2026 verpflichtet der EU Data Act Hersteller vernetzter Geräte dazu, Daten standardmäßig in einem maschinenlesbaren Format bereitzustellen. Nutzer sollen sicheren Zugriff auf ihre Daten erhalten. Die Weitergabe an Dritte ist gegen eine angemessene Kompensation möglich. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 20 Millionen Euro oder 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.
Sensoren als Rückgrat der smarten Fabrik
Auf technologischer Ebene bilden moderne Sensorsysteme das Rückgrat dieser Entwicklung. Unternehmen wie Jumo setzen digitale IO-Link-Sensoren ein, um etwa Elektrolyseprozesse für grünen Wasserstoff in Echtzeit zu überwachen. Durch die Messung von Temperatur und Leitfähigkeit lässt sich der Verdrahtungsaufwand in solchen Anlagen um bis zu 50 Prozent reduzieren. Das ermöglicht zudem Ferndiagnosen.
Ergänzend dazu erweitern Anbieter wie ifm electronic die Infrastruktur. Neue IO-Link-Master sichern den Datenaustausch über verschiedene Protokolle wie PROFINET oder EtherNet/IP – selbst in rauen Industrieumgebungen.
Neben dem EU Data Act stellt vor allem die neue KI-Verordnung Unternehmen vor komplexe regulatorische Herausforderungen bei der Digitalisierung. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle neuen Anforderungen, Pflichten und Fristen für den Einsatz von KI-Systemen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Markt konsolidiert sich: Milliarden-Übernahme für KI-Plattform
Der Markt für industrielle Softwarelösungen zeigt eine deutliche Tendenz zur Konsolidierung. Schneider Electric hat für 3,1 Milliarden US-dollar den Anbieter Cognite übernommen. Cognite, dessen Umsatz im Jahr 2025 bei über 170 Millionen US-Dollar lag, soll in die Tochtergesellschaft Aveva integriert werden. Ziel ist es, datenbasierte Überwachung und vorausschauende Wartung weiter voranzutreiben.
Retrofitting: Alte Anlagen, neue Intelligenz
Auch bei der Modernisierung bestehender Anlagen spielt Software eine Schlüsselrolle. Durch sogenanntes Retrofitting können ältere Pressenlinien mit neuen Steuerungssystemen ausgestattet werden, die maschinelles Lernen nutzen. Die Praxis zeigt, was das bringt: Beim Unternehmen PVI Esskå führte dies zu einer Verdoppelung der Taktzeit und einer Kapazitätssteigerung von rund 500 Produktionsstunden pro Jahr.
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Praxisbeispiele: Wo die Digitalisierung schon heute Wirkung zeigt
Die Anwendung von IoT-Technologien zeigt in verschiedenen Industriezweigen konkrete Produktivitätsfortschritte:
Verpackungsindustrie: Durch die Modernisierung von Faltschachtel-Klebemaschinen mit digitalen Steuerungssystemen lassen sich Rüstzeiten um bis zu 20 Minuten verkürzen. Neue Anlagen erfassen Werkzeugdaten automatisch und erlauben schnellere Auftragswechsel bei der Verarbeitung von Wellpappe.
3D-Druck und Gießereitechnik: Die Laempe Moessner Sinto GmbH hat einen 3D-Drucker entwickelt, der im Binder-Jetting-Verfahren auf Sandbasis arbeitet. Das System erreicht eine viermal höhere Geschwindigkeit als bisherige Modelle und wird bereits in der Automobilproduktion eingesetzt.
Fensterbau: Durch cloudbasierte Ökosysteme können mittelständische Betriebe ihre Warenwirtschaft und Personalplanung innerhalb weniger Monate digitalisieren. Bei Schramm Fensterbau wurden über 1.600 Artikel digital erfasst, um die internen Prozesse zu optimieren.
Präzisionsfertigung: In der Dosenindustrie ermöglichen neue Schleifmaschinen einen unbemannten Betrieb von bis zu 11 Stunden – bei gleichzeitiger Einhaltung von Toleranzen im Mikrometerbereich.
Nachhaltigkeit: Mehr Recycling, weniger Emissionen
Neben der reinen Produktivitätssteigerung rückt die Ressourceneffizienz in den Fokus. Aurubis hat in Hamburg eine neue Anlage für das Recycling strategischer Metalle in Betrieb genommen. Die Investition: 190 Millionen Euro. Die Anlage ist darauf ausgelegt, jährlich mehr als 30.000 Tonnen zusätzliches Recyclingmaterial zu verarbeiten. Ein Drittel der Investitionssumme floss dabei in Maßnahmen zur Luftreinhaltung – ein deutlicher Beleg für den Zusammenhang zwischen technologischer Aufrüstung und ökologischen Standards.
Globalisierung der smarten Fertigung
Die Skalierbarkeit dieser Technologien zeigt sich auch in Schwellenländern. Im mexikanischen Puebla montiert ein staatliches Unternehmen stündlich rund 200.000 elektronische Bauteile. Ziel ist es, Lieferketten für Branchen wie die Automobilindustrie und Medizintechnik zu stärken. Die Zusammenarbeit mit Universitäten soll hierbei die langfristige technologische Kompetenz sichern.
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