EU-Gesetz CADA: Europas Abkehr von US-Cloud-Giganten
02.06.2026 - 06:54:43 | boerse-global.deĂffentliche Auftraggeber in Europa und international stellen ihre IT-Beschaffung grundlegend um. Weg von groĂen nordamerikanischen Anbietern, hin zu souverĂ€nen Cloud-Lösungen und Open-Source-Plattformen. Neue Regulierungen, milliardenschwere Infrastrukturprojekte und grenzĂŒberschreitende Innovationspartnerschaften treiben diesen Wandel voran. Das Ziel: Kritische Daten des öffentlichen Sektors besser schĂŒtzen.
Neues EU-Gesetz soll US-Konzerne ausbremsen
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Die EuropĂ€ische Kommission wird am 3. Juni 2026 den Cloud and AI Development Act (CADA) vorlegen. Das Gesetz soll US-amerikanische Cloud-Anbieter von strategischen RegierungsauftrĂ€gen in sensiblen Bereichen wie Verteidigung, Energie und Gesundheitswesen ausschlieĂen. Bisher freiwillige Standards wie Gaia-X werden durch verbindliche Zertifizierungen nach dem SEAL-Rahmenwerk ersetzt. Analysten schĂ€tzen, dass der europĂ€ische Markt fĂŒr souverĂ€ne Cloud-Lösungen in diesem Jahr auf rund 69,4 Milliarden Euro anwachsen wird.
Bereits am 1. Juni 2026 besiegelten Deutschland und Estland eine neue Innovationspartnerschaft. Digitalminister Karsten Wildberger und seine estnische Amtskollegin Liisa Ly Pakosta unterzeichneten in Heilbronn ein Memorandum zu KĂŒnstlicher Intelligenz, Cloud-Lösungen und Cybersicherheit. Geplant sind unter anderem eine digitale IdentitĂ€tsbrieftasche und eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der estnischen IT-Sicherheitsbehörde.
Milliarden fĂŒr deutsche KI-Cloud
Die Bundesregierung hat einen Auftrag im Wert von knapp 250 Millionen Euro fĂŒr den Aufbau einer KI-Cloud fĂŒr die öffentliche Verwaltung vergeben. Zwei Konsortien teilen sich das Projekt: T-Systems und SAP ĂŒbernehmen rund 70 Prozent des Volumens, SVA die restlichen 30 Prozent. Die Plattform mit dem Namen KIPITZ soll Verwaltungs-KI-Aufgaben auf Basis von Open-Source-Komponenten und offenen Standards ermöglichen.
Doch die AbhĂ€ngigkeit von etablierten Anbietern bleibt hoch. Allein 2025 gab der Bund rund 481 Millionen Euro fĂŒr Microsoft-Lizenzen aus. Minister Wildberger plĂ€diert daher fĂŒr die Entwicklung eines europĂ€ischen Spitzen-KI-Modells. Es solle marktwirtschaftlich organisiert sein, der Staat aber zunĂ€chst RechenkapazitĂ€ten bereitstellen.
Hessen verzichtet auf Palantir â Polizei nutzt es noch
Der Einsatz von Analyse-Software auslÀndischer Anbieter bleibt umstritten. Der hessische Verfassungsschutz bestÀtigte am heutigen Dienstag, dass er keine Software von Palantir oder vergleichbare Analyse-Tools einsetzt. Innenminister Roman Poseck betonte, man beobachte zwar die Marktentwicklung, setze aber auf europÀische Lösungen zur StÀrkung der digitalen SouverÀnitÀt.
Anders sieht es bei der hessischen Polizei aus: Sie nutzt weiterhin die Palantir-basierte Plattform Hessendata, die das Bundesverfassungsgericht 2023 fĂŒr teilweise verfassungswidrig erklĂ€rte. LKA-PrĂ€sident Daniel Muth hofft, dass innerhalb von zwei Jahren eine bundesweite Alternative zu solcher proprietĂ€rer Software zur VerfĂŒgung steht.
In GroĂbritannien steht die Finanzaufsicht FCA in der Kritik. Sie testet Palantir derzeit in einer zwölfwöchigen Pilotphase. Beobachter fordern, dass sensible Daten vor dem Zugriff auslĂ€ndischer Regierungen geschĂŒtzt werden â etwa durch das US-amerikanische CLOUD Act.
Kommunen setzen auf Cybersicherheit und Open Source
Auch auf kommunaler Ebene verĂ€ndert sich die Beschaffung. Der IT-Planungsrat des Bundes ĂŒberarbeitete bereits im MĂ€rz 2026 seine Vertragsvorlagen: Open-Source-Software ist nun der Standard fĂŒr öffentliche AuftrĂ€ge. Der Grundsatz: Mit Steuergeldern entwickelte Software muss öffentlich zugĂ€nglich sein.
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Aktuelle Ausschreibungen zeigen die Bandbreite:
- Mongolei: Die Regierung sucht Hardware und Lizenzen fĂŒr das âSmart Government IIâ-Projekt, finanziert von der Weltbank. Die Ausschreibung umfasst KapazitĂ€tsaufbau gegen Cyberangriffe und AusrĂŒstung fĂŒr ein Computer-Notfallteam. Angebote sind bis zum 8. Juli 2026 möglich.
- Polen: Die Gemeinden WilkĂłw und Piaseczno schreiben IT-AusrĂŒstung und Cybersicherheitsdienstleistungen aus. Die Fristen enden am 9. beziehungsweise 12. Juni 2026.
Mongolei treibt die Digitalisierung weiter voran: Premierminister N. Uchral betonte Ende Mai, dass Drohnen und KI in Bergbau und Landwirtschaft entscheidend fĂŒr die kĂŒnftige WettbewerbsfĂ€higkeit des Landes seien.
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