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EU-SouverĂ€nitĂ€t: Kommission beschließt Cloud- und KI-Reformpaket

04.06.2026 - 10:12:36 | boerse-global.de

Die EU-Kommission will mit neuen Gesetzen die AbhÀngigkeit von US- und China-Technologie reduzieren und die heimische Chip-Produktion stÀrken.

EU-SouverĂ€nitĂ€t: Kommission beschließt Cloud- und KI-Reformpaket - Bild: ĂŒber boerse-global.de
EU-SouverĂ€nitĂ€t: Kommission beschließt Cloud- und KI-Reformpaket - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Juni ein umfassendes Maßnahmenpaket zur digitalen SouverĂ€nitĂ€t vorgelegt. Ziel ist es, die AbhĂ€ngigkeit von Technologieanbietern aus den USA und China drastisch zu reduzieren. Im Fokus stehen KĂŒnstliche Intelligenz, Cloud-Dienste und Halbleiter.

Neues Regelwerk fĂŒr Cloud und KI

HerzstĂŒck der Initiative ist der Cloud and AI Development Act (CADA). Er fĂŒhrt ein vierstufiges Zertifizierungssystem fĂŒr öffentliche Cloud-Dienste ein. Die höchste SouverĂ€nitĂ€tsstufe wĂŒrde vorschreiben, dass kritische öffentliche AuftrĂ€ge in sensiblen Bereichen – etwa Verteidigung und Gesundheitswesen – nur mit Hardware und Software aus der EU realisiert werden dĂŒrfen.

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Hintergrund sind Bedenken der Kommission gegenĂŒber dem US-Cloud-Act. Dieses Gesetz erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten, die von amerikanischen Unternehmen gespeichert werden – unabhĂ€ngig vom Speicherort. Das macht es fĂŒr große US-Anbieter praktisch unmöglich, die strengsten EU-Auflagen zu erfĂŒllen.

Ein weiteres Problem: sogenannte „Kill-Switch"-Risiken. Die Kommission verweist auf FĂ€lle, in denen auslĂ€ndische Anbieter Dienste abrupt einstellen konnten. Besonders genannt wird die Sperrung eines E-Mail-Kontos der ChefanklĂ€gerin des Internationalen Strafgerichtshofs – ein Vorfall, der den Druck in Richtung EigenstĂ€ndigkeit verstĂ€rkt hat.

Die Zahlen sind alarmierend: 80 Prozent der in der EU genutzten Digitaltechnologien stammen aus dem Ausland. EuropĂ€ische Unternehmen und Behörden geben jĂ€hrlich rund 264 Milliarden Euro fĂŒr US-Technologie aus. Drei US-Anbieter kontrollieren zwischen 60 und 80 Prozent des europĂ€ischen Cloud-Marktes.

Chips und Rechenzentren: Die nÀchste Ausbaustufe

Das Paket enthÀlt zudem den Chips Act 2.0. Ziel ist es, den globalen Marktanteil der EU bei Halbleitern bis 2030 auf 20 Prozent zu verdoppeln. Die Kommission will die Nachfrage nach europÀischen Chips durch verbindliche VorabkÀufe ankurbeln.

Gleichzeitig beteiligt sich die EU an der US-gefĂŒhrten Pax-Silica-Initiative zur Sicherung globaler Chip-Lieferketten. SouverĂ€nitĂ€t bedeute nicht Isolation, so die Botschaft aus BrĂŒssel.

Bei der digitalen Infrastruktur plant die EU massiven Ausbau: Die RechenzentrumskapazitĂ€t soll sich in den nĂ€chsten fĂŒnf bis sieben Jahren verdreifachen. Das langfristige Ziel liegt bei 60 bis 65 Gigawatt innerhalb eines Jahrzehnts. Um das zu finanzieren, rechnet die Kommission mit rund 200 Milliarden Euro privater Investitionen bis 2036.

Gemischte Reaktionen aus Industrie und Parlament

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen betonte, dass die EU bei essenziellen Diensten wie KrankenhĂ€usern und Stromnetzen nicht von externen Anbietern abhĂ€ngig sein dĂŒrfe. Henna Virkkunen von der Kommission ergĂ€nzte: Die EU bleibe offen fĂŒr Partnerschaften, doch technologische SouverĂ€nitĂ€t sei die Grundlage fĂŒr eigenstĂ€ndige Entscheidungen.

US-amerikanische HandelsverbÀnde wie die Computer & Communications Industry Association kritisierten die geografischen Auflagen dagegen als protektionistisch. Sie warnten vor neuen Marktzugangsbarrieren.

Im Europaparlament zeigten sich einige Abgeordnete enttĂ€uscht. Das Paket sei nicht ambitioniert genug, so der Tenor. Abgeordnete der GrĂŒnen kritisierten besonders das Fehlen verbindlicher Nachhaltigkeitsstandards fĂŒr den geplanten Ausbau der Rechenzentren.

Der Vorschlag muss nun von den 27 EU-Mitgliedstaaten und dem Europaparlament verhandelt und verabschiedet werden, bevor er in Kraft treten kann.

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