EU-Umfrage, KMU

EU-Umfrage: 42 Prozent der KMU nutzen KI, doch Menschen entscheiden meist

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 04:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Viele Unternehmen sehen Qualitätsgewinne durch KI, doch Kosten, Rechtsunsicherheit und fehlendes Fachwissen erschweren den breiteren Einsatz.
Ein minimalistisch eingerichteter, heller Büroraum mit einem leeren Besprechungstisch und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

In der Europäischen Union setzen kleine und mittlere Unternehmen sowie Midcaps zunehmend auf digitale Technologien. Laut den am 14. Oktober 2026 vorgestellten Ergebnissen der Erhebung „Flash Eurobarometer 578“ der Europäischen Kommission nutzen bereits 42 Prozent der befragten Betriebe Künstliche Intelligenz (KI) oder algorithmisches Management.

Bei der Mehrheit dieser Unternehmen bewegt sich die Anwendung allerdings noch in einem begrenzten oder experimentellen Rahmen. Weitere 21 Prozent der befragten Betriebe planen gegenwärtig die Einführung entsprechender Systeme.

Die Telefonumfrage, die unter Führungskräften privater KMU durchgeführt wurde und den EU-Durchschnitt ohne separate Ausweise für einzelne Staaten wie die Niederlande oder Belgien darstellt, verdeutlicht zugleich eine klare Grenze bei der Autonomie der Technik.

Bei den Anwendern verbleibt die letzte Entscheidung in 90 Prozent der Fälle beim Menschen, während lediglich 2 Prozent der Prozesse vollautomatisiert ablaufen.

Im Detail fallen 38 Prozent der Entscheidungen komplett menschlich ohne KI-Beteiligung, 52 Prozent basieren auf einem KI-Vorschlag mit anschließender menschlicher Bestätigung, und bei 7 Prozent entscheidet das System zuerst, gefolgt von einer nachträglichen Prüfung.

Einsatzfelder, Erwartungen und Vorbehalte

Bei der kombinierten Betrachtung von bestehender Nutzung und konkreten Vorhaben dominieren Anwendungen im Kundenservice und bei Kundenbeziehungen mit 47 Prozent. Es folgen Systeme zur Leistungs- und Produktivitätskontrolle mit 36 Prozent sowie Lösungen für Logistik, Planung und Personaleinsatz mit 30 Prozent.

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Generell bewerten viele Betriebe das Potenzial positiv: 61 Prozent der Befragten gaben an, dass KI Entscheidungen unterstützt, und 75 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der Arbeitsqualität.

Gleichzeitig bremsen erhebliche Barrieren eine breitere Einführung. So nannten 50 Prozent der Unternehmen hohe Investitionskosten als Hindernis, 49 Prozent verwiesen auf Rechtsunsicherheit und 48 Prozent auf fehlende Expertise. Zudem äußerten 49 Prozent der Befragten ein mangelndes Vertrauen in den Einsatz von KI bei Personalentscheidungen.

Politische Debatte um Arbeitnehmerrechte und Regulierung

Der wachsende Einsatz digitaler Steuerungsinstrumente ruft auch die europäische Politik auf den Plan. Am 14. Oktober 2026 forderte die S&D-Gruppe im EU-Parlament auf einer Brüsseler Konferenz bindende EU-Mindeststandards für algorithmische Führung, digitale Überwachung und das psychische Arbeitsumfeld.

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Vor dem Hintergrund des für Dezember 2026 erwarteten Kommissionsvorschlags zum sogenannten „Quality Jobs Act“ verlangte die Fraktion Informations-, Kontroll- und Widerspruchsrechte, Regelungen gegen Überlastung sowie ein Recht auf Abschalten.

Die Parlamentarierin Gaby Bischoff unterstrich dabei, dass Algorithmen nicht über den Verlust von Arbeitsplätzen entscheiden dürften, während Kommissions-Vizepräsidentin Roxana Mînzatu betonte, Regeln seien erforderlich, damit Rechte in der Praxis wirksam blieben.

Auch EU-Kommissions-Exekutivvizepräsidentin Henna Virkkunen mahnte verbindliche Schutzmaßnahmen an und warnte, unkontrollierte Fortschritte bei der Technologie könnten zu einem schwerwiegenden Sicherheitsrisiko für Europa werden. Flankierend dazu trat am 14. Oktober 2026 mit der Norm EN 18286:2026 der erste harmonisierte Standard unter dem europäischen AI Act in Kraft, der Qualitätsmanagementsysteme für künftige Hochrisiko-Anwendungen regelt.

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