EU verhängt Sanktionen gegen Max-Messenger als Spionagetool
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 16:14 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Union und internationale Partner gehen mit neuen Sanktionen und Strafanzeigen gegen russische Technologieunternehmen vor. Im Fokus stehen digitale Plattformen, die für staatliche Überwachung und Cyberkriminalität genutzt werden.
Max-Messenger als Spionagewerkzeug identifiziert
Am 13. Juli 2026 verhängte die EU Sanktionen gegen den russischen Internetkonzern VK und dessen Tochtergesellschaft Communication Platform LLC, die den Messaging-Dienst Max betreibt. Nach Angaben der europäischen Behörden wurde der Max-Messenger unter der Aufsicht des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB entwickelt. Das System fungiere demnach als Spionagetool zur Sammlung von Nutzerdaten und unterstütze die innenpolitische Repression in Russland.
Die EU stellte fest, dass die Bewerbung von Max in Russland mit staatlich verordneten Einschränkungen für internationale Konkurrenten wie WhatsApp und Telegram einherging. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete die Sanktionen als „repressiv und absurd“. Europäische Beamte hingegen betonten, die Plattform sei ein integraler Bestandteil des russischen Überwachungsapparats. Neben den Unternehmen wurden elf Einzelpersonen mit Sanktionen belegt.
Anklagen gegen Betreiber krimineller Hosting-Dienste
In einer koordinierten Aktion erhob das US-Justizministerium Anklage gegen drei russische Staatsbürger – Alexander Wolosowik, Kirill Satolokin und Julia Pankowa. Ihnen wird vorgeworfen, die Firmen Media Land LLC und ML.Cloud betrieben zu haben. Diese Unternehmen sollen sogenannte „bulletproof hosting“-Dienste angeboten haben, die speziell darauf ausgelegt waren, Cyberkriminelle vor Strafverfolgung zu schützen.
Nach Angaben der Bundesstaatsanwaltschaft ermöglichte diese Infrastruktur eine Reihe von Straftaten, darunter Ransomware-Angriffe, Malware-Verbreitung und groß angelegte Phishing-Kampagnen. Der Schaden soll sich auf mehr als 57 Millionen Euro belaufen, verteilt auf Opfer in 21 US-Bundesstaaten. Die US-Regierung hat eine Belohnung von bis zu neun Millionen Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Festnahme oder Verurteilung der Beschuldigten führen.
Jahrzehntelange Sabotage-Netzwerke aufgedeckt
Die EU und Großbritannien enthüllten zudem die Aktivitäten des 16. Zentrums des FSB, das die Cyber-Spionagegruppe Turla kontrolliert. Diese Einheit wird mit jahrelangen Einbrüchen in europäische Systeme in Verbindung gebracht, darunter Ziele in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden.
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Beweise der französischen Behörden identifizierten eine separate Einheit mit der Bezeichnung 61240, die für Angriffe auf das französische Verteidigungsministerium im Jahr 2017 und den Diebstahl von Verteidigungsforschungsdaten im Jahr 2025 verantwortlich sein soll. In Polen wird demselben Netzwerk ein Cyberangriff auf das Stromnetz im Winter 2025/2026 zugeschrieben, der beinahe zu einem Blackout für eine halbe Million Einwohner geführt hätte.
In Großbritannien erhob die Polizei kürzlich Anklage gegen fünf Personen in London, die die Plattform „Russian Coms“ betrieben haben sollen. Dieser Vishing-Dienst (Sprachanruf-Phishing) soll für über 1,3 Millionen betrügerische Anrufe auf 500.000 britische Telefonnummern verantwortlich gewesen sein.
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Desinformationskampagnen und Infrastruktur-Bedrohungen
Deutsche Abgeordnete haben Bedenken hinsichtlich russischer Einflussoperationen vor den Landtagswahlen am 6. und 20. September 2026 geäußert. Beobachtungsgruppen identifizierten Desinformationskampagnen im Juni und Juli 2026, die mit der Operation „Matroschka“ in Verbindung stehen und offenbar die rechtspopulistische AfD unterstützen sollten.
Parallel dazu warnte eine gemeinsamem Stellungnahme US-amerikanischer und verbündeter Behörden, dass russische Akteure weiterhin kritische Infrastrukturen angreifen. Sie nutzen dabei Sicherheitslücken in Netzwerk-Routern aus. Die Warnung hebt besonders die Ausnutzung von Cisco-Sicherheitslücken hervor, um Zugang zu Finanz-, Energie- und Regierungskommunikationssystemen zu erhalten. Sicherheitsexperten wurde geraten, die Cisco Smart Install-Funktion zu deaktivieren und auf sicherere Protokolle umzusteigen.
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