EUDI-Wallet: 24 neue Standards finalisiert für europäische Digitalidentität
14.06.2026 - 07:02:43 | boerse-global.de
Technische Standards für den EUDI-Wallet werden finalisiert, während Google und mehrere Banken neue Verifikationsdienste auf den Markt bringen. Ziel ist eine harmonisierte digitale Identität auf dem ganzen Kontinent – bei gleichzeitiger Wahrung von Sicherheit und Datenschutz.
24 neue Spezifikationen für das EUDI-Ökosystem
Am 12. Juni 2026 veröffentlichte das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) einen ersten Satz von über 24 technischen Spezifikationen. Sie definieren die Vertrauensinfrastruktur für das EUDI-Wallet-Ökosystem. Die Standards decken zentrale Bereiche ab: Identitätsnachweise, Fernsignaturen, Wallet-Attestierungsprofile und die langfristige Datenspeicherung.
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Die Spezifikationen sollen die rechtliche Interoperabilität in ganz Europa unter dem eIDAS 2.0-Rahmenwerk sicherstellen. Besonders im Fokus: die aktualisierte Norm ETSI TS 119 461, die ursprünglich 2021 erstellt wurde und nun an die neuesten Anforderungen der eIDAS- und der Anti-Geldwäsche-Verordnung (AMLR) angepasst ist.
Weitere Spezifikationen sind für den Rest des Jahres 2026 und bis 2027 angekündigt. Ein gemeinsamer Workshop mit dem Europäischen Komitee für Normung (CEN) ist für den 29. September bis 1. Oktober 2026 geplant.
Branchenanalysten rechnen mit einem vollständigen Rollout des EUDI-Wallets in der ersten Jahreshälfte 2027. Für regulierte Unternehmen gilt eine verpflichtende Integrationsfrist bis November 2027. Das Wallet erlaubt Nutzern die Kontrolle über ihre persönlichen Daten durch selektive Offenlegung und Datenminimierung.
Google bringt digitalen ID-Pass auf Android
Ein bedeutender Schritt in Richtung Alltagsnutzung: Google kündigte am 12. Juni 2026 an, die digitale ID-Pass-Funktion im Sommer 2026 auf Android-Geräte in Italien, Frankreich, Irland und Spanien zu bringen. Die Sparkasse in Deutschland ist die erste Bank in Europa, die diese Technologie einsetzt.
Das System kombiniert NFC-Chip-Lesen mit einem biometrischen Video-Selfie-Check zur Identitätsprüfung. Die Daten werden verschlüsselt in der vertrauenswürdigen Ausführungsumgebung des Geräts gespeichert. Möglich ist die selektive Verifikation – etwa der Altersnachweis ohne Preisgabe des vollständigen Geburtsdatums. Für internationale Grenzübertritte soll die Funktion jedoch physische Pässe nicht ersetzen.
Rumänien: Erster Payment-Passkey weltweit
Die Zahlungsplattform xMoney aus Rumänien gab am 11. Juni 2026 bekannt, als erster Mastercard-Herausgeber weltweit einen Payment Passkey über eine Mobile-Banking-App gestartet zu haben. Das System basiert auf FIDO-Standards und speichert biometrische Daten lokal auf dem Gerät. Erste Ergebnisse zeigen: Die Methode kann die Abbruchrate bei Authentifizierungen um bis zu 50 Prozent senken und das Betrugsniveau im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren deutlich reduzieren.
Banken rüsten gegen Social Engineering auf
Gleichzeitig verbessern Banken ihre Sicherheitsprotokolle, um typische Social-Engineering-Tricks von Betrügern zu unterbinden. Die estnische Bigbank führte am 11. Juni 2026 das Smart-ID+-Upgrade ein. Es verlangt von Nutzern, die Authentifizierung selbst zu starten und einen QR-Code zu scannen. Die LHV folgt am 16. Juni 2026, während Swedbank und SEB einen Rollout im Laufe des Jahres planen.
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Laut SK ID Solutions verhindert dieser manuelle Initiierungsprozess, dass Betrüger Nutzer zur Freigabe unbefugter Anmeldungen verleiten können.
IDnow startet Trust Platform
Im Privatsektor launchte IDnow am 12. Juni 2026 seine Trust Platform. Das modulare System soll Unternehmen den Übergang von einmaliger Verifikation zu einem Modell kontinuierlichen Vertrauens ermöglichen. Die Plattform umfasst Dienste zur Orchestrierung der Identitätsprüfung, Betrugsprävention und biometrischen Authentifizierung – und hilft Firmen, neue EU-Regulierungsstandards zu erfüllen.
Nationale Initiativen: UK und Deutschland
Auch einzelne Regierungen treiben ihre nationalen Digitalstrategien voran. Das Vereinigte Königreich berief am 12. Juni 2026 ein unabhängiges Expertengremium unter Vorsitz von Chief Secretary Darren Jones ein. Es soll den nationalen Digital-ID-Rollout überwachen. Das Gremium, dem ehemalige Top-Manager und Rechtsexperten angehören, tagt vierteljährlich und soll öffentliche Dienstleistungen modernisieren sowie Altsysteme ersetzen.
In Deutschland plant die Bundesregierung ein verpflichtendes Bürgerkonto als Weiterentwicklung der bestehenden BundID. Das System soll öffentliche Leistungen wie Kindergeldzahlungen automatisieren. Ein Start ist frühestens 2028 vorgesehen.
IWF mahnt: Hürden für Bankenunion bleiben
Diese digitalen Fortschritte fallen in eine Zeit, in der der Internationale Währungsfonds (IWF) weiterhin Hindernisse für eine europäische Bankenunion beobachtet. Ein am 12. Juni 2026 veröffentlichtes Arbeitspapier stellt fest: Zwar nähern sich die Zinsunterschiede an, doch bleiben aufgrund unterschiedlicher nationaler Bankenregulierungen erhebliche Hürden beim grenzüberschreitenden Beziehungsaufbau und Markteintritt.
EZB testet digitalen Euro mit neun italienischen Banken
Die Europäische Zentralbank (EZB) testet seit dem 3. Juni 2026 ihre Architektur für den digitalen Euro mit neun italienischen Banken. Die EZB erwartet Rückmeldungen von Zahlungsdienstleistern bis Ende Juni 2026. Ein vollständiges Pilotprogramm mit Peer-to-Peer- und In-Store-Anwendungen ist für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant.
