Euro-Office für Linux: Neue Open-Source-Suite soll Cloud-Abhängigkeit senken
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 08:44 Uhr | Redaktion boerse-global.deTechnische Anleitungen beschreiben die Einrichtung unterschiedlicher Büroanwendungen wie OpenOffice und WPS unter Ubuntu sowie weiteren Linux-Distributionen, um Anwendern alternative Desktop-Workflows für produktives Arbeiten zu eröffnen. Die Bereitstellung reicht von manuellen Paketinstallationen über grafische Verwaltungswerkzeuge bis hin zu modernen Containerformaten und leichtgewichtigen Texteditoren.
Manuelle Bereitstellung von OpenOffice und WPS unter Ubuntu
Für die Einrichtung von OpenOffice unter Ubuntu sehen Dokumentationen zunächst die Deinstallation des vorinstallierten LibreOffice über den Befehl sudo apt-get remove --purge libreoffice* vor. Anschließend wird OpenOffice 4.1.1 – entweder als 32-Bit-Paket Apache_OpenOffice_4.1.1_Linux_x86_install-deb_zh-CN.tar.gz oder in der entsprechenden x86-64-Variante – von Sourceforge in das Verzeichnis /tmp geladen und entpackt. Die Einrichtung im System erfolgt daraufhin mittels dpkg -i *.deb innerhalb des Unterverzeichnisses zh-CN/DEBS sowie über das Paket zur Desktop-Integration.
Soll eine 32-Bit-Version von WPS Office auf einem 64-Bit-Ubuntu betrieben werden, erfordert dies Vorarbeiten bei den Softwareabhängigkeiten. Nach dem Herunterladen des Debian-Pakets von community.wps.cn/download lassen sich die Anforderungen mit dpkg --info kingsoft-office.deb | grep -i depends prüfen.
Neben der Aktivierung der Multiarchitektur per sudo dpkg --add-architecture i386 und einem nachfolgenden apt-get update müssen spezifische 32-Bit-Bibliotheken bereitgestellt werden.
Dazu zählen libc6:i386, libstdc++6:i386, libfreetype6:i386, libglu1-mesa:i386, libcups2:i386, libglib2.0-0:i386, libpng12-0:i386, libsm6:i386, libxrender1:i386 und libfontconfig1:i386. Erst danach erfolgt die eigentliche Paketinstallation mit sudo dpkg -i kingsoft-office.deb.
Installationswege und grafische Paketverwaltung
Unter Linux stehen je nach Distribution und Paketformat unterschiedliche Installationspfade zur Verfügung:
- RPM-Pakete: rpm -ivh soft.version.rpm
- Debian-Pakete: dpkg -i soft.version.deb
- Quellcode-Archive (tar.gz oder tar.bz2): Entpacken per tar -xzvf beziehungsweise tar -xjvf, gefolgt von ./configure, make und make install
- Paketmanager-Befehle: apt-cache search soft und apt-get install soft.version
- Binärdateien: Ausführbar machen mit chmod +x soft.bin und Aufruf über ./soft.bin
- Portable Anwendungen: Entpacken, Rechteanpassung per chmod +x und Einbindung über symbolische Links in /bin oder Startdateien im Verzeichnis /usr/share/applications
Wer sich mit dem Thema freier Software befasst, findet in diesem Startpaket eine vollwertige Alternative zu teurer Büro-Software. Erfahren Sie, wie Sie alle wichtigen Funktionen ohne Lizenzkosten professionell nutzen können. Gratis OpenOffice Startpaket jetzt herunterladen
Für Nutzer grafischer Benutzeroberflächen stehen spezialisierte Werkzeuge bereit. Das GTK-Frontend Synaptic dient der Verwaltung von APT unter Debian und Ubuntu und unterstützt Suche, Installation, Entfernung, Versionssperren sowie Versionswechsel, deckt jedoch keine Snap-Pakete ab. Es unterstützt Anwender auch beim Auffinden und Entfernen manuell über .deb installierter Pakete, die im Standard-App-Center von Ubuntu nicht aufgeführt werden.
Als Alternativen existieren auf Arch-Basis das Werkzeug Shelly, das native Pakete, AUR und AppImage verwaltet (Flatpak erfordert das Paket shelly-flatpak-backend), sowie die universelle Oberfläche bauh für AppImage, Debian, Arch/AUR, Flatpak, Snap und Web-Apps. Weitere Stores umfassen den COSMIC Store, KDE Discover, Bazaar und die Anwendungsverwaltung von Linux Mint.
Spezialisierte Editoren, Dokumentkonvertierung und Systempflege
Neben umfangreichen Programmpaketen steht mit AbiWord ein leichtgewichtiger Textprozessor zur Verfügung, der sich über Synaptic installieren und über das Anwendungsmenü starten lässt. Die Software unterstützt das Öffnen und Speichern von Microsoft-Word-Dateien im DOC-Format sowie den PDF-Export.
Immer mehr Anwender steigen auf kostenlose Office-Alternativen um, die eine nahtlose Arbeit mit Texten und Tabellen ermöglichen. Dieses Gratis-Paket macht den Umstieg besonders einfach und zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie es funktioniert. Kostenloses Startpaket für Office-Umsteiger sichern
Ergänzend existiert mit WordCraft 0.11.0 eine quelloffene Textverarbeitung unter MIT- und Apache-2.0-Lizenz, die in Rust mit der Oberfläche egui umgesetzt ist. Sie unterstützt Formate wie DOCX, ODT, RTF, HTML, Markdown, TXT, LaTeX sowie altes DOC und bietet Ribbon-Menüs, Änderungsverfolgung, Offline-Sprachprüfungen und Schnittstellen für KI-Agenten über CLI, JSON und MCP.
Auf Servern wie CentOS 7 erfolgt die Bereitstellung von LibreOffice über yum install libreoffice, was über 600 MB Speicherplatz beansprucht. Über den Headless-Aufruf soffice --headless --convert-to docx /opt/upload/source/123.doc --outdir /opt/upload/source lassen sich Dokumente automatisiert ohne grafische Oberfläche konvertieren, wobei bestehende gleichnamige Zieldateien überschrieben werden.
Bei Anpassungen älterer Systeme wie Ubuntu 16.04 entfernen Administratoren neben libreoffice-common und ungenutzten Programmen auch Integrationsdienste wie unity-webapps-common, um die Umgebung schlank zu halten.
Neuere Plattformen fordern zudem regelmäßige Wartung ein: Für Oracle Linux 8 erschien das Sicherheitsupdate ELSA-2026-88164 für LibreOffice 7.1.8.1-3.0.1.el8_10 zur Behebung von vier Schwachstellen, verbunden mit einer Migration auf OpenJDK 21, da OpenJDK 8 auf RHEL 8 ab November 2026 nicht mehr unterstützt wird.
Neue Entwicklungen und europäische Alternativen
Die Palette der Büroanwendungen für Linux wird kontinuierlich ausgebaut. Im Juli 2026 erschien Collabora Office 26.04 für den Desktop auf Basis von Flatpak über Flathub sowie Snap.
Die Version bringt Dokumentvergleiche, Mehrseitenansichten und Pivot-Felder mit; eine Version 26.04.3 für Android und iOS folgte im September 2026. CEO Michael Meeks verwies anlässlich des zehnjährigen Bestehens von Collabora Online darauf, dass in Browser, Desktop und mobilen Varianten dieselbe Engine zum Einsatz komme.
Auf digitalpolitische Unabhängigkeit zielt die Open-Source-Bürosuite Euro-Office ab, über die am 28. Oktober 2026 berichtet wurde. Die von einem europäischen Konsortium entwickelte Anwendung basiert auf OnlyOffice, läuft unter Linux, Windows sowie macOS und soll Abhängigkeiten von proprietären Cloud-Diensten verringern. Sie verarbeitet Microsoft- und ODF-Formate unter quelloffener Governance.
