Euro-Office: Nextcloud startet Desktop-App gegen Microsoft
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 22:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nextcloud arbeitet an Euro-Office, einer als europäische Alternative zu Microsoft Office positionierten Software, die künftig sowohl in kostenlosen als auch in kostenpflichtigen Varianten verfügbar sein soll. In den kommenden Wochen soll die Anwendung, die bislang nur im Browser lief, als Desktop-App für Windows, macOS und Linux erscheinen. Die Veröffentlichung erfolgt im Rahmen des größeren Updates "Nextcloud Hub 26".
Neue Funktionen für Offline-Arbeit
Mit der Desktop-Version lassen sich Textdokumente, Tabellen und Präsentationen künftig lokal und ohne Internetverbindung bearbeiten. Laut Nextcloud arbeitet die neue Version schneller und bringt verbesserte Filter sowie Dokument-Thumbnails mit.
Nutzer können damit am Computer arbeiten, ohne auf Nextcloud-Funktionen verzichten zu müssen. Der Fokus der Desktop-Version liegt auf Windows 11 mit Editionen für x64 und ARM64, parallel erscheinen Versionen für Linux und macOS.
Die Tabellenanwendung soll künftig relationale Spalten unterstützen, die Raumsuche im Kalender wird verbessert, und ein integrierter Assistent bietet lokale Texterkennung für Bilder und Dokumente. Die Desktop-App ist Teil eines umfassenderen Updates der Kollaborationsplattform, das laut Nextcloud in enger Zusammenarbeit mit Nutzern und öffentlichen Verwaltungen entstand.
Künftig sollen zudem dedizierte und gemeinsame Arbeitsbereiche für Dateien und Aufgaben hinzukommen. Das Projekt startete ursprünglich als Initiative für eine datenschutzkonforme Infrastruktur für europäische Behörden und Schulen. In der Praxis ist Euro-Office neben kostenlosen Editoren auch in kostenpflichtigen Varianten für Cloud-Nutzung, Integrationen und kommerzielle Anwendungen erhältlich.
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Streit um Herkunft des Codes
Überschattet wird die Ankündigung von anhaltender Kritik an den technischen Wurzeln der Software. Euro-Office basiert als Fork auf dem Code von OnlyOffice, das vom lettischen Unternehmen Ascensio System SIA entwickelt wird, dessen Ursprünge in Russland liegen.
Eine Cybernews-Analyse von Juni 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass rund 98,6 Prozent der Document-Engine und rund 99,2 Prozent der Live-Collaboration-Komponente von Entwicklern mit russischen Zeitzonen-Zeitstempeln stammen. Europäische Beiträge machen der Analyse zufolge lediglich rund 0,5 Prozent aus.
Nextcloud-Mitgründer Jos Poortvliet erklärte dazu, die OnlyOffice-Codebasis sei fast vollständig hinter verschlossenen Türen in Russland entwickelt worden. OnlyOffice wirft Euro-Office seinerseits Lizenzverstöße vor. Ascensio-System-CSO Galina Goduhina wies die Vorwürfe zu den russischen Wurzeln zurück und betonte, das Unternehmen operiere EU-konform mit einem international zusammengesetzten Team.
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Nextcloud-CEO Frank Karlitschek bezeichnete Euro-Office trotz der Kontroverse als souveräne Alternative zu Microsoft Office. Im weiteren OnlyOffice-Ökosystem bestehen neben kostenlosen Editoren ebenfalls kostenpflichtige Pläne für Cloud, Integrationen und kommerzielle Anwendungen, begleitet von anhaltendem Streit um Lizenzen und Branding zwischen den beteiligten Parteien.
Kompatibilität als entscheidender Faktor
Für die Praxistauglichkeit dürfte letztlich die Kompatibilität mit gängigen Microsoft-Formaten wie DOCX, XLSX und PPTX ausschlaggebend sein – einschließlich korrekter Darstellung von Seitenlayout, Formeln und Präsentationen. Kritiker aus dem LibreOffice-Umfeld bemängeln allerdings, dass Euro-Office die Kompatibilität mit Microsoft-Formaten zu stark betone, statt auf das offene OpenDocument-Format als Standard zu setzen.
