Exilby ab September: Neues Cannabis-Mittel gegen Nervenschmerzen
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 19:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ab dem 1. September 2026 ist in Deutschland ein neues Fertigarzneimittel gegen chronische Schmerzen erhältlich: Exilby, entwickelt vom Unternehmen Vertanical.
Das Präparat auf Basis eines Cannabis-Vollspektrumextrakts mit dem Wirkstoff VER-01 richtet sich an Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen mit neuropathischer Komponente – einer Schmerzform, die bislang oft nur unzureichend behandelbar war. Vertanical-Gründer Clemens Fischer äußerte sich zu Preisgestaltung und Kritik aus der Hanf-Branche an dem Medikament.
Studienlage zur Wirksamkeit
Grundlage für die Zulassung ist eine Phase-3-Studie mit 820 erwachsenen Teilnehmern, die 2025 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlicht wurde. Die Untersuchung zeigte eine Schmerzreduktion, die um 0,6 Punkte besser ausfiel als unter Placebo.
Zusätzlich existiert eine Vergleichsstudie mit 384 Patienten über einen Zeitraum von sechs Monaten, in der Exilby einer Behandlung mit Opioiden gegenübergestellt wurde. Dabei zeigte sich eine etwas stärkere Schmerzreduktion gegenüber der Opioid-Behandlung, verbunden mit einem für Patienten relevanten Vorteil: weniger Verstopfung, eine der häufigsten und belastendsten Nebenwirkungen klassischer Opioidtherapien.
Nebenwirkungsprofil
Gänzlich nebenwirkungsfrei ist auch das neue Präparat nicht. In den Studien berichteten Teilnehmer über Schwindel, Müdigkeit und Übelkeit. Als Cannabis-Vollspektrumextrakt kann Exilby zudem Mundtrockenheit und Schläfrigkeit auslösen. Im Vergleich zu Opioiden fällt jedoch insbesondere die geringere Belastung des Verdauungstrakts auf, was für Patienten mit langfristigem Behandlungsbedarf ein praktischer Vorteil sein kann.
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Veränderte Rahmenbedingungen für Cannabis-Therapien
Der Marktstart von Exilby fällt in eine Phase struktureller Veränderungen bei der Verordnung von Cannabis-Präparaten in Deutschland. Seit dem 30. Juli 2026 werden Cannabisblüten nicht mehr zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet.
Stattdessen rücken Fertigarzneimittel wie Exilby in den Vordergrund, da sie standardisierte Wirkstoffmengen und eine über die Zulassungsstudien belegte Wirksamkeit bieten – anders als Blütenpräparate, deren Zusammensetzung stärker schwanken kann.
Reaktionen aus der Hanf-Branche
Der veränderte regulatorische Rahmen und die Positionierung von Exilby als bevorzugtes Fertigarzneimittel stoßen nicht überall auf Zustimmung. Aus der Hanf-Lobby kam Kritik an dem neuen Medikament, mit der sich Vertanical-Gründer Fischer öffentlich auseinandersetzte. Im Zentrum der Debatte dürfte auch die Preisgestaltung des neuen Präparats stehen, zu der sich Fischer ebenfalls äußerte.
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Einordnung für Patienten
Für Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen mit neuropathischer Komponente könnte Exilby eine zusätzliche Behandlungsoption darstellen, die sich von etablierten Opioidtherapien vor allem durch das Nebenwirkungsprofil unterscheidet.
Die vorliegenden Studienergebnisse – ein moderater Vorteil gegenüber Placebo und ein leicht besseres Ergebnis im direkten Vergleich mit Opioiden – deuten darauf hin, dass das Präparat eine Alternative für ausgewählte Patientengruppen sein kann, ohne bestehende Therapien vollständig zu ersetzen.
Wie sich die veränderten Verordnungsregeln für Cannabisblüten langfristig auf die Versorgungslandschaft auswirken, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen, wenn mehr Erfahrungen mit dem Fertigarzneimittel im breiten Praxisalltag vorliegen.
