Fäkales Calprotectin: Stuhltest kann verborgene Darmentzündungen aufdecken
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deForschungsergebnisse weisen darauf hin, dass einfache Stuhltests auf Entzündungsbiomarker wie fäkales Calprotectin bisher unentdeckte chronisch entzündliche Darmerkrankungen aufdecken können. Dieser diagnostische Nutzen greift auch dann, wenn Betroffene noch keine typischen Magen-Darm-Beschwerden spüren, sondern sich die Entzündungsaktivität primär an anderen Organen wie den Augen bemerkbar macht oder ein erhöhtes Risiko für bösartige Veränderungen im Darm vorliegt.
Augenentzündungen als Indikator für verborgene Prozesse im Darm
In einer prospektiven Kohortenstudie untersuchte ein Forschungsteam um Lavilla Olleros die Aussagekraft von fäkalem Calprotectin bei Patienten mit entzündlichen Augenerkrankungen. Die in der Fachzeitschrift Frontiers in Medicine publizierte Untersuchung stützte sich auf Daten von 69 Erwachsenen in Madrid, die an idiopathischer, nicht-infektiöser Uveitis oder Skleritis litten.
Die Auswertungen zeigten, dass die serielle Bestimmung des fäkalen Calprotectins eine verborgene chronisch entzündliche Darmerkrankung anzeigen kann, obwohl die Patienten keinerlei Magen-Darm-Symptome aufweisen. Laut den Autoren identifiziert ein dauerhaft erhöhter Verlauf dieses Markers eine spezifische Untergruppe, die einer weiterführenden gastroenterologischen Abklärung bedarf.
Stuhltests in der strukturierten Früherkennung
Dass nicht-invasive Tests aus Stuhlproben eine hohe Treffsicherheit bei der Identifikation von Risikopatienten bieten, belegen auch Untersuchungen aus der Krebsvorsorge.
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Eine Bilanz Wiener und burgenländischer Wissenschaftler, die Daten von rund 25.000 Personen analysierten, verglich unterschiedliche Screening-Methoden: Ein organisiertes Einladungsscreening auf Dickdarmkrebs, das auf einem Stuhltest basiert und nur im Verdachtsfall eine Koloskopie anschließt, entdeckte im Burgenland etwa doppelt so viele Karzinome wie opportunistische Darmspiegelungen.
Mikrobiom und Stoffwechselmarker als künftige Diagnosepfade
Neben etablierten Biomarkern rücken molekulare und mikrobiologische Merkmale in den Fokus der Forschung. Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen weisen typische Veränderungen der Diversität, Taxonomie und Funktion des Darmmikrobioms auf.
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Diese Signaturen könnten künftig sowohl zur Früherkennung als auch als prädiktive Biomarker herangezogen werden; zielgerichtete Therapien auf mikrobieller Basis sind gegenwärtig jedoch noch klinischen Studien vorbehalten.
Darüber hinaus zielen wissenschaftliche Verbundprojekte darauf ab, stoffwechselbiologische Veränderungen der Schleimhaut noch vor der Entstehung von Tumoren zu erfassen.
Das Forschungsprojekt NAD-MAGIC untersucht unter Koordination des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein am Campus Kiel sowie unter Beteiligung der Berliner Charité, des Max-Delbrück-Centrums (MDC-BIMSB) und der Technischen Universität München (TranslaTUM) den NAD?-Stoffwechsel der Darmschleimhaut.
Langfristiges Ziel sind neue Biomarker zur Früherkennung. Für einen klinischen Einsatz sind nach Angaben der Beteiligten weitere Studien notwendig; praktische Empfehlungen für entsprechende Nahrungsergänzungen lassen sich daraus nicht ableiten.
