Fahrerlose, Taxis

Fahrerlose Taxis in London: IWGB fordert sofortiges Moratorium

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Parlamentsausschuss sieht keine ausreichenden Belege für autonome Fahrdienste und empfiehlt ab 2027 stärkere Befugnisse für TfL.

London: Gewerkschaft fordert Stopp fahrerloser Taxis, Ausschuss warnt
Eine belebte Londoner Straßenkreuzung in der Dämmerung mit nassem Asphalt und historischer Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Die Gewerkschaft der Londoner Mietwagenfahrer hat ein sofortiges Moratorium für fahrerlose Taxis in der britischen Hauptstadt verlangt. Die Organisation IWGB wandte sich mit der Forderung direkt an Londons Bürgermeister Sadiq Khan sowie die Verkehrsbehörde Transport for London.

Begleitet wird der Vorstoß von einer neuen Untersuchung des Verkehrsausschusses der London Assembly, der erhebliche Bedenken hinsichtlich der Verkehrssicherheit und der Auswirkungen auf die Beschäftigten äußert.

Warnung vor massiven Jobverlusten und sozialer Krise

Die Gewerkschaft IWGB begründet ihre Forderung mit den gravierenden wirtschaftlichen Risiken für die Beschäftigten im Personenverkehr. Rund 105.000 lizenzierte Private-Hire-Fahrer in London sehen sich durch die Pläne von Technologiekonzernen und Investoren in ihrer Existenz bedroht.

Gewerkschaftspräsident Alex Marshall warnte vor einer potenziellen sozialen und wirtschaftlichen Krise, bei der Unternehmensgewinne auf Kosten Tausender Arbeitsplätze erzielt würden. Der stellvertretende Vorsitzende Gholomreza Kamyabi betonte, dass jedes betroffene Fahrzeug den Lebensunterhalt einer Familie sichere.

Rückendeckung erhalten die Fahrer von weiteren Arbeitnehmervertretern. Die Gewerkschaft ADCU, deren Generalsekretärin Cristina-Georgiana Ioanitescu eine direkte Beteiligung der Fahrer an den Verhandlungen fordert, verlangt einen verbindlichen Übergangsplan.

Auch die GMB-Gewerkschaft sprach sich für einen fairen Übergang unter Aufsicht der Behörden aus, der Umschulungen und Beschäftigungssicherungen umfassen müsse. Elly Baker, Verkehrssprecherin der Labour-Partei in der London Assembly, forderte ebenfalls klare Antworten zu Stau- und Sicherheitsfolgen und schloss ein Veto gegen Robocabs nicht aus.

Verkehrsausschuss sieht unzureichende Beweise für Nutzen

Zeitgleich legte das London Assembly Transport Committee einen 66-seitigen Bericht vor, wie Berichte vom 12. Oktober 2026 festhielten. Das Gremium kam zu dem Ergebnis, dass es derzeit an ausreichenden Belegen fehle, um autonome Passagierdienste in London zu befürworten.

Die Ausschussvorsitzende Caroline Russell wies darauf hin, dass fahrerlose Fahrzeuge den Busverkehr verzögern, Straßenkreuzungen blockieren und die Luftverschmutzung vor Schulen verschärfen könnten.

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Nach Angaben des Ausschusses sind in der Metropole etwa 16.000 Taxifahrer und 105.000 Private-Hire-Fahrer tätig, während der Anteil von Wegen zu Fuß, per Rad oder mit dem Nahverkehr im Jahr 2024 bei 63,4 Prozent lag – das städtische Ziel sieht 80 Prozent bis 2041 vor.

Die Skepsis teilt auch ein großer Teil der Bevölkerung: Einer vom Ausschuss beauftragten YouGov-Umfrage zufolge lehnen 42 Prozent der Londoner autonome Fahrzeuge ab, während 29 Prozent dafür sind und 29 Prozent angaben, diese nutzen zu wollen.

Forderungen nach schärferer Regulierung ab 2027

Der Ausschuss formulierte 13 konkrete Empfehlungen an die Aufsichtsbehörden. Bislang erteilt die nationale Prüfstelle DVSA die Genehmigungen, während TfL lediglich ein sechswöchiges Zustimmungsrecht ohne Auflagen oder Widerrufsmöglichkeiten besitzt.

Der Ausschuss schlägt vor, die Zuständigkeit ab 2027 vollständig auf TfL zu übertragen. Dies solle Befugnisse zur Festlegung von Obergrenzen für die Flottengrößen sowie das Recht zum Entzug von Lizenzen umfassen.

Zusätzlich fordert der Bericht strengere Sicherheitsauflagen. Unfälle und Beinaheunfälle sollen binnen 24 Stunden inklusive der systeminternen Entscheidungsdaten gemeldet werden.

Anlass dafür bieten Vorfälle aus dem laufenden Jahr: Im April durchbrach ein Testfahrzeug eine Polizeiabsperrung, im Juni fuhr ein autonomes Auto in eine Einbahnstraße und im Juli ereignete sich eine Kollision mit einem Motorrad. Zudem sei bislang keines der Testfahrzeuge rollstuhlgerecht ausgebaut.

Vorbereitungen der Technologieanbieter

Die Branche treibt ihre Planungen ungeachtet des Gegenwinds voran. Waymo führt Tests in London durch und beabsichtigt, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen im Jahr 2026 eine kommerzielle Flotte im niedrigen Hunderterbereich zu betreiben.

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Uber und Wayve verfügen über eine Private-Hire-Lizenz für 15 Fahrzeuge mit Sicherheitsfahrern, während Freenow und Baidu einen vollautonomen Betrieb für 2027 anvisieren. Nach Angaben von TfL-Strategiedirektorin Christina Calderato hat jedoch noch kein Anbieter den mehrstufigen DVSA-Genehmigungsprozess abgeschlossen.

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