Fake-Downloads: 72 betrĂĽgerische Seiten in Google-Suchergebnissen
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 23:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der Angriffe über gefälschte Download-Seiten und manipulierte Software-Pakete steigt rasant. Sicherheitsforscher von Check Point Research und Sonatype dokumentieren eine zunehmende Professionalisierung der Täter – mit schwerwiegenden Folgen für Unternehmen und Privatanwender.
Großangelegte Täuschung über gefälschte Utility-Seiten
Seit August 2025 läuft eine massive Kampagne mit mindestens 72 betrügerischen Domains. Die Seiten imitieren populäre Windows-Tools wie Wintoys, PowerToys, CrystalDiskMark und Ghidra. Die Angreifer nutzen eine perfide „Köder-und-Wechsel"-Taktik: Die Fake-Seiten erscheinen zunächst weit oben in den Google-Suchergebnissen. Erst beim tatsächlichen Download werden die legitimen Links gegen Schadsoftware ausgetauscht.
Die dabei verteilten Malware-Familien tragen Namen wie SessionGate, RemusStealer – eine Variante des bekannten Lumma-Stealers – und AnimateClipper, das Kryptowährungen stiehlt. Über 5.000 verdächtige Proben wurden bereits bei VirusTotal eingereicht.
Explosionsartiges Wachstum bei Schadsoftware-Paketen
Die Bedrohungslage in der Software-Lieferkette hat ein neues Niveau erreicht. Sonatype verzeichnet einen 75-fachen Anstieg bei Meldungen über bösartige Software-Pakete: von 28 Fällen im Jahr 2023 auf 1.576 im Jahr 2025. Insgesamt bestätigte das Unternehmen zwischen Januar 2020 und Mai 2026 rund 9.747 Warnungen vor schädlichen Paketen.
Besonders alarmierend: 47 Prozent dieser Pakete geben sich als vertrauenswürdige Software aus. 53 Prozent der Angriffe im Jahr 2025 zielten direkt auf Entwickler während der Installation ab. Die finanziellen Folgen sind enorm: Während die weltweiten Cybercrime-Schäden 2021 auf 2,4 Milliarden Euro geschätzt wurden, kostete ein einzelner Datenverstoß 2024 durchschnittlich 2,7 Millionen Euro.
Gefälschte App-Stores und die Frage nach der Haftung
Auch der mobile Sektor und der Bereich dezentraler Finanzen (DeFi) geraten zunehmend ins Visier. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl gefälschter App-Store-Seiten um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Kampagne „FriendlyDealer" war für über 1.500 dieser betrügerischen Seiten verantwortlich. Rund 46 Prozent boten gefälschte Banking- oder Krypto-Wallet-Dienste an.
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Die rechtlichen Konsequenzen für Plattformbetreiber werden immer deutlicher. In den USA verklagten drei Bitcoin-Besitzer – James Ramirez, Christopher Ellis und Jalen Delgado – Apple, nachdem eine gefälschte Version der Sparrow-Wallet-App im App Store angeblich Kryptowährungen im Wert von 1,8 Millionen Dollar abgegriffen hatte. Die Kläger betonen, dass Sparrow Wallet nie eine offizielle iOS-Version hatte. Ramirez meldete die betrügerische App am 25. Juli 2025 bei Apple – doch das Unternehmen reagierte nicht rechtzeitig, obwohl Entwickler die App bereits im Januar 2024 gemeldet hatten.
In einem wegweisenden Urteil entschied ein deutsches Gericht, dass Google für Schäden haftet, die ein Verbraucher durch einen über die Suchplattform gefundenen „Fakeshop" erlitten hat.
Gezielte Angriffe auf Web3- und KI-Profis
Neue Kampagnen nutzen das wachsende Interesse an Künstlicher Intelligenz und Web3-Technologien. Das „MistEye"-Team von SlowMist warnt vor Rekrutierungs-Betrügereien, die auf Web3-Fachleute abzielen. Die Angreifer verwenden ein gefälschtes KI-basiertes Meeting-Tool namens „Relay" (verteilt über die Domain relay[.]lc).
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Sobald Nutzer versuchen, an einem Meeting teilzunehmen oder das Tool zu aktualisieren, installiert die Plattform Schadsoftware – sowohl auf macOS als auch auf Windows. Auf macOS setzen die Angreifer auf Social Engineering, um Nutzer zur Ausführung von Terminal-Befehlen zu bewegen. Die Windows-Version nutzt ein gefälschtes Update. Die Malware stiehlt Browser-Zugangsdaten, Schlüsselbund-Daten, Telegram-Sitzungen und Informationen aus über 280 verschiedenen Browser-Erweiterungen.
Kaspersky-Forscher berichten zudem von rund 92.000 Malware-Angriffen, die zwischen Januar und Mai 2026 als KI-Anwendungen getarnt waren. Im mobilen Bereich ist seit Februar 2024 der SparkKitty-Schädling aktiv. Eine im April 2026 entdeckte Variante nutzt optische Zeichenerkennung (OCR), um auf Fotos der Opfer nach Kryptowährungs-Wiederherstellungsphrasen zu suchen.
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