Fake-Shops, TikTok

Fake-Shops auf TikTok: 45 Profile warben mit KI-Bildern fĂŒr Betrug

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 01:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schadsoftware fĂ€ngt Zahlungsdaten ab, wĂ€hrend gefĂ€lschte Verkaufsprofile KĂ€ufer tĂ€uschen und Umfragen LĂŒcken beim Sicherheitswissen zeigen.

Fake-Shops auf Social Media stehlen Zahlungsdaten und tÀuschen KÀufer
Ein leerer, dĂŒsterer Raum mit einem verlassenen Holztisch und Schattenwurf durch ein vergittertes Fenster. Illustration mit AI erstellt.

Kriminelle Akteure nutzen soziale Plattformen verstĂ€rkt fĂŒr die Verbreitung von Fake-Shops, um Zahlungsdaten abzugreifen oder Vorauszahlungen fĂŒr Waren zu erschleichen, die nie geliefert werden. Neben dem finanziellen Direktverlust durch nicht existierende Produkte zielen die Maschen vor allem auf die Erbeutung sensibler Kreditkartendaten und persönlicher IdentitĂ€tsmerkmale ab.

Ausgereifte Schadsoftware liest Zahlungsdaten in Echtzeit mit

Über die technischen HintergrĂŒnde der Betrugsseiten berichtete mimikama.org am 04.10.2026 unter Berufung auf Erkenntnisse des IT-Sicherheitsunternehmens Group-IB. Demnach setzen viele der betrĂŒgerischen Online-Shops auf regulĂ€re Content-Management-Systeme wie WordPress und WooCommerce auf. Als Kernkomponente kommt dabei das Schadprogramm BytePress zum Einsatz, das eingegebene Daten der Nutzer teils zeichenweise mitschneidet.

DarĂŒber hinaus fĂ€lschen die TĂ€ter Verifizierungsseiten des Sicherheitsstandards 3D Secure. Nutzer werden dazu verleitet, ihren Einmalcode auf der gefĂ€lschten Seite einzugeben, den die Kriminellen anschließend in Echtzeit weiterreichen.

Group-IB identifizierte insgesamt 36 unterschiedliche Vorlagen fĂŒr diverse Finanzinstitute, wobei die Banken selbst nicht kompromittiert wurden. Das gesamte System wird als kriminelle Dienstleistung ĂŒber Telegram zu Preisen ab 300 USDT pro Monat vertrieben. Eine konkrete Angriffskampagne im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) ist laut Group-IB bislang nicht nachgewiesen.

Emotionale Köder auf Videoplattformen

Dass soziale Medien als primĂ€rer Werbekanal fungieren, verdeutlichte auch eine Recherche der BBC vom 25.09.2026, ĂŒber die onlinemarktplatz.de am 04.10.2026 berichtete. Auf der Plattform TikTok bewarben 45 Profile unter Nutzung von KI-generierten Darstellungen angeblich kriegsversehrter Veteranen angebliche Handarbeiten wie Flaggen, Taschen oder Schneidebretter.

KĂ€ufer Raymond Gilbert im Alter von 63 Jahren zahlte 154,99 Pfund – rund 205 US-Dollar nach dem Referenzkurs der EuropĂ€ischen Zentralbank vom 25.09.2026 bei 1,33 US-Dollar je Pfund – fĂŒr eine vermeintlich handgefertigte Holzflagge. Ausgeliefert wurde jedoch bedrucktes Sperrholz mit chinesischer Beschriftung auf der Verpackung; eine Herkunft aus China gilt als plausibel, ist aber nicht belegt.

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In einem weiteren dokumentierten Fall erwarb eine Person eine Tasche fĂŒr 65 Pfund (rund 86 US-Dollar). Die VerkĂ€ufe wurden nicht ĂŒber den internen TikTok-Shop, sondern ĂŒber externe Webseiten abgewickelt. TikTok löschte die 45 Konten nach Hinweisen, Meta entfernte regelwidrige Inhalte und YouTube schloss mehrere KanĂ€le. Zu Gesamtzahlen der geschĂ€digten KĂ€ufer, Betreiberstrukturen oder UmsĂ€tzen liegen keine belastbaren Angaben vor.

Defizite beim Sicherheitsbewusstsein

Auswertungen des Bundesamts fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen KriminalprĂ€vention der LĂ€nder und des Bundes (ProPK), ĂŒber die am 04.10.2026 berichtet wurde, zeigen erhebliche LĂŒcken im Nutzungsverhalten.

Lediglich 14 Prozent der Befragten informieren sich regelmĂ€ĂŸig ĂŒber IT-Sicherheitsthemen, wĂ€hrend 40 Prozent erst bei akuten Problemen aktiv werden. Das Konzept starker Passwörter ist 55 Prozent der Befragten bekannt, Antivirenprogramme kennen 54 Prozent.

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Unter den Betroffenen von CybervorfÀllen meldeten 88 Prozent einen Schaden, 33 Prozent erlitten konkrete finanzielle Verluste. BSI-PrÀsidentin Claudia Plattner und die ProPK-Vorsitzende Dr. Stefanie Hinz betonten vor diesem Hintergrund die Notwendigkeit von PrÀventionsarbeit sowie die Verantwortung der Softwarehersteller.

VerbraucherschĂŒtzer raten vor Online-KĂ€ufen zu einer sorgfĂ€ltigen PrĂŒfung des Impressums auf vollstĂ€ndige Namens-, Rechtsform- und Adressangaben. Wer Opfer eines Betrugs geworden ist, sollte die zustĂ€ndige Bank zur Kontosperrung kontaktieren, Strafanzeige erstatten, Zugangsdaten Ă€ndern und unberechtigten Mahnbescheiden innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung widersprechen. Laut BSI enthĂ€lt zudem etwa jede dritte unerwĂŒnschte E-Mail einen Phishing-Versuch, ĂŒber den Zugangsdaten abgegriffen werden sollen.

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