Falsche, Polizisten

Falsche Polizisten vor Gericht: Drei Männer in Lübeck wegen Seniorenbetrugs angeklagt

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 11:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Drei Männer stehen in Lübeck wegen mutmaßlichen Betrugs an älteren Menschen vor Gericht; weitere Verfahren und hohe Schäden zeigen die Verbreitung der Masche.

Lübeck: Prozess gegen drei mutmaßliche Betrüger an Senioren beginnt
Eine leere Wohnstraße in einer deutschen Vorstadtsiedlung bei Dämmerung mit Einfamilienhäusern und langen Schatten. Illustration mit AI erstellt.

Vor dem Landgericht Lübeck hat ein Prozess gegen drei Männer im Alter von 23 bis 29 Jahren aus Nordrhein-Westfalen begonnen. Den Angeklagten wird besonders schwerer Betrug an älteren Menschen zur Last gelegt.

Laut Anklage gaben sich die Täter am Telefon gegenüber Senioren als Polizeibeamte aus, warnten vor angeblichen Gefahren für deren Ersparnisse und holten Wertgegenstände anschließend direkt an den Wohnorten der Betroffenen ab. Der Gesamtwert der so erbeuteten Wertsachen liegt nach Angaben der Justiz im sechsstelligen Euro-Bereich.

Das Vorgehen der Angeklagten folgt einem Muster, das Ermittler bundesweit seit Längerem beschäftigt. Betrüger nutzen gezielt Schockanrufe und vorgetäuschte Amtsautoritäten, um ältere Bürger zur Herausgabe von Geld und Schmuck zu bewegen. Die drei Männer in Lübeck fungierten dabei den Vorwürfen zufolge als Abholer, die nach den manipulativen Telefonaten vor Ort erschienen, um die Beute in Empfang zu nehmen.

Verfahren und Schäden in weiteren Regionen

Die Masche zieht auch an anderen Gerichten juristische Konsequenzen nach sich. Am Landgericht Wiesbaden wird das Verfahren gegen einen 23-jährigen Mann aus Dormagen verhandelt, der als Abholer und Logistiker für eine aus der Türkei gesteuerte Gruppe tätig gewesen sein soll.

Die Anklage wirft ihm banden- und gewerbsmäßigen Betrug mit einem Gesamtschaden von rund 680.000 Euro vor. Allein in Bonn entstand dabei ein gravierender Fall, bei dem ein 86-jähriger Mann 190.000 Euro an die Kriminellen verlor. Das Verfahren in Wiesbaden wird am 13. Oktober fortgesetzt.

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Ebenso meldeten Ermittlungsbehörden aus verschiedenen Landesteilen zuletzt erhebliche Schadenssummen durch Telefonbetrüger. Im Kreis Gießen brachte ein falscher Polizist einen 90-Jährigen in mehreren Anläufen um insgesamt 450.000 Euro.

In Kaiserslautern veranlasste ein Anrufer einen 87-Jährigen dazu, einen hohen fünfstelligen Geldbetrag auf fremde Konten zu überweisen, nachdem er dem Mann eingeredet hatte, dessen Spareinlagen seien bei der Hausbank nicht mehr sicher und müssten auf Konten der Staatsanwaltschaft transferiert werden. Zuvor hatte sich die Person am Telefon nach Wertsachen im Haus erkundigt.

In Nidderau verlor eine ältere Frau Schmuck und Gold im Wert eines fünfstelligen Betrags, während in Wetzlar einer 76-Jährigen die Bankkarte samt Geheimnummer entwendet wurde. Auch in Bonn kam es zu einem schwerwiegenden Vorfall, bei dem eine junge Frau über drei Wochen hinweg durch angebliche chinesische Polizisten unter Druck gesetzt wurde und fast 55.000 Euro überwies.

Prävention und gescheiterte Versuche

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Neben falschen Polizeibeamten treten Betrüger auch in anderen Rollen auf. In Wilhelmshaven verlor eine 64-jährige Frau einen hohen fünfstelligen Betrag an einen Kriminellen, der sich als Mitarbeiter des Sperrnotrufs ausgab und dringende Sicherungsmaßnahmen am Bankkonto vortäuschte.

Nicht jeder Betrugsversuch gelingt den Tätern. Im brandenburgischen Perleberg wurden am 9. Oktober zwei lebensältere Bürger mit Schockanrufen konfrontiert: Ein 72-Jähriger sollte 78.000 Euro Kaution für die angebliche Freilassung seines Sohnes nach einem tödlichen Verkehrsunfall zahlen, während eine 73-Jährige zur Zahlung von 43.000 Euro für ihre Tochter aufgefordert wurde.

Beide Betroffene durchschauten die Täuschung, verweigerten die Zahlung und informierten die Kriminalpolizei. Ähnlich reagierten Bürger im Kyffhäuserkreis und im niedersächsischen Bockhorn, wo Warnungen vor angeblichen Einbrüchen in der Nachbarschaft ebenfalls erfolglos blieben.

Polizeidienststellen warnen eindringlich vor solchen Kontaktaufnahmen. Das Polizeipräsidium Westpfalz rät, am Telefon niemals Auskunft über Vermögensverhältnisse zu geben, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und im Verdachtsfall sofort aufzulegen.

Die Polizei Wilhelmshaven weist zudem darauf hin, dass weder Banken noch Sperrnotrufe sensible Zugangsdaten, PINs oder Autorisierungen abfragen. Mit Kampagnen wie „#Enkelhelden“ und Präventionsliedern wie „110 Gefühle“ versucht die Polizei Westhessen zudem, die Öffentlichkeit für die Methoden der Kriminellen zu sensibilisieren.

Mehr zum Thema bei tagesschau.de: „Landgericht Lübeck: Betrugsprozess gegen falsche Polizisten“

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