Familienversicherung: 2,5% Zuschlag ab 2028 fĂŒr 2,46 Millionen
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 12:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de
FĂŒr sie und fĂŒr Ehepaare ohne individuelle VertrĂ€ge drohen erhebliche finanzielle und rechtliche Fallstricke. Das zeigen aktuelle FachbeitrĂ€ge von Notaren und Finanzexperten. Unverheiratete Partner bleiben ohne gezielte Vorsorge in zentralen Lebensbereichen oft ungeschĂŒtzt â wĂ€hrend das Gesetz fĂŒr Eheleute bestimmte Standards vorgibt.
Kein Erbe, keine Vertretung: Die rechtlichen LĂŒcken
Ohne formale Absicherung durch VertrÀge oder Vollmachten haben Partner in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft keinen gesetzlichen Anspruch auf Erbe oder gegenseitige Vertretung in medizinischen NotfÀllen. Auch der Schutz des Wohnraums ist nicht automatisch gegeben. Juristen betonen: Stirbt ein Partner, gibt es kein gesetzliches Erbrecht.
Besonders deutlich werden die Unterschiede im Steuerrecht. Unverheirateten Partnern steht in Steuerklasse III lediglich ein Freibetrag von 20.000 Euro bei Erbschaften oder Schenkungen zu. Ehegatten können dagegen 500.000 Euro geltend machen. Um diese Nachteile auszugleichen, empfehlen Experten ErbvertrĂ€ge, Wohnrechte oder NieĂbrauchregelungen. Vorsorgevollmachten und PatientenverfĂŒgungen seien zudem unerlĂ€sslich, um im Krisenfall handlungsfĂ€hig zu bleiben.
Familienversicherung wird teurer: Neuregelung ab 2028
Eine weitreichende Ănderung betrifft die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht vor, dass ab 2028 fĂŒr mitversicherte Ehe- und Lebenspartner ein Beitragszuschlag von 2,5 Prozent des Einkommens des Hauptversicherten erhoben wird. SchĂ€tzungsweise 2,46 Millionen Haushalte sind betroffen.
Ein Beispiel: Wer ĂŒber ein Monatseinkommen von 3.500 Euro verfĂŒgt, zahlt kĂŒnftig 87,50 Euro extra fĂŒr den Partner. Es gibt jedoch Ausnahmen. Mitversicherte Kinder bis zum 12. Lebensjahr bleiben beitragsfrei. Auch Personen, die Angehörige ab Pflegegrad 3 fĂŒr mindestens zehn Stunden pro Woche pflegen, sind befreit. EmpfĂ€nger von Regelaltersrente, Grundsicherung oder Personen mit voller Erwerbsminderung zahlen ebenfalls keinen Zuschlag.
Wer ab 2028 den 2,5-Prozent-Zuschlag fĂŒr den mitversicherten Partner vermeiden will, findet im Report die wichtigsten Ausnahmen und Gestaltungsmöglichkeiten â von Pflegegrad-Befreiung bis zur optimalen Vertragsgestaltung. Kostenlosen Report anfordern
Die Bundesregierung erwartet durch diese MaĂnahme eine deutliche finanzielle Entlastung der Krankenkassen â von 16,3 Milliarden Euro im Jahr 2027 auf bis zu 38,1 Milliarden Euro im Jahr 2030.
EhevertrÀge und Nachfolgeplanung: Wer nicht regelt, zahlt
Auch fĂŒr verheiratete Paare können gesetzliche Standardregelungen unzureichend sein. Besonders fĂŒr Unternehmer, Immobilienbesitzer oder Familien mit Kindern drohen ohne individuelle Vereinbarungen hohe Kosten. Experten des FPSB Deutschland raten, die Erbfolge bewusst zu bestimmen und Schenkungen bereits zu Lebzeiten zu nutzen. FreibetrĂ€ge können dabei alle zehn Jahre erneut ausgeschöpft werden.
Ein Instrument zur Reduzierung der Erbschaftsteuer ist die sogenannte Familienheimschaukel. Zudem empfehlen Fachleute die FĂŒhrung eines Notfallordners und die rechtzeitige Erteilung von Vorsorgevollmachten. Der Verzicht auf einen Ehevertrag könne vor allem bei komplexen VermögensverhĂ€ltnissen teuer werden â die gesetzlichen Standards werden den spezifischen Anforderungen des Einzelfalls oft nicht gerecht.
Unverheiratete Partner ohne Vorsorgevollmacht und Erbvertrag riskieren im Ernstfall den Verlust von Wohnrecht und Vermögen â der Report zeigt, wie Sie mit wenigen Schritten rechtlich absichern, was Ihnen wichtig ist. Jetzt Vorsorge-Check sichern
Digitales Tool zeigt finanzielle Folgen: Der âLohn-O-Matâ
Um die finanziellen Konsequenzen von Lebensentscheidungen transparenter zu machen, wurde im Juni 2026 das digitale Serviceportal âLebenskarteâ erweitert. Das vom Bundesfamilienministerium vorgestellte Portal enthĂ€lt als KernstĂŒck den âLohn-O-Matâ. Entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer FIT, berechnet das Tool die Auswirkungen von Arbeitszeitmodellen, Steuerklassenwechseln oder Jobwechseln auf das aktuelle Einkommen und die kĂŒnftige Rente. Ziel ist es, die finanzielle EigenstĂ€ndigkeit ĂŒber den gesamten Lebensverlauf hinweg zu fördern und die langfristigen Konsequenzen privater und beruflicher Entscheidungen sichtbar zu machen.
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