FCA-Kartellverfahren: Untersuchung gegen PayPal, Visa, Mastercard
10.06.2026 - 07:33:09 | boerse-global.de
Die britische Finanzaufsicht FCA hat am Dienstag eine Untersuchung gegen die Zahlungsriesen PayPal, Visa und Mastercard eingeleitet. Im Zentrum steht der Verdacht auf wettbewerbswidriges Verhalten im Zusammenhang mit PayPals digitalen Geldbörsen-Diensten.
Die Behörde prüft, ob die Unternehmen ihre Marktmacht missbrauchen, um Konkurrenten auszubremsen. Hintergrund sind wachsende Sorgen über die Dominanz etablierter Zahlungsnetzwerke. Branchendaten zufolge wickeln Visa und Mastercard derzeit mehr als 90 Prozent aller Kartenzahlungen im Vereinigten Königreich ab. Experten warnen, dass die enormen Netzwerkeffekte für Neueinsteiger nahezu unüberwindbare Hürden darstellen.
Schärfere Gangart gegen Finanzkriminalität
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Neben dem Kartellverfahren hat die FCA am Montag drastische Maßnahmen gegen den E-Geld-Anbieter Euro Exchange Securities UK (EES) ergriffen. Die Behörde ordnete die sofortige Einstellung aller regulierten E-Geld- und Zahlungsdienste an. Grund sind schwerwiegende Mängel bei der Bekämpfung von Finanzkriminalität und ein mögliches Risiko der Geldwäsche.
Das Gericht bestellte daraufhin Interim-Manager von Teneo. Eine formelle Anhörung ist für diesen Donnerstag angesetzt. Die FCA beantragte zudem die Anerkennung des Verfahrens in den USA.
Ebenfalls am Montag leitete die Aufsicht Zivilverfahren gegen den Starinvestor Neil Woodford und die in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Firma W4.0 ein. Der Vorwurf: Die Beklagten sollen über eine bestimmte digitale Plattform regulierte Anlageberatung und Finanzwerbung ohne die erforderlichen Genehmigungen angeboten haben.
Open Banking als Trumpfkarte
Die Wettbewerbsuntersuchung fällt in eine Zeit rasanten Wachstums für Open Banking in Großbritannien. Der Sektor verzeichnete 2025 einen Anstieg um 57 Prozent auf 351 Millionen Transaktionen. Bis März 2025 stieg die Zahl der aktiven Nutzer auf 13,3 Millionen.
Britische Finanzinstitute arbeiten unter dem Dach der UK Payments Initiative (UKPI) an einer nationalen Alternative zu den etablierten Kartennetzwerken. Ziel ist es, die Open-Banking-Infrastruktur zu nutzen, um Visa und Mastercard Paroli zu bieten.
Die FCA ringt zudem um mehr Transparenz an den Finanzmärkten – und stößt dabei auf Widerstand. Julia Hoggett, Chefin der Londoner Börse, lehnte am Montag die Pläne der Behörde für ein vorab veröffentlichtes konsolidiertes Kursband ab. Während die FCA mehr Transparenz für Marktteilnehmer verspricht, befürchtet die Börsenführung negative Auswirkungen auf die Marktintegrität und fordert ein Eingreifen der Regierung.
Wichtige Fristen und Reformen
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Die Behörde treibt mehrere Vorhaben parallel voran:
- Künstliche Intelligenz: Die FCA führt eine Umfrage zur sogenannten „AI Input Zone" durch. Ziel ist es, bestehende Regelungen wie die „Consumer Duty" auf neue Technologien anzuwenden. Rückmeldungen aus der Branche werden bis zum 19. Juni erwartet.
- Versicherungsmarkt: Eine Untersuchung des Oberhauses zum Versicherungssektor nimmt noch bis zum 26. Juni Stellungnahmen entgegen.
- Vermögensverwaltung: Die FCA meldet Fortschritte bei den Sanktionskontrollen – rund 37 Milliarden Pfund an Vermögenswerten sind derzeit eingefroren. Dennoch bestehen weiterhin erhebliche Schwächen bei den Sorgfaltspflichten.
- Eigenkapitalanforderungen: Reformen der PRA-Säule-2A-Vorschriften, die firmenspezifische Kapitalstandards betreffen, treten am 1. Januar 2027 in Kraft.
Die Ergebnisse der unabhängigen Mills-Review zum Einsatz Künstlicher Intelligenz in Finanzdienstleistungen werden für den Spätsommer 2026 erwartet.
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