Fernsteuerung über 7.800 km: Panzer von Tokio aus gesteuert
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 11:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Integration unbemannter Systeme in bestehende militärische Strukturen erreicht eine neue Phase der Erprobung. Im Rahmen der Übung Pegasus Charge 3 hat die 1. Kavalleriedivision der US Army den Einsatz des Schützenpanzers Bradley als Führungssystem für einen Drohnenschwarm untersucht.
Bei den Tests fungierte das gepanzerte Fahrzeug als sogenanntes Mutterfahrzeug für einen Schwarm von fünf FireAnt-UGVs (Unmanned Ground Vehicles), um die Koordination zwischen bemannten und unbemannten Einheiten im Feld zu evaluieren.
Fortschritte bei der passiven Drohnenerkennung
Parallel zu den Schwarmtests wurden weitere unbemannte Kapazitäten bei der Übung Project Convergence-Capstone 6 erprobt. L3Harris und ARX Robotics demonstrierten dabei das System CORVUS-RAVEN auf einem GEREON-UGV. Diese Konfiguration dient der passiven Drohnenerkennung in vordersten Linien, ohne das Personal in den unmittelbaren Gefahrenbereich bringen zu müssen.
Die Ende Juli durchgeführten Tests zeigten laut Beteiligten eine erweiterte Erfassungskapazität für unbemannte Flugsysteme (C-UAS). Durch die Montage der passiven Sensorik auf dem autonomen GEREON-Fahrzeug können potenzielle Bedrohungen identifiziert werden, während die Signatur der eigenen Truppen minimiert bleibt.
Zunahme von UGV-Einsätzen im internationalen Vergleich
Die praktische Relevanz unbemannter Bodensysteme wird durch aktuelle Daten aus Konfliktgebieten unterstrichen. In der Ukraine werden derzeit UGVs getestet, die mit Zwillingslafetten für Kalaschnikow-Sturmgewehre ausgestattet sind. Diese Systeme wurden über den Brave1-Cluster entwickelt, wobei der Zeitraum von der ersten Idee bis zum einsatzfähigen Prototyp weniger als sechs Monate betrug.
Statistiken belegen eine massive Skalierung dieser Technologie: Seit Beginn des Jahres 2026 wurden über 100.000 Missionen mit unbemannten Bodensystemen verzeichnet. Allein im Juli wurden 19.969 Einsätze registriert, während im August bis zum 20. des Monats bereits 15.729 Missionen durchgeführt wurden.
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Auch die südkoreanische Armee reagiert auf diesen Trend und hat eine taktische Einheit gestartet, um Techniken wie bemannt-unbemannte Teambildung (MUM-T), Schwarmflüge und den Einsatz von Roboterhunden zu demonstrieren.
Autonome Logistik und Fernsteuerung über Kontinente
Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Erprobungen liegt auf der Überwindung geografischer Distanzen und der Automatisierung von Logistikprozessen. Das Unternehmen Patria demonstrierte die Leistungsfähigkeit moderner Datenverbindungen, indem ein AMV-Fahrzeug (Armoured Modular Vehicle) von Tokio aus über eine Distanz von 7.800 Kilometern ferngesteuert wurde. Die Steuerung erfolgte am 25. und 26. August unter Nutzung von Drive-by-Wire-Technologie, 5G-Netzen und Satellitendaten.
Gleichzeitig schloss die 20. Engineer Brigade des XVIII Airborne Corps der US Army eine zweiwöchige Live-Feuer-Übung in Fort Bragg ab. Im Zentrum stand der sogenannte Breach-Truck des Projekts Sandhills 2.0, ein autonomes Fahrzeug zur Hindernisüberwindung. Nach den Tests, die vom 17. bis zum 28. August stattfanden, ist eine Verlegung des Systems nach Fort Irwin für den Oktober geplant.
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Entwicklungen in der humanoiden Robotik und Forschung
Neben militärischen Anwendungen verzeichnet auch die akademische Forschung Fortschritte bei komplexen Bewegungsabläufen. Das RAI Institute und Boston Dynamics präsentierten mit ZEST ein Framework zur Bewegungsimitation. Damit wurden die humanoiden Roboter G1 und Atlas sowie der vierbeinige Roboter Spot trainiert, dynamische Bewegungen aus Simulationen direkt in die physische Anwendung zu übertragen.
In der universitären Ausbildung setzt die Georgia Southern University einen neuen humanoiden Roboter ein, der in einem multidisziplinären Labor für Forschung in den Bereichen Informatik und Maschinenbau genutzt wird.
Auch im sportlichen Wettbewerb zeigen sich technologische Reifegrade: Das Team B-Human, eine Kooperation der Universität Bremen und des DFKI, sicherte sich bei den World Humanoid Robot Games in Peking zwischen dem 22. und 26. August zwei Titel in der Humanoid Soccer League. Im Finale besiegten die Roboter das Team der HTWK Leipzig deutlich mit 9-0 beziehungsweise 13-3.
Zusätzlich treiben Unternehmen die Standardisierung voran. Eurobotics und Robotis unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Weiterentwicklung bipedaler Technologien, bei der Mobilitätskits in neue humanoide Plattformen integriert werden sollen, um die industrielle Anwendung vorzubereiten.
