Fettleber: 69 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkt
Veröffentlicht: 04.06.2026 um 12:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Moderne Ultraschallsysteme mit KI-Unterstützung und neue Risikobewertungen könnten helfen, die oft symptomlosen Leiden rechtzeitig zu entdecken.
Wenn die Augen warnen
Mediziner weisen auf äußere Anzeichen hin, die auf eine fortgeschrittene Lebererkrankung deuten können. Dazu zählen eine Gelbfärbung des Augenweiß durch erhöhtes Bilirubin, chronisch trockene oder gereizte Augen sowie anhaltende dunkle Augenringe. Auch verschwommenes Sehen könne ein Indikator sein. Allerdings treten diese Symptome laut Berichten im Journal of Translational Medicine meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf.
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Präzisere Bildgebung durch KI
Der Hersteller Mindray hat eine neue Serie von Ultraschallsystemen vorgestellt. Sie kombinieren eine quantitative Steifigkeitsmessung der Leber – die sogenannte visualisierte transiente Elastographie – mit hochauflösendem Ultraschall. KI-gestützte Erfassungsprozesse sollen die Diagnosegenauigkeit erhöhen. Besonders Risikogruppen mit Diabetes oder Übergewicht wird eine regelmäßige Vorsorge empfohlen.
Der BMI als unzureichender Maßstab
Der klassische Body-Mass-Index liefert oft ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Gesundheitsgefährdung. Studien der Keck Medicine of USC zeigen: Viele Menschen mit normalem oder leicht erhöhtem BMI gelten laut klinischer Definition als fettleibig. Der Grund: Der BMI berücksichtigt weder die Körperfettverteilung noch die Muskelmasse.
Ein neuer Risikoscore namens OBSCORE soll hier Abhilfe schaffen. Entwickelt von der Queen Mary University of London und der BIH Charité, basiert er auf 20 Gesundheitswerten – darunter Blutzucker, Cholesterin, Entzündungsmarker sowie Leber- und Nierenwerte. Eine Untersuchung an fast 200.000 Teilnehmern der UK-Biobank zeigt: Personen in der höchsten Risikogruppe haben ein 42-fach erhöhtes Diabetesrisiko und ein 89-fach erhöhtes Risiko für Nierenerkrankungen – selbst bei einem BMI zwischen 27 und 30.
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Wenn die Leber das Herz gefährdet
Die Bedeutung der Lebergesundheit reicht weit über das Organ hinaus. Eine multizentrische Studie aus Mai 2026 in Clinical Gastroenterology and Hepatology belegt einen direkten Zusammenhang zwischen einer Fettleber und schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen. Patienten mit einer Fettleber wiesen 24 Prozent mehr weiche Plaques in den Koronararterien auf – diese instabilen Ablagerungen gelten als besonders gefährlich für Herzinfarkte. Nach Bereinigung anderer Faktoren ergab sich ein um 69 Prozent höheres Risiko für schwere kardiovaskuläre Zwischenfälle.
Neue Hoffnung bei Hepatitis B
Große Fortschritte gibt es bei der Behandlung von chronischer Hepatitis B. Eine Phase-3-Studie im New England Journal of Medicine untersuchte eine Kombinationstherapie mit dem Wirkstoff Bepirovirsen. Bei rund 20 Prozent der Probanden wurde erstmals eine funktionelle Heilung erzielt. In der Kontrollgruppe mit Standardtherapie gab es keine Heilungserfolge. Weltweit sind etwa 240 Millionen Menschen chronisch mit Hepatitis B infiziert.
Von Altbewährt bis Hightech
Auch bestehende Wirkstoffe werden auf neue Einsatzgebiete geprüft. Niclosamid, ursprünglich ein Parasitenmittel, zeigt Potenziale bei Stoffwechselstörungen. Es entkoppelt die mitochondriale Atmungskette und könnte den Energieverbrauch bei Fettleibigkeit und NAFLD modulieren sowie die Nierenfunktion bei Diabetikern schützen.
Programme zur Gewichtsreduktion kombinieren zunehmend technologische und medikamentöse Ansätze. Im Frühjahr 2026 startete ein Programm mit einer schluckbaren Smart-Capsule – Patienten erzielten in den ersten Wochen signifikante Gewichtsverluste. GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid werden über die reine Gewichtsabnahme hinaus untersucht: Retrospektive Daten deuten darauf hin, dass sie langfristig das Risiko für Kniegelenkersatz senken können.
Prävention im Fokus
Im Juni 2026 finden zahlreiche Veranstaltungen zur Aufklärung über Leber- und Stoffwechselgesundheit statt. Experten informieren in Heppenheim über moderne Ansätze zur Gewichtsreduktion. Kliniken in Stollberg und Neuwied bieten Fachvorträge zu Gallensteinleiden und Reflux-Therapien an. In Wien startet Mitte Juni eine Gesundheitswoche mit kostenlosen Screenings und einem Schwerpunkt auf Frauengesundheit.
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