Fettleber: Jeder vierte Erwachsene in Deutschland ist betroffen
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deFettlebererkrankungen entwickeln sich in vielen Fällen schleichend und ohne spürbare Warnsignale. Medizinische Experten weisen darauf hin, dass eine frühzeitige Diagnose von zentraler Bedeutung ist, da die sogenannte metabolische Fettlebererkrankung (MASLD) keineswegs nur auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückgeht, sondern zunehmend durch Stoffwechselfaktoren bedingt wird. Da das Organ über Jahre hinweg ohne Schmerzen geschädigt werden kann, bleiben die Veränderungen häufig lange Zeit unentdeckt.
Verbreitung und metabolische Risikofaktoren
Die Erkrankung verläuft oft jahrezehntelang symptomlos; erste spürbare Anzeichen zeigen sich meist erst dann, wenn bereits funktionelle Beeinträchtigungen vorliegen. Entgegen verbreiteter Annahmen ist heute vor allem eine metabolische Überlastung der Haupttreiber. Faktoren wie Übergewicht, Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes und Bewegungsmangel tragen maßgeblich zur Entstehung bei.
Demnach ist in Deutschland etwa jeder vierte Erwachsene von einer metabolischen Fettleber betroffen, die primär durch mangelnde Bewegung sowie eine dauerhaft zu hohe Energiezufuhr bei Übergewicht, Diabetes, erhöhten Blutfettwerten oder Bluthochdruck entsteht.
Weltweit betrifft MASLD bis zu 1 von 3 Erwachsenen und reicht bei Personen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes auf bis zu 7 von 10 Betroffene heran. Für Dänemark schätzte Oberärztin Lise Lotte Gluud vom Hvidovre Hospital, dass fast 30% der erwachsenen Bevölkerung von MASLD betroffen seien.
In Italien sind schätzungsweise rund 2 Mio. Menschen ohne ihr Wissen betroffen. Nach Angaben von Riccardo Bonadonna, designierter Präsident der Italienischen Diabetes-Gesellschaft (SID), können MASLD oder deren entzündliche Form MASH bis zu 70% der Menschen mit Diabetes mellitus betreffen.
Auch jüngere Altersgruppen sind zunehmend involviert: Laut der Deutschen Leberstiftung entwickelt mehr als jedes dritte Kind mit Adipositas eine MASLD. Diese Form verläuft häufig lange unberührt und kann bereits im Kindesalter zur entzündlichen Form MASH fortschreiten sowie das Risiko für eine spätere Leberzirrhose deutlich erhöhen.
Diagnose und das Erkennen stiller Verläufe
Da die Erkrankung auch bei Normalgewicht auftreten kann, gestaltet sich die Früherkennung komplex. Normale Werte der Leberenzyme ALT und AST schließen eine bereits bestehende Fibrose nicht grundsätzlich aus. Neben einer meist völlig beschwerdefreien Phase berichtet Gluud über mögliche unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder eine verminderte Libido.
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Risikogruppen mit Adipositas, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhtem Cholesterinspiegel wird geraten, das Thema beim Hausarzt anzusprechen. Ein einfacher Bluttest allein reicht zur sicheren Abklärung zwar nicht immer aus, jedoch zeigte sich ein einfacher Gamma-GT-Bluttest als Erstlinientest wirksamer als der FIB-4-Index.
Wird der Verlauf nicht rechtzeitig gestoppt, kann die fortschreitende Veränderung von einer isolierten Steatose über eine entzündliche MASH und Fibrose bis hin zu einer Zirrhose oder einem Leberzellkarzinom führen.
Zudem steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zwar entwickelt laut Fachleuten die Mehrheit der Betroffenen keine schwere Verlaufsform, doch bei fortgeschrittener Fibrose oder Zirrhose existiert keine sichere Alkoholdosis mehr.
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Bewegung und Gewichtsreduktion als zentrale Maßnahmen
In frühen Stadien sind die Gewebeveränderungen bei rechtzeitigem Handeln oft umkehrbar. Fachgesellschaften wie die EASL, EASD und EASO empfehlen zur Behandlung der MASLD ein Bewegungspensum von mindestens 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver körperlicher Aktivität pro Woche.
Darüber hinaus zeigen populationsbezogene Daten deutliche Effekte einer Gewichtsreduktion: Ein Gewichtsverlust von rund 5% senkt demnach die Steatose, während 7–10% eine Besserung der Entzündung bewirken können.
Eine Abnahme von mehr als 10% kann sogar zur Besserung einer bestehenden Fibrose beitragen. Auch Lise Lotte Gluud verweist darauf, dass eine Reduktion des Körpergewichts um 5–10% das in der Leber eingelagerte Fett bei übergewichtigen Personen maßgeblich verringern kann.
