Fibromyalgie und Herzkranzgefäße: Odds Ratio von 26,38 bei schwerer KHK
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine Ende August 2026 im Fachjournal Advances in Rheumatology veröffentlichte Querschnittsstudie liefert neue Einblicke in den potenziellen Zusammenhang zwischen chronischen Schmerzsyndromen und komplexen Gefäßerkrankungen.
Die Untersuchung widmet sich der Frage, in welchem Maße das Vorliegen einer Fibromyalgie mit dem Schweregrad von Verengungen der Herzkranzgefäße korreliert. Im Zentrum steht dabei die Erfassung der Gefäßarchitektur bei Patienten, die sich einer invasiven Diagnostik unterziehen mussten.
Studienergebnisse und Einteilung nach dem SYNTAX-Score
Für die wissenschaftliche Erhebung wurden 347 Koronarangiografie-Patienten eines Krankenhauses im Iran untersucht. Innerhalb dieser Kohorte erfüllten 59 Patienten, was einem Anteil von 17,0 Prozent entspricht, die diagnostischen Kriterien für eine Fibromyalgie.
Um das Ausmaß der koronaren Herzkrankheit differenziert zu erfassen, teilten die Studienautoren die gesamte Studienkohorte in drei Gruppen ein. Gruppe A umfasste 130 Patienten ohne Stenose, während Gruppe B aus 152 Patienten mit obstruktiver KHK und einem SYNTAX-Score von höchstens 22 bestand. Gruppe C setzte sich aus 65 Patienten mit schwerer KHK zusammen, deren SYNTAX-Score bei über 22 lag.
Nach Definition der Studienautoren kennzeichnet ein SYNTAX-Score von mehr als 22 eine mittlere bis hohe Komplexität der Koronarveränderungen, wobei Werte von 23 bis 32 als mittel und Werte ab 33 als hoch eingestuft werden.
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Der Vergleich zwischen Patienten mit einem SYNTAX-Score von über 22 und solchen mit unauffälliger Angiografie ergab eine bereinigte Odds Ratio von 26,38 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 7,41 bis 93,90 und einem Signifikanzwert von p<0,001. Diese statistische Modellierung berücksichtigte als Störfaktoren das Alter, das Geschlecht, Diabetes, die körperliche Aktivität sowie Werte von LDL-Cholesterin und Vitamin D.
Methodische Grenzen und statistische Einordnung
Die Studienautoren heben hervor, dass eine errechnete Odds Ratio keineswegs mit einem individuellen Herzinfarktrisiko gleichzusetzen ist. Aufgrund des Querschnittsdesigns der Erhebung lasse sich kein Kausalitätsnachweis für einen ursächlichen Einfluss der Fibromyalgie auf die Gefäßverkalkung führen.
Zudem erklärt sich das auffallend breite Konfidenzintervall durch die relativ geringe Fallzahl innerhalb der Untergruppe mit schweren Gefäßveränderungen.
Ebenso sei zu berücksichtigen, dass ausschließlich eine vorselektierte Hochrisikopopulation von Patienten untersucht wurde, bei denen bereits eine klinische Indikation für eine Koronarangiografie vorlag. Eine allgemeine Prognose für den weiteren Krankheitsverlauf oder eine direkte Übertragbarkeit auf die Gesamtbevölkerung lasse sich aus den Daten folglich nicht ableiten.
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Vergleich mit früheren epidemiologischen Studien
Die aktuellen Daten ergänzen vorangegangene wissenschaftliche Beobachtungen zu kardiovaskulären Begleiterkrankungen bei Fibromyalgie. So ergab eine frühere Studie aus Israel aus dem Jahr 2024 anhand eines Vergleichs von 18.598 Fibromyalgie-Patienten mit 36.985 Kontrollpersonen ohne diese Erkrankung ein erhöhtes Auftreten ischämischer Herzkrankheiten.
In jener Erhebung lag der Anteil betroffener Patienten bei 9,2 Prozent gegenüber 6,2 Prozent in der Vergleichsgruppe, was einer Odds Ratio von 1,43 entsprach.
Bereits im Jahr 2015 wies zudem eine taiwanesische Kohortenstudie auf kardiovaskuläre Zusammenhänge hin und ermittelte eine Hazard Ratio von 2,11 für kardiovaskuläre Ereignisse bei Personen mit diagnostizierter Fibromyalgie. Die aktuellen Befunde untermauern die Notwendigkeit weiterer Längsschnittstudien, um die zugrunde liegenden Mechanismen zwischen chronischer Schmerzsymptomatik und Gefäßgesundheit systematisch aufzuklären.
