Finanzaufsicht, Amazon

Finanzaufsicht: Amazon, Google, Microsoft, Oracle unter Kontrolle

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 14:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Vier US-Tech-Riesen unterstehen ab sofort der direkten Aufsicht durch die Bank of England, um Systemrisiken im Finanzsektor zu minimieren.

Britische Finanzaufsicht: Amazon, Google, Microsoft & Oracle unter Kontrolle
Digitale Datenströme, die auf die Londoner Skyline und die Bank of England zusteuern, symbolisieren die Regulierung von Tech-Giganten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ab heute unterliegen Amazon, Google, Microsoft und Oracle neuen Regeln, die die Stabilität des nationalen Finanzsystems sichern sollen.

Das Finanzministerium in London stufte die Konzerne als „kritische Drittanbieter" (CTP) ein. Damit unterstehen ihre Dienstleistungen für Banken und Finanzinstitute nun der gemeinsamen Kontrolle von Bank of England (BoE), Prudential Regulation Authority (PRA) und Financial Conduct Authority (FCA).

Betroffen sind die europäischen Ableger der US-Konzerne: Microsoft Ireland Operations, Google Cloud EMEA, AWS EMEA sowie Oracle UK. Der Schritt aktiviert einen Regulierungsrahmen vollständig, der bereits am 1. Januar 2025 in Kraft trat. Ziel ist es, Risiken einzudämmen, die aus der massiven Abhängigkeit des Finanzsektors von wenigen Technologieanbietern entstehen.

Direkte Kontrolle und Belastbarkeitstests

Mit der neuen Einstufung erhalten die Aufsichtsbehörden weitreichende Befugnisse. Die Tech-Konzerne müssen künftig Belastbarkeitstests und Stresstests durchlaufen, um ihre Widerstandsfähigkeit gegen Störungen nachzuweisen. Regelmäßige Selbstbewertungen und eine verpflichtende Meldepflicht für Vorfälle kommen hinzu – jeder technische Ausfall oder Sicherheitsvorfall mit Folgen für Finanzdienstleistungen muss sofort gemeldet werden.

Sechs Grundregeln bestimmen das neue Regime: Die Unternehmen müssen höchste Standards in Integrität, Fachkompetenz und Umsicht einhalten, gepaart mit robusten Risikomanagement- und Organisationsstrukturen. Zudem sind sie zur vollständigen Kooperation mit den britischen Behörden verpflichtet und müssen direkten Zugang zu Informationen gewähren, die bisher durch Drittanbieterverträge geschützt waren.

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Systemrisiko Cloud-Konzentration

Die Maßnahme reagiert auf wachsende Sorgen vor dem Klumpenrisiko in der Cloud. Die britischen Behörden haben erkannt: Ein Ausfall bei einem einzigen großen Cloud-Anbieter könnte das gesamte Finanzsystem lahmlegen. Durch die direkte Aufsicht wollen BoE und FCA systemische Risiken managen, die einzelne Finanzinstitute nicht allein bewältigen können.

Die Dringlichkeit unterstreichen aktuelle Daten: Auf den Finanzsektor entfallen rund 28 Prozent aller Cyberangriffe in Großbritannien. Zwar bleiben die Finanzinstitute selbst für ihr Drittanbieter-Risikomanagement verantwortlich. Doch das CTP-Regime schafft eine zweite Schutzschicht, indem es die Infrastruktur, auf die sie angewiesen sind, einer strengen öffentlichen Kontrolle unterwirft.

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Britischer Sonderweg im Vergleich zur EU

Großbritannien schlägt mit diesem Schritt einen fokussierteren Kurs ein als die Europäische Union. Während das britische Finanzministerium zunächst vier Anbieter unter Aufsicht stellt, hat die EU unter ihrem Digital Operational Resilience Act (DORA) bereits 19 kritische Drittanbieter designiert.

Die britischen Regulierer betonen, dass ihr Fokus ausschließlich auf systemisch relevanten Dienstleistungen liegt. Diese gezielte Überwachung soll die Balance halten zwischen finanzieller Stabilität und der weiteren Nutzung moderner Technologien. Der Schritt folgt auf eine phase verschärfter Regulierung: Allein 2025 gab die FCA 2.329 Warnungen heraus, um Technologierisiken und Finanzkriminalität in der gesamten Branche einzudämmen.

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