Finerenon bei HerzschwÀche: Zulassung reicht bis zu einer eGFR von 25
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie medikamentöse Behandlung der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion erfĂ€hrt durch aktuelle kardiologische Leitlinien und klinische Daten eine Neubewertung. Das American College of Cardiology stuft Finerenon in einer aktualisierten Leitlinie als bevorzugten Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten fĂŒr diese Patientengruppe ein.
Bei der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion, im Englischen als HFpEF bezeichnet, handelt es sich um die am weitesten verbreitete Form der HerzschwÀche in den Vereinigten Staaten.
Differenzierte Nierengrenzwerte und klinische Datenlage
Ein wesentlicher Aspekt fĂŒr die verĂ€nderte Bewertung liegt im therapeutischen Anwendungsbereich bezĂŒglich der Nierenfunktion. Nach Angaben des American College of Cardiology besitzt Finerenon eine Zulassung bis zu einer geschĂ€tzten glomerulĂ€ren Filtrationsrate von 25, wĂ€hrend Spironolacton lediglich bis zu einem Wert von 30 zugelassen ist.
Der Klinikpharmazeut Dan Landup von der Advocate Medical Group in Chicago bezeichnet Finerenon, vertrieben unter dem Handelsnamen Kerendia von Bayer, als Erstlinien-Option bei HFpEF. Die Standardtherapie bei diesem PhÀnotyp bestehe aus der Kombination eines SGLT2-Inhibitors mit einem nichtsteroidalen MRA.
Den Nutzen des Wirkstoffs belege die Studie FINEARTS-HF (NCT04435626), wobei Finerenon zudem ein gĂŒnstigeres Nebenwirkungsprofil aufweise als das von Pfizer vertriebene Spironolacton-PrĂ€parat Aldactone. Die Evidenz zu Spironolacton aus den Untersuchungen TOPCAT (NCT00094302) und SPIRIT-HF (NCT04727073) sei hingegen mit Vorsicht zu interpretieren.
Die randomisierte und doppelblinde FINEARTS-HF-Studie untersuchte den Einsatz von Finerenon bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion an 6001 Patienten an 654 Zentren in 37 LĂ€ndern ĂŒber einen Zeitraum von 32 Monaten beziehungsweise fast drei Jahren. Das lettische Gesundheitssystem beteiligte sich daran mit 7 Zentren und 66 Patienten, was etwa einem Prozent der gesamten Studienpopulation entsprach.
Die aktualisierten ESC-Empfehlungen ordnen die HFpEF-Therapie neu: Finerenon gilt nun als bevorzugter Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist, doch die Nierengrenzwerte unterscheiden sich je Wirkstoff. Der kostenlose Praxisleitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie die Erstlinienwahl im Praxisalltag treffen. Praxisleitfaden HFpEF jetzt anfordern
Als Studienergebnis zeigte sich, dass die Therapie das Progressionsrisiko verringert und zu weniger Atemnot, weniger Ădemen sowie einer reduzierten Zahl von Hospitalisierungen fĂŒhrt. In Lettland selbst ist der Wirkstoff bei Herzinsuffizienz bisher nicht staatlich erstattet, steht aber fĂŒr Diabetes- und Nierengruppen zur VerfĂŒgung; eine Entscheidung dazu ist fĂŒr den nĂ€chsten Jahreshaushalt vorgesehen.
Regulatorische Entwicklung und europÀische Leitlinien
Auf europĂ€ischer Ebene ist Finerenon bereits seit MĂ€rz 2026 fĂŒr die symptomatische chronische Herzinsuffizienz bei einer linksventrikulĂ€ren Ejektionsfraktion von mindestens 40 Prozent zugelassen. Auf dem Kongress der EuropĂ€ischen Gesellschaft fĂŒr Kardiologie Ende August 2026 wurden zudem umfassende Leitlinienanpassungen vorgestellt.
In den aktualisierten ESC-Leitlinien entfĂ€llt die bisherige Kategorie HFmrEF (FEVG 41â49 Prozent) und wird in den Bereich HFrEF (FEVG unter 50 Prozent) integriert. Damit verbleiben zwei HauptphĂ€notypen: HFrEF und HFpEF, wobei letztere rund 50 Prozent der FĂ€lle ausmacht. ErgĂ€nzt wurde die Neuerung durch eine vierstufige Stadien-Klassifikation von A bis D.
Als Basistherapie der HFpEF definierte die europÀische Fachgesellschaft die Gabe eines SGLT2-Inhibitors in Verbindung mit einem Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten wie Spironolacton, Eplerenon oder Finerenon. Zudem wurden GLP-1-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid bei einer Ejektionsfraktion von mindestens 45 Prozent und einem Body-Mass-Index ab 30 Kilogramm pro Quadratmeter aufgenommen.
Bei eingeschrĂ€nkter Nierenfunktion entscheidet der eGFR-Wert, welcher Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist infrage kommt â Finerenon ist bis 25 zugelassen, Spironolacton bis 30. Der Leitfaden liefert die Grenzwerte im direkten Vergleich und eine Screening-Checkliste fĂŒr Herz-Nieren-Patienten. eGFR-Vergleich und Checkliste sichern
FĂŒr Digitalis wurde nach den Daten von DIGIT-HF eine Indikation bei HFrEF mit einer Ejektionsfraktion von höchstens 40 Prozent vermerkt. Parallel empfiehlt die erste gemeinsame Leitlinie von ESC und ERA zu Herz-Nieren-Erkrankungen vom Ende August 2026 ein systematisches Screening auf chronische Nierenerkrankungen bei allen kardiovaskulĂ€ren Patienten mittels eGFR und Albumin-Kreatinin-VerhĂ€ltnis.
Finerenon wird darin bei chronischer Nierenkrankheit, Typ-2-Diabetes, einer eGFR ab 25 sowie einem Albumin-Kreatinin-VerhÀltnis ab 3 Milligramm pro Millimol empfohlen.
