Fintech-Welle: Payoneer und Airtable für Milliarden übernommen
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Finanztechnologie-Branche erlebt eine historische Konsolidierungswelle. Gleich mehrere milliardenschwere Übernahmen und starke Quartalszahlen deuten auf einen fundamentalen Wandel hin – auch für den europäischen Markt.
Payoneer wechselt in private Hand
Der Zahlungsdienstleister Payoneer hat seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt: Der Umsatz stieg um 5,2 Prozent auf 274,3 Millionen US-Dollar und übertraf damit die Markterwartungen. Zwar verbuchte das Unternehmen einen Verlust von einem Cent pro Aktie nach US-Bilanzstandards, doch das B2B-Geschäft wuchs zweistellig.
Die Übernahme durch den kanadischen Zahlungsabwickler Nuvei nimmt derweil konkrete Formen an. Das Geschäft im Volumen von rund 2,75 Milliarden US-Dollar hat eine wichtige regulatorische Hürde genommen: Die zuständige US-Wettbewerbsbehörde ließ die Wartefrist Ende Juli auslaufen. Der Abschluss wird für Mitte 2027 erwartet, danach verschwindet Payoneer von der Nasdaq.
Software und Versicherungen: Zwei Deals mit Signalwirkung
Auch außerhalb des Zahlungsverkehrs brodelt es. Die italienische App-Schmiede Bending Spoons übernimmt die Kollaborationsplattform Airtable für 1,29 Milliarden US-Dollar in bar. Bemerkenswert: Der Gesamtwert des Unternehmens liegt damit bei 2,25 Milliarden US-Dollar – deutlich unter der Bewertung von 11 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2021. Ein klares Zeichen für die Korrektur im Software-Sektor.
Im Versicherungsbereich zieht die malaysische Maybank die Zügel an: Sie übernimmt den 30,95-Prozent-Anteil des belgischen Versicherers Ageas an der gemeinsamen Tochter Etiqa für rund 1,1 Milliarden Euro. Analysten sehen darin einen strategisch sinnvollen Schritt, der den Gewinn um umgerechnet rund 67 Millionen Euro steigern könnte – auch wenn einige Beobachter den Kaufpreis als ambitioniert bewerten.
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Banken und Hypotheken: Regulatorische Freigaben erteilt
Die spanische Großbank Santander hat grünes Licht der US-Notenbank für die Übernahme der Webster Financial Corporation erhalten. Der Deal, der eine Bank mit mehr als 80 Milliarden US-Dollar Bilanzsumme betrifft, soll am 20. August abgeschlossen werden. Santander verspricht sich davon eine Eigenkapitalrendite von rund 18 Prozent im US-Geschäft bis 2028.
Der Hypothekendienstleister Carrington hat derweil die Übernahme von Valon Mortgage abgeschlossen. Rund 810.000 Darlehen kommen hinzu, das Gesamtportfolio wächst auf fast zwei Millionen. Die Technologieplattform ValonOS soll künftig das Rückgrat der Abwicklung bilden. Parallel prüft Beeline Holdings den Kauf von TYTL Corp, das Blockchain für Bruchteilseigentum an Luxusimmobilien nutzt.
Starke Quartalszahlen befeuern die Konsolidierung
Die Übernahmewelle wird von soliden Geschäftszahlen begleitet. Der Kartenzahlungs-Spezialist Marqeta meldet ein Wachstum der durchschnittlichen Neugeschäfts-Deals von 90 Prozent im Jahresvergleich, das Abwicklungsvolumen erreichte 120 Milliarden US-Dollar. Corpay steigerte den Umsatz um 21 Prozent auf 1,34 Milliarden US-Dollar, Flywire legte um 27,2 Prozent auf 167,7 Millionen US-Dollar zu.
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Die Dynamik dürfte sich fortsetzen: Investmentfirmen haben Goldman Sachs mit der Prüfung eines Verkaufs von Boardroom Ltd beauftragt – mögliche Bewertung: eine Milliarde US-Dollar. Auch im Logistikbereich zeichnet sich ein Deal ab: Flexport verhandelt über die Übernahme des Erfüllungsdienstleisters ShipMonk zu einem Preis zwischen 280 und 340 Millionen US-Dollar.
