Fischöl, Alzheimer

Fischöl gegen Alzheimer: Studie mit 365 Älteren findet keinen Gedächtnisschutz

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine zweijährige Untersuchung fand trotz nachgewiesener DHA-Aufnahme ins Nervensystem keine messbaren Vorteile für Gedächtnis oder Hippocampus.
Eine ältere Person hält eine Fischölkapsel und ein Glas Wasser an einem Küchentisch. Illustration mit AI erstellt.

Fischölpräparate mit Omega-3-Fettsäuren gelten seit Langem als beliebte Nahrungsergänzung zur Unterstützung der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter.

Eine zweijährige, randomisierte Doppelblindstudie der Phase IIa von Keck Medicine of USC an der Universität von Südkalifornien, die im Fachjournal eBioMedicine veröffentlicht wurde, dämpft jedoch die Erwartungen an den präventiven Nutzen von hochdosiertem DHA.

Die zwischen September 2018 und Mai 2024 durchgeführte Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Gabe von Docosahexaensäure (DHA) das Gedächtnis nicht messbar stärkt und keinen Schutz vor Alzheimer bietet.

Nachweisbare Aufnahme ins Nervensystem ohne kognitive Wirkung

An der Untersuchung nahmen 365 Personen im Alter von 55 bis 80 Jahren ohne bestehende Demenz teil, die über eine geringe tägliche DHA-Zufuhr von unter 200 mg/Tag sowie über mindestens einen Risikofaktor für Demenz verfügten.

Der Frauenanteil lag bei 58 Prozent, 47 Prozent der Probanden waren Träger des Risikogens APOE ?4. Die Probanden wurden im Verhältnis 1:1 aufgeteilt und erhielten über 24 Monate entweder täglich 2 g DHA oder ein Placebo. Finanziert wurde das Projekt durch die National Institutes of Health (NIH) und die Alzheimer's Drug Discovery Foundation.

Beim primären Endpunkt, dem DHA/Arachidonsäure-Verhältnis im Nervenwasser (Liquor) nach sechs Monaten, zeigte sich in der DHA-Gruppe ein Anstieg um +0,17 (95% KI 0,15–0,18), während der Wert in der Placebogruppe bei ?0,02 (95% KI ?0,04 bis ?0,0004) lag. Die Differenz belief sich auf 0,19 (95% KI 0,16–0,21; p<0,0001).

Insgesamt stieg der DHA-Wert im Liquor nach sechs Monaten um 17 Prozent, was den Transport des Wirkstoffs über die Blut-Hirn-Schranke ins zentrale Nervensystem belegte. Dieser biochemische Effekt zeigte sich unabhängig vom APOE-?4-Status (Interaktion p=0,71).

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Trotz des belegten Transfers in das Gehirn blieben klinische Effekte aus: Nach 24 Monaten zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bei Kognitions- und Gedächtnistests. Ebenso konnte in bildgebenden Verfahren keine Verhinderung der Schrumpfung des Hippocampus beobachtet werden. Behandlungsbezogene schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.

Methodische Einschränkungen und Einordnung der Forscher

Studienleiter Hussein Naji Yassine erklärte, dass die Ergebnisse den Einsatz von Fischöl-Supplementen zur Alzheimer-Prävention nicht stützen; die Präparate schienen die Hirngesundheit nicht zu schützen.

Gleichzeitig hoben die beteiligten Autoren hervor, dass die Ergebnisse nicht bedeuten, dass Omega-3-Fettsäuren nutzlos seien oder der Verzehr von Fisch keinen Nutzen habe. Die Befunde bezögen sich spezifisch auf hochdosierte DHA-Supplemente in der untersuchten Population.

Zu den Limitationen der Studie zählten ein generell hohes Bildungsniveau der Teilnehmer sowie eine Abbruchquote von 38 Prozent, die überwiegend durch die Rahmenbedingungen der COVID-19-Pandemie bedingt war. Zudem könnte eine Behandlungsdauer von 24 Monaten zu kurz sein, um strukturelle Veränderungen im Gehirn festzustellen. Ein direkter Vergleich mit Ernährungsformen wie der Mittelmeerdiät fand nicht statt.

Bedeutung von Lebensstil und Ernährung

In Berichten zum Thema wird weiterhin hervorgehoben, dass der allgemeine Lebensstil – bestehend aus Bewegung, ausreichendem Schlaf und ausgewogener Ernährung – zentral für die Gesunderhaltung des Gehirns bleibe. So werden etwa zwei Fischmahlzeiten pro Woche empfohlen, darunter eine mit fettreichem Fisch.

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Randomisierte kontrollierte Studien zu Fischöl zeigen insgesamt ein uneinheitliches Bild: Während Dosierungen von 200 bis 1.000 mg DHA pro Tag bei Personen mit bereits bestehenden leichten Gedächtnisbeschwerden vereinzelt kleine Effekte aufwiesen, blieben messbare Wirkungen bei gesunden Erwachsenen meist aus.

Als allgemeine Referenzzufuhr gelten 250 bis 500 mg EPA und DHA pro Tag, was jedoch keine therapeutische d_osis für das Gedächtnis darstellt. Sinnvoll ist eine Ergänzung vor allem bei nachgewiesenem Mangel, in der Schwangerschaft und Stillzeit mit rund 200 mg DHA täglich oder bei medizinisch überwachten Behandlungen erhöhter Triglyceridwerte.

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