Fitness über Schrittzahl: Kraft und Balance senken Sterblichkeitsrisiko um 61%
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 11:31 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen, dass für die langfristige Gesundheit und die Senkung von Sterblichkeitsrisiken nicht allein die tägliche Schrittzahl ausschlaggebend ist.
Faktoren wie muskuläre Kraft, Gleichgewichtssinn und die Herz-Lungen-Fitness rücken verstärkt in den Fokus der Forschung. Verschiedene internationale Studien belegen, dass eine ganzheitliche körperliche Verfassung maßgeblich über die Anzahl der gesund verlebtem Jahre entscheidet.
Zusammenhang zwischen Gesamtfitness und Sterblichkeitsrisiko
Eine im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Untersuchung aus Taiwan analysierte Daten von 13.423 Erwachsenen ab einem Alter von 65 Jahren über einen Zeitraum von rund sieben Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gruppe mit der höchsten Gesamtfitness ein um etwa 61 % niedrigeres Risiko für die Gesamtmortalität aufwies (adjustierte HR 0,39).
Zur Ermittlung der Fitness wurden spezifische Tests wie ein Einbeinstand, ein 30-Sekunden-Stuhl-Test sowie ein zweiminütiger Tretest eingesetzt. Die Autoren betonten dabei, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die Korrelationen, aber keine unmittelbare Kausalität belegt.
Ergänzende Erkenntnisse lieferte eine brasilianische Studie aus dem Jahr 2022, die im British Journal of Sports Medicine erschien. Bei den 1.702 Probanden im Alter zwischen 51 und 75 Jahren scheiterte jede fünfte Person an einem zehnsekündigen Einbeinstand.
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Innerhalb der folgenden zehn Jahre wurde bei diesen Teilnehmern ein 1,84-fach höheres Sterberisiko festgestellt. Zudem trat Typ-2-Diabetes in dieser Gruppe dreimal häufiger auf als bei Teilnehmern, die den Test bestanden.
Biologisches Alter und Aktivitätsmuster
Forschungen der Harvard T.H. Chan School, veröffentlicht in Nature Communications, untersuchten den Zusammenhang zwischen Aktivitätsrhythmen und dem biologischen Alter. Auf Basis von Fitbit-Daten von 2.222 Erwachsenen wurde festgestellt, dass ein ausgeprägter Tag-Nacht-Rhythmus mit einer um 26 % bis 46 % geringeren Wahrscheinlichkeit für ungünstige Werte des sogenannten PhenoAge einhergeht.
Eine spätere Aktivitätsspitze im Tagesverlauf korrelierte hingegen mit einem höheren biologischen Alter, was insbesondere bei Frauen beobachtet wurde. Eine ähnliche Tendenz bestätigten Untersuchungen der Johns Hopkins University mit 207 Teilnehmern.
Hinsichtlich der Intensität der Bewegung deutet eine weitere Analyse darauf hin, dass die Kombination aus Schrittzahl und Gehtempo entscheidend ist. So senkten bereits weniger als 5.000 Schritte bei hohem Tempo oder eine Distanz von 5.000 bis 7.500 Schritten bei niedrigerem Tempo das Sterberisiko um bis zu 43 %.
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Eine australische Studie mit 120 Teilnehmern im Durchschnittsalter von 72 Jahren zeigte zudem, dass hochintensives Intervalltraining (HIIT) den Erhalt der Muskelmasse fördert, während moderates Training primär den Fettabbau unterstützt.
Neue Richtlinien und präventive Diagnostik
Fachleute definieren Fitness als die Fähigkeit, Alltagsaufgaben kraftvoll und ohne übermäßige Erschöpfung zu bewältigen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt als Basis mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Bewegung pro Woche, ergänzt durch zweimaliges Krafttraining der großen Muskelgruppen.
Aktuelle Updates der EULAR (European Alliance of Associations for Rheumatology) aus dem Jahr 2025, die auf zahlreichen systematischen Reviews und kontrollierten Studien basieren, sehen vor, dass auch kurze „Bewegungssnacks“ ohne Mindestdauer pro Einheit zur Erfüllung dieser Ziele beitragen können.
In der medizinischen Diagnostik werden künftig neue Instrumente zur Risikobewertung erwartet. Professorin Eline Slagboom von der Universität Leiden stellt im Rahmen des DGG/DGGG-Jahreskongresses in Frankfurt Ende September 2026 den Score „Personal-MetaboHealth“ vor. Dieses kostengünstige Verfahren soll Risiken für Gebrechlichkeit, kognitiven Verfall sowie kardiovaskuläre Erkrankungen frühzeitig sichtbar machen.
Demografische Entwicklung und gesunde Lebensjahre
Die Relevanz dieser Erkenntnisse wird durch aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes und des Berichts Lancet Public Health unterstrichen. Zwar stieg die globale Lebenserwartung zwischen 1990 und 2023 von 64,6 auf 73,8 Jahre, doch die Spanne zwischen der allgemeinen Lebenserwartung und den gesund verbrachten Jahren vergrößert sich.
In Deutschland betrug diese Lücke im Jahr 2023 etwa 11,9 Jahre. Da laut Prognosen im Jahr 2035 jeder vierte Mensch in Deutschland mindestens 67 Jahre alt sein wird, gewinnen präventive Maßnahmen und eine gesunde Lebensführung, die laut Studien des DZNE über verschiedene Ernährungsstile hinweg das biologische Altern verlangsamen können, zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung.
