Fokus-Blöcke, Minuten

Fokus-Blöcke: 45 Minuten Konzentration folgen biologischen Zyklen

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Siemens-CEO Roland Busch reserviert täglich Sportzeit und begrenzt seine Kommunikation. Studien zeigen zudem Effekte flexibler Arbeitsmodelle.

Siemens-Chef Roland Busch setzt auf Sport und striktes Zeitmanagement
Ein minimalistischer, heller Arbeitsplatz am frühen Morgen mit Blick auf einen ruhigen Park, der Fokus und Disziplin ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Die Integration von intensiven sportlichen Aktivitäten in den Arbeitsalltag von Führungskräften gewinnt in der Wirtschaft an Bedeutung. Ein prominentes Beispiel für diese Entwicklung ist der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Roland Busch.

Wie Berichte von Anfang September 2026 verdeutlichen, nutzt der Manager, der bereits seit 32 Jahren im Unternehmen tätig ist und den Posten des CEO im Februar 2021 übernahm, feste Sporteinheiten als festen Bestandteil seines Zeitmanagements.

Effizienz durch Verknappung und Fokus

Busch beginnt seinen Arbeitstag regelmäßig mit einer sportlichen Betätigung von 75 bis 90 Minuten. Um dieses Pensum im straffen Zeitplan eines DAX-Konzerns unterzubringen, setzt er auf eine konsequente Filterung seiner Kommunikation. Bei einem täglichen Aufkommen von rund 200 E-Mails stellt er sicher, dass sein Posteingang stets unter der Marke von 100 Nachrichten bleibt.

Seine Antworten fallen dabei oft extrem kurz aus und beschränken sich häufig auf Rückmeldungen wie „OK“ oder „No“. Zudem verzichtet er auf regelmäßige Meetings mit seinen direkten Mitarbeitern, um zusätzliche Freiräume für strategische Aufgaben und körperliche Fitness zu schaffen.

Ähnliche Ansätze zur Steigerung der Arbeitseffizienz zeigen sich auch in anderen Unternehmensmodellen. Der Unternehmer Lasse Rheingans führte bereits im Jahr 2018 in seinem Bielefelder Unternehmen eine 25-Stunden-Woche bei vollem Gehalt ein.

Hierbei wurde beobachtet, dass Mitarbeiter in fünf Stunden das gleiche Pensum bewältigten wie zuvor in acht Stunden. Das Modell setzt auf Fokusblöcke von 45 Minuten, da die menschliche Konzentration biologischen Zyklen von etwa 80 bis 120 Minuten folgt, wobei die ersten 45 Minuten als besonders wertvoll gelten.

Biologische Rhythmen als Produktivitätsfaktor

Die Ausrichtung der Arbeit an biologischen Gegebenheiten wird auch von der Wissenschaft gestützt. Die Chronobiologin Camilla Kring empfiehlt eine Kernarbeitszeit zwischen 10 und 15 Uhr, da lediglich rund 20 Prozent der Bevölkerung dem Typus des Frühaufstehers (Lerchen) zuzuordnen seien. Praktische Auswirkungen solcher Anpassungen zeigten sich in der Klinik Wartenberg.

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Nach einer Umstellung der Arbeitszeiten auf den individuellen Chronotyp sank die Tagesmüdigkeit um 72 Prozent. Zudem ging die Zahl der Mitarbeiter mit mehr als drei Krankheitstagen um 48 Prozent zurück. In Betrieben, in denen Meetings erst ab 10 Uhr angesetzt wurden, stieg die Mitarbeiterzufriedenheit von 48 auf 95 Prozent.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur körperlichen Leistungsfähigkeit

Für die körperliche Fitness im Berufsleben liefert die Sportwissenschaft aktuelle Leitlinien. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025, die 25 kontrollierte Studien auswertete, unterstreicht die Bedeutung von Krafttraining zum Erhalt der Muskelmasse.

Gemäß der ACSM-Leitlinie von 2026 genügen bereits zwei Trainingseinheiten pro Woche für die großen Muskelgruppen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät zudem zu mindestens 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver Ausdauerbelastung pro Woche.

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Ernährungswissenschaftliche Studien aus dem Jahr 2025 untersuchten zudem die Wirkung von Nitrat, etwa durch Rote-Bete-Saft, auf die sportliche Leistung. Bei Kletterern in großer Höhe konnten Verbesserungen bei Kraft, Flexibilität und der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) festgestellt werden.

Auch Teamsportler profitierten laut Untersuchungen des European Journal of Applied Physiology von einer schnelleren Reaktion und gesteigerter Ausdauer nach einer entsprechenden Supplementierung.

Die Belastungsprobe der dualen Karriere

Während Spitzenmanager wie Roland Busch Sport zur Kompensation nutzen, stehen Profisportler vor der umgekehrten Herausforderung. Eine Sporthilfe-Studie belegt, dass geförderte Athleten im Durchschnitt eine 60-Stunden-Woche für Sport und Beruf bewältigen müssen.

Die Handballerin Oliwia Kami?ska vom Buxtehuder SV etwa leiste bis zu 50 Stunden pro Woche in ihrem Beruf als Versicherungsfachfrau und im Leistungssport. Solche Doppelbelastungen haben auch ökonomische Folgen: Laut dem Sportökonomen Breuer verlieren Athleten durch den späteren vollen Einstieg ins Berufsleben im Schnitt zwischen 30.000 und 50.000 Euro an Lebenseinkommen.

Technische Unterstützung für die sportliche Integration bietet derweil die Industrie. Unternehmen wie die Foxyfitness GmbH aus Linz entwickeln Anwendungen, die mittels Smartphone-Kamera Übungen erkennen und Feedback geben, um Trainingseinheiten von 5 bis 30 Minuten effizient in den Alltag zu integrieren. Solche digitalen Lösungen zielen darauf ab, den zeitlichen Aufwand für die Gesundheitsvorsorge auch bei hoher beruflicher Auslastung zu minimieren.

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