Foodwatch, Ashwagandha-Hersteller

Foodwatch klagt: Ashwagandha-Hersteller mit unbelegten Gesundheitsversprechungen

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Foodwatch beanstandet Ashwagandha-Werbung von drei Anbietern. Fehlende Belege und Warnhinweise stehen im Mittelpunkt der rechtlichen Schritte.

Foodwatch mahnt More Nutrition, Naturally You und ESN ab
Mehrere braune Glasflaschen und getrocknete Ashwagandha-Wurzeln auf einem Holztisch in einem Labor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch geht Ende August 2026 rechtlich gegen mehrere namhafte Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln vor. Im Fokus stehen die Unternehmen More Nutrition, Naturally You und ESN.

Den Herstellern wird vorgeworfen, für Produkte mit dem pflanzlichen Inhaltsstoff Ashwagandha auf rechtswidrige Weise geworben zu haben. Die Kritikpunkte umfassen sowohl unbelegte Gesundheitsversprechen als auch das Fehlen notwendiger Warnhinweise auf den Verpackungen oder in den Produktbeschreibungen.

Regulatorische Mängel bei Ashwagandha-Präparaten

Die Abmahnungen durch Foodwatch basieren auf der Analyse von Wer??ussagen, die nach Ansicht der Organisation nicht mit den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen für Nahrungsergänzungsmittel vereinbar sind.

Konkret wird beanstandet, dass die beworbenen Wirkungen von Ashwagandha – einer Pflanze, die häufig in der ayurvedischen Lehre verwendet wird – wissenschaftlich nicht hinreichend belegt seien, um sie in der gewählten Form als Gesundheitsvorteile darzustellen.

Ein weiterer zentraler Aspekt der Abmahnung betrifft die Sicherheit der Verbraucher. Foodwatch weist darauf hin, dass für Ashwagandha-Produkte spezifische Warnhinweise erforderlich seien, um potenzielle Risiken für bestimmte Personengruppen auszuschließen.

Diese Hinweise seien bei den Produkten der abgemahnten Unternehmen jedoch nicht ausreichend vorhanden gewesen. Das Unternehmen ESN reagierte auf die Vorwürfe mit dem Verweis auf ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) vom Juli 2026, welches die rechtliche Bewertung solcher Produkte im aktuellen Kontext beeinflussen könnte.

Wissenschaftliche Überprüfung natürlicher Inhaltsstoffe im Fokus

Der aktuelle Fall fügt sich in eine Reihe von Untersuchungen ein, die die Sicherheit und Wirksamkeit natürlicher Inhaltsstoffe und Lebensmittelzusätze kritisch hinterfragen. Während Supplement-Hersteller oft mit der Natürlichkeit ihrer Produkte werben, zeigen aktuelle Forschungsarbeiten die Komplexität dieser Wirkstoffe auf.

So untersuchten Forscher in einer Studie vom August 2026 den Einfluss von täglich 500 ml Orangensaft auf gesunde Erwachsene. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der regelmäßige Konsum über einen Zeitraum von 60 Tagen die Aktivität von rund 1700 Genen in den Immunzellen beeinflussen kann. Betroffen seien unter anderem Prozesse der Entzündungsregulation, des Blutdrucks und des Fettstoffwechsels.

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Als potenzieller Wirkstoff wurde das Flavonoid Hesperidin identifiziert. Trotz dieser beobachteten Veränderungen betonten die Forscher, dass ein konkreter klinischer Nutzen zur Vorbeugung oder Heilung von Krankheiten durch diese Studie nicht nachgewiesen sei – ein Punkt, der die strenge Reglementierung von Gesundheitsversprechen unterstreicht.

Risikobewertung von Zusatzstoffen und Zuckeraustauschstoffen

Parallel zur Debatte um pflanzliche Extrakte rücken auch etablierte Zuckeraustauschstoffe verstärkt in den Fokus der Wissenschaft. Eine im August 2026 veröffentlichte Studie der Charité untersuchte die Auswirkungen von Xylit auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Dabei wurde festgestellt, dass hohe Xylit-Werte im Blut mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verbunden sein könnten.

In einer kanadischen Kohorte wurde über einen Zeitraum von sechs Jahren bei den Probanden mit den höchsten Werten ein um 57 Prozent höheres Risiko beobachtet; in einer europäischen Langzeitbeobachtung über 30 Jahre lag die Risikoerhöhung bei 18 Prozent.

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Obwohl die Forscher klarmachten, dass damit kein kausaler Beweis vorliege und Xylit weiterhin als zugelassener Stoff gilt, verdeutlichen solche Ergebnisse den steigenden Druck auf die Branche, Inhaltsstoffe kontinuierlich neu zu bewerten. Ähnliche Bedenken wurden auch im Zusammenhang mit Erythrit geäußert.

Qualitätskontrolle und Rückstände in Naturprodukten

Neben der Wirkung von Extrakten bleibt die Reinheit von Produkten ein zentrales Thema für den Verbraucherschutz. Eine Untersuchung von Öko-Test im August 2026 verdeutlicht die Qualitätsunterschiede bei vermeintlich naturbelassenen Produkten wie Apfelessig. Von 23 getesteten naturtrüben Produkten schnitten 21 Bio-Erzeugnisse mit gut oder sehr gut ab.

Im Gegensatz dazu wurden in konventionellen Produkten Rückstände von Captan-Metaboliten nachgewiesen. Dabei handelt es sich um Abbauprodukte eines Fungizids, das als potenziell krebserregend eingestuft wird. Solche Befunde unterstreichen die Notwendigkeit strenger Kontrollen, insbesondere wenn Produkte mit einem besonderen Gesundheitsfokus vermarktet werden.

Die aktuellen Abmahnungen gegen More Nutrition, Naturally You und ESN signalisieren in diesem Umfeld eine Verschärfung der Gangart gegenüber Marketingpraktiken, die wissenschaftliche Evidenz und regulatorische Sorgfaltspflichten vermissen lassen.

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