Forscher, Antarktis

Forscher: Antarktis vor einem Kipppunkt – Pinguine bedroht

Veröffentlicht: 21.08.2025 um 12:37 Uhr, dpa.de

Der Klimawandel trifft die Antarktis zunehmend: Das Eis könnte schwinden, der Meeresspiegel deutlich steigen, Kaiserpinguine ihr Brutgebiet verlieren. Forscher warnen vor unumkehrbaren VerÀnderungen.

  • Der Klimawandel trifft die Antarktis besonders hart. (Archivbild) - Bild: Jorge Saenz/AP/dpa
    Der Klimawandel trifft die Antarktis besonders hart. (Archivbild) - Bild: Jorge Saenz/AP/dpa
  • Die Vogelgrippe bedroht nach EinschĂ€tzung von Forschern auch Pinguine. (Archivbild) - Bild: Liu Shiping/Xinhua/dpa
    Die Vogelgrippe bedroht nach EinschÀtzung von Forschern auch Pinguine. (Archivbild) - Bild: Liu Shiping/Xinhua/dpa
Der Klimawandel trifft die Antarktis besonders hart. (Archivbild) - Bild: Jorge Saenz/AP/dpa Die Vogelgrippe bedroht nach EinschÀtzung von Forschern auch Pinguine. (Archivbild) - Bild: Liu Shiping/Xinhua/dpa

Die Antarktis erlebt nach EinschĂ€tzung von Wissenschaftlern einen tiefgreifenden Wandel, der gravierende Folgen fĂŒr die Ozeane und das Weltklima, aber auch fĂŒr Tiere wie Kaiserpinguine haben könnte. Ein internationales Forscherteam um die australische Klimawissenschaftlerin Nerilie Abram spricht in der Fachzeitschrift «Nature» von einem antarktischen «Regimewechsel», also von Hinweisen auf eine abrupte und anhaltende VerĂ€nderung - mit möglicherweise katastrophalen Folgen.

Der Überblick ĂŒber den Forschungsstand warnt vor einem «schnellen, ineinandergreifenden und teils selbstverstĂ€rkenden Wandel» in Eis, Ozeanen und Ökosystemen. «Wichtig ist, dass wir erkennen: Diese VerĂ€nderungen hĂ€ngen alle miteinander zusammen. Wenn wir einen Teil des Systems verĂ€ndern, hat das Auswirkungen auf alle anderen Teile», wird Erstautorin Abram in einer Mitteilung zitiert.

KĂŒstenstĂ€dte in Gefahr

Vor allem warnen die Experten vor einem im Falle eines grĂ¶ĂŸeren Eisverlusts massiv ansteigenden Meeresspiegel. Am stĂ€rksten gefĂ€hrdet ist derzeit der Westantarktische Eisschild (WAIS): Ein vollstĂ€ndiger Zusammenbruch des WAIS wĂŒrde den Meeresspiegel um mehr als drei Meter ansteigen lassen und weltweit KĂŒstenstĂ€dte und -gemeinden bedrohen, warnen die Wissenschaftler. Die Folgen könnten dann noch fĂŒr kommende Generationen desaströs sein.

Möglicherweise sei es bereits zu spĂ€t, um durch weltweite CO2-Reduktion die Entwicklung noch aufzuhalten, heißt es in dem Fachartikel. Die Folge seien möglicherweise «globale Kippkaskaden» - also Kettenreaktionen, die schwer zu stoppen sind. Sprich: Das Westantarktische Eis beginnt zu schmelzen, daraufhin steigt der Meeresspiegel. WĂ€rmeres Wasser fließt an andere EisflĂ€chen, woraufhin noch mehr Eis schmilzt - und der Meeresspiegel weiter steigt.

Derweil gebe es Hinweise darauf, dass sich tiefe Meeresströmungen rund um den Kontinent (Antarctic Overturning Circulation) abschwĂ€chen, die unter anderem fĂŒr die Verteilung von WĂ€rme, Sauerstoff und NĂ€hrstoffen in den Weltmeeren verantwortlich sind. Die Folge: Der Ozean könnte weniger CO2 aufnehmen. Das wirke wie ein VerstĂ€rker, der die Erde ĂŒber viele Generationen noch stĂ€rker aufheizen könnte, was unter anderem gravierende VerĂ€nderungen in marinen LebensrĂ€umen auslösen wĂŒrde.

Kaiserpinguine könnten aussterben

Gleichzeitig droht sich der anhaltende Klimadruck auch auf die Pflanzen- und Tierarten der Region auszuwirken. Vor allem Kaiserpinguine benötigten stabiles Meereis fĂŒr ihre Brut, heißt es. Doch seit 2016 verzeichnen rund 30 der etwa 60 Kolonien in der Region vollstĂ€ndige oder teilweise BrutausfĂ€lle, weil Eis immer frĂŒher wegbricht. 

«Die langfristigen Folgen fĂŒr Kaiserpinguine sehen nicht gut aus», sagte die Antarktisforscherin und Ko-Autorin Barbara Wienecke dem australischen Sender ABC. Das Problem sei, dass BrutausfĂ€lle inzwischen auf dem ganzen Kontinent auftrĂ€ten – es gebe im Grunde keinen sicheren Ort mehr fĂŒr die ikonischen Vögel. Die Forscher schlagen Alarm: Bis 2100 könnten Kaiserpinguine ausgestorben sein, falls der Trend anhĂ€lt.

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