Frankreich, Null-Microsoft-Politik

Frankreich plant Null-Microsoft-Politik: 1 Milliarde Euro Einsparung

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 10:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein französischer Parlamentsbericht fordert den kompletten Umstieg auf Open-Source-Software in Schulen und Verwaltung bis 2030.

Frankreichs radikale Wende: Null-Microsoft-Politik bis 2030 geplant
Holografische Projektion eines Datennetzwerks und EU-Flaggenemblem ĂŒber einem modernen Schreibtisch mit Laptop, der Open-Source-Code zeigt. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Ein aktueller Parlamentsbericht empfiehlt eine „Null-Microsoft-Politik“ fĂŒr Schulen und verpflichtende Open-Source-Beschaffung bis 2030. Das wĂ€re der bislang schĂ€rfste Kurswechsel gegen amerikanische Technologiekonzerne in Europa.

Milliarden durch Open Source sparen

Der französische Bericht zur digitalen AbhĂ€ngigkeit zeichnet ein alarmierendes Bild: Rund 80 Prozent aller SoftwarekĂ€ufe der öffentlichen Verwaltung gehen derzeit an US-Firmen. Das entspricht jĂ€hrlichen Ausgaben von etwa 1,5 Milliarden Euro fĂŒr außereuropĂ€ische Lösungen. Die Parlamentarier rechnen vor: Ein Umstieg auf Open-Source-Alternativen könnte den Staat eine Milliarde Euro an LizenzgebĂŒhren sparen.

Konkret schlĂ€gt der Bericht 29 Maßnahmen vor. Dazu gehören die GrĂŒndung einer Stiftung namens „France Libre Open Source“ (Flos) sowie ein eigener Investitionsfonds mit dem Namen Logic. Kernforderung: Bis Ende des Jahrzehnts sollen proprietĂ€re Softwareprodukte – insbesondere von Microsoft – aus dem Bildungsbereich verschwinden.

Deutsche IT-Entscheider fordern europÀische Produkte

Die französische Initiative fĂ€llt auf fruchtbaren Boden. Eine Studie des Sicherheitsunternehmens Myra Security zeigt: 90 Prozent der deutschen IT-EntscheidungstrĂ€ger verlangen inzwischen europĂ€ische Digitalprodukte fĂŒr staatliche und kritische Infrastrukturen. Die Umfrage unter ĂŒber 1.800 Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich und den nordischen LĂ€ndern belegt einen dramatischen Stimmungswandel. Schlossen 2025 noch knapp 48 Prozent europĂ€ische Software grundsĂ€tzlich aus, sind es heute nur noch 4,6 Prozent.

Neue BĂŒro-Alternativen aus der Open-Source-Szene

WĂ€hrend Regierungen nach Auswegen aus den Ökosystemen von Microsoft und Google suchen, treibt die Open-Source-Gemeinschaft die Entwicklung voran. Ein neues Projekt namens Euro-Office wurde angekĂŒndigt. Getragen von einem BĂŒndnis aus Nextcloud, EuroStack und Proton, basiert die Suite auf einem Abkömmling von OnlyOffice und soll einen kollaborativen Online-Editor bieten, der mit Standardformaten wie DOCX und XLSX kompatibel ist.

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Parallel dazu veröffentlichte die Document Foundation LibreOffice 25.2. Die aktualisierte Version unterstĂŒtzt ODF 1.4 und verbessert die Zusammenarbeit mit proprietĂ€ren Formaten. In einer Stellungnahme kritisierte die Stiftung Microsoft-Office-Formate scharf: Sie schafften eine proprietĂ€re AbhĂ€ngigkeit und gefĂ€hrdeten die langfristige digitale SouverĂ€nitĂ€t. Die Foundation fordert öffentliche Einrichtungen auf, das offene OpenDocument-Format (ODF) zu nutzen.

Rechtsstreit um Gesundheitsdaten

Der Kampf um digitale SouverĂ€nitĂ€t wird auch vor Gericht ausgetragen. Mehrere Technologieorganisationen, darunter Nexedi und der französische IT-Verband CNLL, haben Beschwerde wegen Bevorzugung eingereicht. Konkret geht es um die französische Gesundheitsdatenplattform Health Data Hub. Die KlĂ€ger werfen dem Staat vor, sensible Gesundheitsdaten ohne öffentliche Ausschreibung auf Microsoft Azure gehostet zu haben – obwohl europĂ€ische Alternativen zur VerfĂŒgung standen.

Deutsch-französische Allianz im Verteidigungsbereich

Auch im Sicherheitssektor zeichnet sich eine Wende ab. Bei einem Ministertreffen einigten sich Frankreich und Deutschland auf die Entwicklung eines „europĂ€ischen souverĂ€nen digitalen RĂŒckgrats“. Diese Initiative soll MilitĂ€rsoftware des US-Unternehmens Palantir ersetzen. Beide LĂ€nder stellen ihre Inlandsgeheimdienste bereits auf die europĂ€ische Alternative ChapsVision um.

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EU-Parlament setzt auf eigene KI

Das EuropĂ€ische Parlament treibt ebenfalls die Digitalisierung voran. Derzeit entsteht der EPGenAI Hub, eine interne generative KI-Plattform, die im September 2026 an den Start gehen soll. FĂŒr die lokale Ebene setzt das Parlament auf Open-Source-Modelle wie Llama und Mistral, behĂ€lt sich aber den Zugriff auf externe Modelle fĂŒr bestimmte Aufgaben vor.

Öffentliche Gelder fĂŒr Open-Source-Projekte

Um die Infrastruktur dieser Projekte zu stĂŒtzen, fließen nun erstmals öffentliche Mittel in die Community-Entwicklung. Der Sovereign Tech Fund investiert in das Content-Management-System Joomla – genauer gesagt in ein 20-monatiges Barrierefreiheitsprogramm. Es ist eines der ersten Beispiele dafĂŒr, dass ein ehrenamtlich getragenes Open-Source-Projekt staatliche Förderung erhĂ€lt, um die Anforderungen des EU-Barrierefreiheitsgesetzes und deutscher Standards zu erfĂŒllen.

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