FTC, Kartellverfahren

FTC leitet Kartellverfahren gegen Microsoft Cloud-KI-Bündelung ein

Veröffentlicht: 04.07.2026 um 10:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de

US-Kartellbehörde untersucht Microsofts Verknüpfung von Cloud und KI. Parallel prüft die EU eine Einstufung von Azure als Gatekeeper.

Microsoft: FTC prüft Cloud-KI-Bündelung, EU erwägt Gatekeeper-Status
Mikrochip mit blauen KI-Neuronalnetzlinien und dezentem FTC-Logo vor verschwommenem Rechenzentrum, symbolisiert regulatorische Kontrolle von KI und Cloud-Computing. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) hat unter der Leitung von Kommissar Andrew Ferguson ein Verfahren gegen den Technologiekonzern eingeleitet. Im Zentrum steht die Frage, ob Microsoft seine marktbeherrschende Stellung im Cloud-Geschäft nutzt, um Konkurrenten im boomenden KI-Sektor auszubremsen.

Wettbewerbsdruck aus den USA und Europa

Die Ermittlungen der FTC konzentrieren sich darauf, ob Microsofts Strategie, KI-Funktionen direkt in seine Azure-Plattform zu integrieren, gegen Kartellrecht verstößt. Die Behörde befürchtet, dass diese Bündelung kleineren KI-Entwicklern und konkurrierenden Cloud-Anbietern den Zugang zum Unternehmensmarkt erschwert.

Parallel dazu prüft die Europäische Kommission, ob sie Microsoft Azure und Amazon Web Services (AWS) als sogenannte Gatekeeper unter dem Digital Markets Act (DMA) einstufen soll. Zwar unterschreiten beide Cloud-Dienste derzeit bestimmte quantitative Schwellenwerte für eine solche Einstufung. Die Kommission erwägt jedoch die Anwendung von Artikel 3(8), der eine Gatekeeper-Einstufung auf Basis qualitativer Kriterien ermöglicht.

Die europäischen Regulierer untersuchen dabei vor allem die Hürden bei einem Anbieterwechsel und die Interoperabilität der Cloud-Dienste. Ein umfassender Bericht zum Wettbewerb im Cloud-Markt wird für Mai 2027 erwartet. Eine Entscheidung über den Gatekeeper-Status für Azure könnte jedoch bereits Ende dieses Jahres fallen.

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Microsoft hat Anfang der Woche eine neue Einheit namens Frontier Company gegründet. Mit einem Investitionsvolumen von umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro soll sie die Lücke zwischen KI-Pilotprojekten und messbaren Geschäftsergebnissen schließen.

Unter der Leitung von Präsident Rodrigo Kede Lima beschäftigt Frontier Company 6.000 Ingenieure. Diese arbeiten nach einem Modell, bei dem Spezialisten direkt in Kundenunternehmen eingebettet werden, um maßgeschneiderte KI-Systeme zu entwickeln. Die Initiative reagiert auf eine hohe Misserfolgsquote in der Branche: Aktuelle Studien zeigen, dass zwar 78 Prozent der Unternehmen KI einsetzen, aber weniger als zehn Prozent einen messbaren Return on Investment erzielen. Viele Pilotprojekte schaffen es nicht in die Serienproduktion.

Frontier Company agiert mit einer gewissen strukturellen Unabhängigkeit und bleibt modellneutral. Das bedeutet, die Einheit kann je nach Kundenbedarf auf Technologien von OpenAI, Anthropic oder Open-Source-Alternativen zurückgreifen. Zu den ersten Kunden zählen Unilever, Novo Nordisk, Land O'Lakes und die London Stock Exchange Group (LSEG).

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Microsoft ist nicht allein mit dem Ausbau professioneller KI-Dienstleistungen. Amazon hat eine ähnliche Einheit mit einer Milliarde Dollar Investition aufgebaut. Auch KI-Start-ups wie OpenAI und Anthropic suchen eigenen Angaben zufolge nach Joint-Venture-Partnern, um Unternehmenskunden zu unterstützen. Microsoft hat zudem Partnerschaften mit großen Beratungsfirmen wie Accenture, Capgemini, EY, KPMG und PwC geschlossen.

Die verstärkte regulatorische Aufmerksamkeit trifft Microsoft in einer Phase volatiler Aktienbewertung. Trotz eines starken Kauf-Ratings unter Analysten und einem Kursziel von umgerechnet rund 510 Euro pro Aktie ist der Börsenwert des Konzerns seit Jahresbeginn um etwa 21 Prozent gefallen. Anleger und Regulierer beobachten gleichermaßen, wie das Unternehmen sein integriertes Produkt-Ökosystem mit den rechtlichen Anforderungen eines zunehmend regulierten globalen Technologiemarktes in Einklang bringt.

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