Führungskräfte-Check: Headhunter prüft KI-Kompetenzen gezielt ab
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Wettbewerb um Spitzenpositionen in der deutschen Wirtschaft verschärft sich durch den technologischen Wandel. Um die Eignung von Management-Kandidaten für die digitale Transformation festzustellen, nutzt der Headhunter Bernhard Stieger inzwischen einen Katalog exklusiver Fragen, mit denen er gezielt die KI-Kompetenzen von Führungskräften prüft. Dieser Schritt reagiert auf eine Marktsituation, in der technisches Verständnis zunehmend über die berufliche Zukunft entscheidet.
Automatisierung und steigende Arbeitslosigkeit im Management
Die Notwendigkeit für Führungskräfte, sich mit Algorithmen und künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen, wird durch aktuelle Arbeitsmarktdaten untermauert. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der arbeitslosen Führungskräfte im Jahr 2025 um 14,3 % gestiegen.
Parallel dazu verdeutlichen Analysen des IAB Job-Futuromats das Substitutionspotenzial im Management: Das Jobprofil einer Führungskraft wird dort als zu 67 % durch Algorithmen ersetzbar eingestuft.
Diese Entwicklung führt dazu, dass Personalverantwortliche ihre Auswahlkriterien grundlegend überdenken. Laut Erhebungen des Personaldienstleisters Robert Half haben 61 % der Hiring Manager ihre Anforderungen seit dem Aufstieg der KI angepasst. Dabei suchen 39 % der Verantwortlichen aktiv nach Kandidaten mit Kenntnissen im Bereich Generative AI (GenAI).
Da technisches Verständnis und rechtliche Rahmenbedingungen bei der Digitalisierung zunehmend über berufliche Erfolge entscheiden, müssen Verantwortliche die neuen Spielregeln kennen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act verschafft Ihnen den nötigen Überblick über alle neuen Pflichten und Fristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Ebenfalls 39 % der Befragten geben an, für entsprechende Expertise ein höheres Gehalt zu bieten. Experten von Robert Half betonen in diesem Zusammenhang jedoch, dass die reine Nutzung von KI-Werkzeugen nicht mit echter Expertise gleichzusetzen sei; entscheidend bleibe weiterhin die Fähigkeit zum kritischen Denken.
Interne Karrierewege prägen die deutschen Dax-Konzerne
Trotz des Drucks von außen setzen viele deutsche Großunternehmen bei der Besetzung ihrer Spitzenposten auf Kontinuität. Eine Analyse des Handelsblatt Research Institute, die Ende 2025 den Stand der Dax-40-Vorstände untersuchte, zeigt, dass fast zwei Drittel dieser Positionen durch interne Beförderungen besetzt wurden.
In Unternehmen wie BASF, BMW, Continental, DHL, Rheinmetall, RWE und Zalando wurden sogar sämtliche Vorstandsmitglieder aus den eigenen Reihen rekrutiert.
Das Profil der amtierenden Vorstände bleibt dabei weitgehend homogen. Eine Auswertung von 231 Lebensläufen ergab, dass die typische Führungskraft in diesen Gremien männlich, zwischen 50 und 60 Jahre alt ist, ein Wirtschaftsstudium absolviert hat und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.
Neben der technologischen Transformation rücken auch die rechtlichen Anforderungen an den Einsatz moderner Systeme immer stärker in den Fokus von Unternehmen und IT-Abteilungen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und wie Sie die Einhaltung der neuen Verordnungen sicherstellen. Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Dass Führungserfahrung allein nicht mehr ausreicht, zeigt sich auch in den Aufsichtsräten. Laut dem Board Monitor Europe 2025 befanden sich lediglich 52 % der im Jahr 2024 neu berufenen Aufsichtsräte zum Zeitpunkt ihrer Ernennung in einer leitenden Funktion.
Kompetenzbasierte Rekrutierung verdrängt klassische Ausbildung
Der Fokus bei der Personalauswahl verschiebt sich branchenübergreifend weg von formalen Abschlüssen hin zu tatsächlichen Fähigkeiten. Im Rahmen der Studie Michael Page Talent Trends 2026 gaben 65 % der Unternehmen an, auf kompetenzbasierte Rekrutierung zu setzen. Dabei bevorzugen 39 % der Recruiter spezifische Fähigkeiten, während nur noch 30 % der Ausbildung die höchste Priorität beimessen.
Besonders die jüngere Generation blickt mit gemischten Gefühlen auf die technologischen Veränderungen. Während in der Gesamtbevölkerung 27 % einen Jobverlust durch KI befürchten, liegt dieser Wert bei den 20- bis 29-Jährigen bei 43 %.
Gleichzeitig zeigt sich diese Altersgruppe sehr dynamisch: 82 % der 20-Jährigen sind offen für neue berufliche Chancen, und 41 % befinden sich bereits aktiv auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.
Führungskräfte stehen somit vor der Herausforderung, nicht nur ihre eigene KI-Kompetenz unter Beweis zu stellen, um in Auswahlprozessen wie denen von Bernhard Stieger zu bestehen, sondern auch die Ängste und die hohe Wechselbereitschaft jüngerer Mitarbeiter in einer zunehmend automatisierten Arbeitswelt zu moderieren.
